Login
Prognose 2019

Europa: Große Getreideernte hat Folgen

Getreideernte
am
16.08.2019
(Kommentar verfassen)

Die europäische Analystenfirma Strategie Grains hat die Prognosen für die Produktion und den Export von Weichweizen in der Europäischen Union kräftig angehoben.

Ursache für die Korrektur sind die hohen Ernteerwartungen in Frankreich und auch in Großbritannien.

Nach Einschätzung von Strategie Grains sorgen der Angebotszuwachs und die aktuellen Preisrückgänge am europäischen Binnenmarkt zudem für immer wettbewerbsfähige europäische Exportpreise. Erwartet wird auch ein deutlich stärkeren Einsatz von Weizen in der Tierfütterung.

Korrektur der Korrektur

Der französischen Beratungsfirma zufolge liegt die Weichweizenproduktion in der EU für 2019/20 nun bei 142,9 Mio. t. Im Juli hatten die Analysten die Ernte nur auf 140,6 Mio. t geschätzt. Die neue Ernte-Prognose liegt nun rund 12 Prozent über der Produktion des Dürrejahres 2018, heißt es in dem monatlichen Getreidereport.

Die Aufwärtskorrektur machte die im vorigen Monat in ähnlicher Größenordnung erfolgte Kürzung wieder rückgängig. Ursachen sind die verbesserten Prognosen für die Weizenernten in Frankreich und im Vereingten Königreich, obwohl in diesem Sommer rekordverdächtige Hitzewellen in Mittel- und Westeuropa zu verzeichnen waren.

Frankreich mit sehr großer Ernte

Getreideernte

Die monatlichen Schätzungen für die EU beinhalten auch die aktuellen Erhöhungen der Ernteprognosen für Frankreich. Beim wichtigsten europäischen Getreideproduzenten erwartet Strategie Grains einen Anstieg der Weichweizenproduktion auf rund 39 Millionen Tonnen. Das wäre die zweitgrößte jemals eingefahrene französische Weizenernte.

Auch andere große Analystenfirmen wie Agritel gehen von einer Ernte in dieser Größenordnung aus. "Die Produktion in Bulgarien fällt hingegen kleiner aus als zuletzt erwartet, aber eine größere französische und britische Ernte haben die Verluste in der südöstlichen EU mehr als übertroffen", sagte Strategie Grains in seinem Bericht.

Auch Gersten- und Maisernte sind größer

Für Gerste haben die Analysten von Strategie Grains ihre EU-Prognose im August von 59,3 Millionen Tonnen auf 60,5 Millionen Tonnen angehoben. Das sind 9 Prozent mehr als im Dürrejahr 2018. Der Anstieg wird ebenfalls mit der größeren französischen und britischen Ernte begründet.

Viellicht etwas überraschend: Strategie Grains hat auch die Prognose für die EU-Maisproduktion 2019/20 um 500.000 Tonnen auf jetzt 63,2 Millionen Tonnen nach oben korrigiert. „Diese Korrektur spiegelt die hervorragenden Bedingungen in Südosteuropa wider, die die Hitzeschäden an Mais in Frankreich und in geringerem Maße in Deutschland und Polen ausgleichen“, hieß es.

Export und Futternachfrage ziehen an

Getreide verladen

Den den europäischen Export von Weichweizen schätzten die Analysten jetzt auf 24,8 Mio. Tonnen. Im vorigen Monat lag die Prognose (auch wegen der höheren Preise) erst bei 21,9 Mio. Tonnen. Im Dürrejahr 2018/19 haben die Europäer  nach den Daten von Strategie Grains sogar nur 21 Mio. Tonnen exportiert. Das sind 15 Prozent weniger als jetzt erwartet werden.

Ein Rückgang der westeuropäischen Getreidepreise hat nach Einschätzung der Analysten die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Schwarzmeer-Anbietern wie Russland verbessert. "Dies hat zwei wichtige Konsequenzen: Der ukrainische Weizen ist für den Import in die EU nicht mehr wettbewerbsfähig, und der EU-Weizen ist dabei, die internationale Exportnachfrage von russischem Weizen abzuziehen", sagte Strategie Grains.

Die offiziellen Export-Daten zeigen jedoch, dass die Weichweizenexporte in der Saison 2019/20, die am 1. Juli begann, 30 Prozent unter dem Tempo der vorigen Saison liegen. Nach Meinung der Analysten werden die Mengen für die neue Saison jedoch unterschätzt, da die Meldungen (Zolldaten) der EU-Mitgliedstaaten meist verspätet eingehen.

Eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von Weizen in der Tierfütterung, könnte zudem einen größeren Teil der Ernte absorbieren und dazu beitragen, die EU-Weizenvorräte bis zum Ende der Saison weiter zu reduzieren, fügte Strategie Grains hinzu.

Das agrarheute Magazin
Aktuelles Heft September 2019
Schnupper-Angebot Alle Aboangebote

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...
Auch interessant