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Zuckermarkt

EU-Zuckerindustrie will Anbau drosseln

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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
14.11.2018

Die Zuckerindustrie in wichtigen Anbauländern der EU will wegen der angespannten Marktlage offenbar die Erzeugung drosseln.

Rübenproduktion

Ein Vertreter der Generaldirektion Landwirtschaft wies bei der gestrigen Anhörung im EU-Landwirtschaftsausschuss in Straßburg darauf hin, dass die Produzenten in den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich und Belgien im Wirtschaftsjahr 2019/20 ihre Zuckerrübenanbauflächen zwischen 5 Prozent und 15 Prozent verkleinern wollten.

Für Deutschland, wo nach Frankreich der meiste Zucker in der Gemeinschaft erzeugt wird, gilt dies anscheinend nicht. Zumindest wurde die Bundespublik vom Brüsseler Kommissionsbeamten nicht erwähnt.

Hogan sieht Markt-Stabilisierung

EU-Agrarkommissar Phil Hogan hatte bereits beim letzten Agrarrat in Luxemburg deutlich gemacht, dass er Signale einer sich abzeichnenden Stabilisierung am Zuckermarkt sehe.

Unter anderem sorge der für das Wirtschaftsjahr 2018/19 vorausgesagte Rückgang der EU-Zuckerproduktion um 11 Prozent für eine gewisse Entspannung. Außerdem sei derzeit auch das Zuckeraufkommen am Weltmarkt rückläufig.

Kritik an positiven Preisprognosen und Preis-Dumping

EU Zuckerpreise

Gleichzeitig kritisierte der französische EU-Parlamentarier Michel Dantin, dass wichtige Erzeugerländer außerhalb Europas ihre Zuckerexporte massiv subventionierten, darunter Indien.

Der Abgeordnete der Europäischen Volkspartei (EVP) forderte die Kommission auf, nicht noch mehr Zeit zu verlieren und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Scharfe Kritik übte auch der ehemalige italienische Landwirtschaftsminister an den von der Kommission in der Vergangenheit aufgestellten Preisprognosen für die Zeit nach dem Quotenende. Diese hätten sich im Lichte der „aktuell katastrophalen Lage“ als viel zu optimistisch herausgestellt.

Private Lagerhaltung fördern

Der Franzose Eric Andrieu warf der Kommission vor, die gegenwärtige Krise des Zuckersektors „durch eine ausreichende Zahl an Pleiten der Landwirte“ zu managen.

In ähnlicher Weise sei die EU-Behörde nach seiner Einschätzung auch bei der Milchkrise vorgegangen. Dringend notwendig seien stattdessen Gegenmaßnahmen wie die Förderung der privaten Lagerhaltung.

Mit Material von Agrar-Europe (AgE)

Lesen Sie dazu auch: Weniger Rüben und weniger Zucker

Weitere Informationen zur Entwicklung am Zuckermarkt finden Sie in der aktuellen Ausgaben von agrarheute

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Aktuelles Heft Dezember 2018

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