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Getreideaussaat und Getreidepreise

EU: Starke Regenfälle verzögern Getreideaussaat

Feld überflutet
am Dienstag, 12.11.2019 - 13:19 (Jetzt kommentieren)

Starke Regenfälle haben die Getreideaussaat in Nordwesteuropa erheblich verzögert. Im Vereinigten Königreich gehen die Weizenpreise durch die Decke.

Besonders dramatisch ist die Situation in Großbritannien. Dort könnten die Überflutungen zu einer kleineren Aussaatfläche bei Wintergetreide und zu einer Verlagerung auf Sommerkulturen führen. Der anhaltende Regen hat auch die Ernte von Zuckerrüben gestört.

"Derzeit sieht es so aus, dass die Aussaat von Winterweizen in Großbritannien nur zu 40 bis 50 Prozent abgeschlossen wurde. Es bleibt zwar noch etwas Zeit, doch die Wetteraussichten sind weiterhin alles andere als optimal", berichtete der Analyst Ben Bodart, von CRM AgriCommodities.

Bodart stellte außerdem fest, dass Großbritannien das letzte Mal solch große Probleme bei der Aussaat in der Kampagne 2013/14 hatte, als die Weizenfläche um fast 19 Prozent schrumpfte.

UK: Weizenpreise gehen durch die Decke

Als Reaktion auf die schleppende Aussaat sind die Weizenpreise am Terminmarkt in London für die Ernte 2020/21 stark gestiegen. Der Kontrakt für den November 2020 kletterte zuletzt auf einen Höchststand von 160 GBP pro Tonne (186 Euro). Das ist ein Plus von 22 Pfund bzw. 16 Prozent gegenüber den Preisen im September.

Der vordere November 2019 notiert aktuell bei 142 GBP (165 Euro) und damit 18 GBP niedriger als die nächjste Ernte – jedoch ebenfalls 10 Prozent höher als im September. "Einige Landwirte denken deshalb darüber nach, ihre Ernte 2019 länger einzulagern, um sie in der nächsten Saison zu verkaufen", sagte Bodart.

Frankreich auch mit Problemen

Feld überflutet

In Frankreich ist die Wintergerste aufgrund ihrer im Vergleich zu Weizen früheren Pflanzzeit ebenfalls stark gefährdet oder verliert an Anbaufläche. Die größte Bedrohung durch Regen bestand jedoch für die laufende französische Maisernte, bei der es nach Ansicht von Händlern bei den spät geernteten Pflanzen erhebliche Qualitätsverluste geben kann.

"Der Regen hat die Aussaat von Wintergerste in Frankreich und Großbritannien stark behindert, und es wird einige Regionen geben, die die Termine für die Aussaat nicht einhalten werden", sagte Benoit Fayaud von Strategie Grains. "Der Regen verzögert auch die Aussaat von Winterweizen, aber es gibt ein längeres Fenster als für Wintergerste".

Die französischen Landwirte hatten bis Anfang November 67 Prozent der erwarteten Weizenfläche bestellt. Nach Einschätzung der Landwirtschaftsagentur FranceAgriMer lagen die Bauern mit der Aussaat acht Tage hinter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Die Aussaat von Wintergerste war Anfang November zu 81 Prozent abgeschlossen und lag damit ebenfalls acht Tage hinter dem Fünfjahresdurchschnitt

Deutschland mit geringer Verzögerung

Feld überflutet

Auch in Deutschland hat sich die Aussaat Wintergetreide in einigen Regionen verzögert. "Es betrifft die Aussaat von Wintergetreide aber auch die Ernte von Körnermais und Zuckerrüben, die sich verzögert haben, sagt ein deutscher Analyst. "Bislang ist es noch kein ernstes Problem, heißt es weiter, aber es erschwert die Schätzungen der Anbaufläche von Winterweizen für die nächste Ernte, da wir nicht wissen, ob einige Landwirte sich entscheiden, doch auf Sommerkulturen umzusteigen.

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) hatte ebenfalls berichtet, dass die Körnermaisernte in Deutschland nur schleppend vorankommt. Während sie im Westen in einigen Regionen auf ihr Ende zugeht, stehen insbesondere im Südwesten noch große Mengen auf den Äckern, hießs es.

Der teilweise ergiebige Regen in den vergangenen Wochen hat die Pflanzenentwicklung nach einem vergleichsweise trockenen Sommer positiv beeinflusst. Allerdings hat das zuletzt recht kühle und regnerische Wetter die Abreife verzögert und die Ernte immer wieder unterbrochen, da die Böden teilweise zu nass sind, berichtete der DRV.

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