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Getreideernte und Preise

Europa: Gluthitze lässt Getreideernte schrumpfen

Getreideernte
am
26.07.2019

Die erste Hitzewelle von Ende Juni hat Spuren an der europäischen Getreideernte hinlassen.

Die Europäische Kommission senkte ein weiteres Mal ihre Ernteprognose für Weizen. Bei Gerste, Roggen und Hartweizen nahmen die Brüsseler Experten ihre Erwartung ebenfalls leicht zurück. Die aktuelle zweite Hitzewelle hat auf die schon weit fortgeschrittene Ernte von Weizen und Wintergerste jedoch keinen Einfluss mehr. Bei Sommergerste und Mais könnten die Schäden aus der aktuellen Gluthitze jedoch größer sein als die Kommission derzeit unterstellt.

In der vorigen Woche hatten die Analysten von Strategie Grains ihre Ernteprognose jedenfalls nach unten geschraubt. Dabei fiel die Abwärtskorrektur der privaten Analysten bei Weizen und bei Mais kräftiger aus als jetzt bei der Kommission. Die Hitzewelle, die Ende Juni Westeuropa und Polen getroffen hat, hat das Ertragspotenzial gedrückt, insbesondere bei Pflanzen auf leichten Böden", sagte Strategie Grains dazu in seinem monatlichen EU-Getreidebericht. „Die Wintergerste ist der Hitzewelle jedoch größtenteils entgangen, weil die Körner bereits gereift waren“ heißt es weiter.

Trotz Hitze relativ große Getreideernte

Getreideernte

In ihrer Juli-Prognose hat die Kommission die Erntemengen bei Weizen, aber auch bei Gerste, Roggen und Hartweizen nach unten geschätzt. Für Mais und Hafer setzte man die Erwartungen hingegen leicht nach oben. Grund ist eine im Vergleich zum Vormonat etwas nach oben korrigierte Anbaufläche.

Insgesamt erreichen die Ernteprognosen im Vergleich zum Vorjahr jedoch weiterhin relativ hohe Werte und übertreffen trotz der Korrekturen das langjährige Mittel. Die neue europäische Getreideernte (einschließlich Mais) schätzt die Kommission jetzt auf  gut 310 Mio. t. Das sind wegen der nach oben korrigierten Mais- und Haferernte nur 1 Mio. t weniger als im Vormonat.

Außerdem wär die neue Ernte etwa 20 Mio. t bzw. knapp 7 Prozent größer als im Dürrejahr 2018. Zugleich wäre dies die größte Getreideernte seit dem Jahr 2015. Die Kommission erwartet bei den Beständen jedoch nur leichten Zuwachs von 3 Mio. t auf  knapp 51 Mio. t. Die Getreide-Exporte sollen um 4 Mio. t auf knapp 39 Mio. t anwachsen.

Weizenernte kleiner, Preise dennoch gefallen

Getreideernte

Beim Weichweizen geht die Kommission derzeit von einer kräftigen Ausweitung der Anbaufläche gegenüber dem vorigen Jahr um rund 614.000 ha auf etwa 23,7 Mio. ha aus. Im Vergleich zum Vormonat ist die Anbaufläche jedoch etwas kleiner. Die durchschnittlichen Weizenerträge werden fast unverändert auf  5,97 t/ha geschätzt. Daraus ergibt sich eine neue europäische Weizenernte von 141,3 Mio. t.

Im Vergleich zum Vormonat ist dies ein weiteres Minus von 1,0 Mio. t. Gegenüber dem vorigen Jahr bedeutet diese Erntemenge jedoch einen Zuwachs von 12,5 Mio. t bzw. knapp 10 Prozent. Damit steht im neuen Wirtschaftsjahr auch deutlich mehr Weizen für den Export zur Verfügung. Die Kommission geht davon aus, dass die europäischen Weich-Weizenexporte um 4,1 Mio. t auf etwa 25,5 Mio. t zunehmen. Das wäre ein Plus von etwa einem Fünftel. Die Endbestände sollen aber nur um 1,4 Mio. t anwachsen. Der Einsatz von Weizen in der Tierfütterung wird wegen der insgesamt größeren Erntemengen bei allen Getreidearten nur leicht um 0,6 Mio. t zunehmen.

Die Weizenpreise für die neue Ernte sieht der Terminmarkt am heutigen Freitag Nachmittag bei 175 Euro. Der Dezember-Termin notiert bei 180 Euro. Damit sind die vorderen Kurse rund 10 Euro niedriger als vor vier Wochen. Grund für den Kursrutsch sind die gefallenen Weizenpreise in den USA und die hohen Ernteprognosen in Russland. Am Großmarkt in Hamburg werden für den Brotweizen aktuell 180 Euro/t geboten. Für den August werden nur noch 173 Euro notiert. Auch am Kassamarkt sind die Preise damit 10 Euro niedriger als vor vier Wochen.

Gerstenernte mit leichten Korrekturen

Getreiderernte

Die Anbaufläche von Gerste für gibt die Kommission jetzt mit knapp 12,3 Mio. ha an. Das ist etwas weniger als vor vier Wochen. Gegenüber dem vorigen Jahr ist die europäische Gerstenfläche (Sommer und Wintererste) jetzt 22.000 ha kleiner. Die Gerstenerträge schätzt  die Kommission aktuelle auf 4,87 t/ha. Das ist ähnlich viel wie vor vier Wochen.  

Damit würde sich eine Gerstenernte von knapp 60 Mio. t ergeben. Das wären knapp 4 Mio. t mehr als im vorigen Jahr, jedoch 0,2 Mio. t weniger als vor vier Wochen erwartet wurden. Den Gerstenexport schätzt die Kommission für die neue Saison auf sehr gute 8,8 Mio. t, im Vergleich zu 7,9 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr. Der Futterverbrauch wird mehr als 3 Mio. t höher erwartet als im vorigen Jahr. Die Endbestände sollen um knapp 1 Mio. t auf 6,3 Mio. t anwachsen.

Die Preise für Futtergerste sind mit den Weizenpreisen gefallen und bewegen sich seit Mitte Juli seitwärts. Am norddeutschen Exporthafen in Hamburg wurde Futtergerste heute mit 159 Euro/t gehandelt. Das sind 11 Euro weniger als vor vier Wochen. Für den August werden derzeit ebenfalls 159 Euro geboten.

Körnermais: Prognose fast unverändert, Preise stabil

Maisernte

Die Anbaufläche für Körner-Mais schätzt die Kommission auf 8,8 Mio. ha an. Gegenüber dem vorigen Jahr wurde die Maisfläche damit um 516.000 ha ausgeweitet. Die Maiserträge erwartet die Kommission bislang bei 7,88 t/ha. Damit würde sich eine Körnermaisernte von 69,5 Mio. t ergeben. Das sind 0,6 Mio. t mehr als im vorigen Jahr, jedoch 0,2 Mio. t mehr als vor vier Wochen erwartet wurden.

Den Maisimport schätzt die Kommission für die neue Saison auf 15,5 Mio. t, im Vergleich zu den rekordhohen 24 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr. Der Futterverbrauch wird gut 65 Mio. rund 1,0 Mio. t niedriger erwartet als im vorigen Jahr. Die Endbestände sollen dennoch um 2,0 Mio. t auf 23 Mio. t schrumpfen.

Die europäischen Preise für Futtermais haben sich Juli kaum verändert. Am Terminmarkt wird der Mais für den Augusttermin am heutigen Freitag Mittag mit 180 Euro notiert und die neue Ernte mit 178 Euro. Das sind ähnliche Preise wie vor vier Wochen. Am norddeutschen Exporthafen in Hamburg wird importierter Körnermais derzeit für 185 Euro/t angeboten.

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