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Getreideernte und Preise

Europa: Große Getreideernte und sehr kleine Preise

Getreideernte
am
03.09.2019
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Die europäischen Landwirte haben trotz Hitze und Trockenheit mehr Getreide geerntet als erwartet.

Weizenpreise

Das bestätigt die Kommission in ihrem aktuellen Erntebericht. Bei den Getreidepreisen war dies bereits zu spüren. Am europäischen Terminmarkt rutschten die Kurse unter dem Druck der guten europäischen Ernte und der fallenden US-Getreidepreise auf neue Tiefstände.

Dabei hat die Kommission die Produktion gar nicht bei allen Getreidearten nach oben gesetzt. Vor allem beim Mais haben Trockenheit, Hitze und Dürre offenbar Spuren hinterlassen: Ertragspotential und Produktion wurden nach unten korrgiert. Gleichzeitig  ging es mit den Erntemengen bei Weichweizen, Gerste und Durum jedoch nach oben. Per Saldo kommt für die Gesamtgetreideernte dabei ein Plus heraus.

Ein Grund für die aktuellen Aufwärts-Korrekturen ist die große Getreideernte in Frankreich. Dort hatte zuletzt das Landwirtschaftsministerium die Erntemengen für Weizen und Gerste nach oben korrigiert. Die Analysten-Schätzungen zur französischen Ernte liegen allerdings durchweg über den offiziellen Werten, so dass es durchaus noch weitere Korrekturen nach oben geben kann – außer beim Mais.

Diese Marktverhältnisse werden durch den sehr starken Rückgang der französischen Weizen- und Gerstenpreise bestätigt. Frankreich hat bei beiden Getreidearten mittlerweile niedrigere Exportpreise (fob) als Russland oder die Ukraine und setzt damit auch die innereuropäischen Getreidepreise erheblich unter Druck.

Weizenernte größer, Preise kräftig gefallen

Weizenernte

Beim Weichweizen geht die Kommission von einer kräftigen Ausweitung der Anbaufläche gegenüber dem vorigen Jahr von 648.000 ha auf etwa 23,7 Mio. ha aus. Im Vergleich zum Vormonat ist die Anbaufläche damit noch etwas größer. Die durchschnittlichen Weizenerträge werden jetzt etwas höher auf 6,02 t/ha geschätzt. Daraus ergibt sich eine europäische Weizenernte von 142,7 Mio. t. Im Vergleich zum Vormonat ist dies ein Plus von 1,4 Mio. t. Gegenüber dem vorigen Jahr bedeutet diese Erntemenge einen Zuwachs von 13,8 Mio. t bzw. knapp 11 Prozent.

Damit steht im neuen Wirtschaftsjahr auch deutlich mehr Weizen für den Export und als Futterweizen zur Verfügung. Die Kommission geht davon aus, dass die europäischen Weich-Weizenexporte um 4,1 Mio. t auf etwa 25,5 Mio. t zunehmen. Das wäre ein Plus von etwa einem Fünftel. Die Endbestände sollen aber nur um 2,4 Mio. t anwachsen. Der Einsatz von Weizen in der Tierfütterung wird wegen der insgesamt größeren Erntemengen bei allen Getreidearten nur ganz leicht um 0,6 Mio. t zunehmen.

Die Weizenpreise für die neue Ernte sieht der Terminmarkt zum Beginn des neuen Monates nur noch bei 164 Euro. Damit sind die Kurse etwa 11 Euro niedriger als vor vier Wochen. Grund für den Kursrutsch ist sind die gefallenen Weizenpreise in den USA und in Frankreich und auch die guten Ernteprognosen aus Russland und der Ukraine. Am Großmarkt in Hamburg werden für den Brotweizen diese Woche nur noch 167 Euro/t geboten. Damit sind die Preise am norddeutschen Kassamarkt 13 Euro niedriger als vor vier Wochen.

Mehr Gerste geerntet, Preise niedriger

Gerstenernte

Die Anbaufläche von Gerste für gibt die Kommission mit knapp 12,2 Mio. ha an. Das ist geringfügig weniger als vor vier Wochen. Gegenüber dem vorigen Jahr ist die europäische Gerstenfläche (Sommer- und Wintererste) etwa 64.000 ha kleiner. Die Gerstenerträge schätzt  die Kommission auf 4,95 t/ha. Das ist etwas mehr als vor vier Wochen.

Damit würde sich eine Gerstenernte von 60,5 Mio. t ergeben. Das wären 4,5 Mio. t mehr als im vorigen Jahr und auch 0,8 Mio. t mehr als vor vier Wochen erwartet wurden. Den Gerstenexport schätzt die Kommission für die neue Saison auf sehr gute 8,8 Mio. t, im Vergleich zu 8,0 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr. Der Futterverbrauch wird mehr als 3 Mio. t höher erwartet als im vorigen Jahr. Die Endbestände sollen um knapp 2 Mio. t auf 6,9 Mio. t anwachsen.

Die Preise für Futtergerste sind mit den Weizenpreisen weiter gefallen. Am norddeutschen Exporthafen in Hamburg wurde Futtergerste aktuell mit 151 Euro/t gehandelt. Das sind 8 Euro weniger als vor vier Wochen.

Körnermais: Kleinere Ernte, Preise abgestürzt

Maisernte

Die Anbaufläche für Körner-Mais gibt die Kommission mit 8,8 Mio. ha an. Gegenüber dem vorigen Jahr wurde die Maisfläche damit um 523.000 ha ausgeweitet. Die Maiserträge erwartet die Kommission niedriger als im Vormonat bei 7,76 t/ha. Damit würde sich eine Körnermaisernte von 68,5 Mio. t ergeben. Das ist etwas weniger als im vorigen Jahr und 1,0 Mio. t weniger als vor vier Wochen erwartet wurden.

Den Maisimport schätzt die Kommission für die neue Saison auf 15,5 Mio. t, im Vergleich zu den rekordhohen 24 Mio. t im vorigen Wirtschaftsjahr. Der Futterverbrauch wird mit 65 Mio. rund 1,5 Mio. t niedriger erwartet als im vorigen Jahr. Die Endbestände sollen um 2,5 Mio. t auf 22 Mio. t schrumpfen.

Die europäischen Preise für Körnermais sind im August mit den Weltmarkpreisen gefallen. Am Terminmarkt wird der Mais für die neue Ernte nur noch mit 162 Euro notiert. Das sind 16 Euro/t (!!!) weniger als vor vier Wochen.

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