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Ernte 2018

Europa: Hohe Preise für kleine Getreideernte

am Montag, 03.09.2018 - 11:06 (Jetzt kommentieren)

Die europäische Getreideernte fällt sehr klein aus. Zum Monatswechsel korrigierte die Europäische Kommission ihre Prognose für Weizen, Gerste und auch für Raps nochmals nach unten.

Getreideernte EU

Damit reagierte die Kommission auf die zum Teil katastrophalen Ernteberichte aus Deutschland, dem Baltikum, Skandinavien und auch aus Polen. Auch beim größten europäischen Getreideproduzenten Frankreich liegen die Produktionsdaten unter dem langjährigen Mittel. Die Einbußen sind jedoch nicht annähernd so katastrophal wie etwa in Deutschland und in Nordeuropa.

Etwas überraschend fällt die EU-Ernteschätzung für Körnermais weiterhin relativ gut aus. Grund sind die sehr hohen Prognosen für Rumänien und Bulgarien.  Dort hat reichlich Niederschlag in den letzten Wochen für gute Aufwuchsbedingungen gesorgt und die Verluste im Norden zum Teil ausgeglichen.

Im Vergleich zur vorigen Schätzung korrigierte die Kommission die europäische Getreideernte einschließlich Mais um 6,5 Mio. t auf 287 Mio. t  nach unten. Das wäre die kleinste Ernte seit 2012. Im Vergleich zum vorigen Jahr wäre die Getreideproduktion sogar 20 Mio. t kleiner. Zudem deckt die erwartete Erntemenge gerade so den europäischen Verbrauch von 286 Mio. t.

Kleinste Weizenernte seit 2012

Weizenernte EU

Für Weichweizen geht die Kommission jetzt noch von einer europäischen Erzeugung von 128,8 Mio. t  aus. Im Vergleich zur vorigen Prognose wurde die Produktion damit um weitere 4,7 Mio. t nach unten korrigiert. Gegenüber dem vorigen Jahr wäre die neue Weizenernte sogar 13,2 Mio. t kleiner.

Die europäischen Weizenexporte erwartet die Kommission trotz der deutlich kleineren Ernte bei 20,0 Mio. t.  Damit wurde die Exporterwartung gegenüber dem Vormonat um 5,5 Mio. t gesenkt. Dennoch wäre diese Menge nur gut 1 Mio. t kleiner als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr. Grund für die immer noch relativ hohe Ausfuhrprognose ist die deutlich kleinere Ernte beim Top-Exporteur Russland.

Die Bestände schrumpfen im Jahresverlauf deshalb sehr kräftig um 6 Mio. t auf  etwa 12 Mio. t. Gleichzeitig nimmt jedoch der Verbrauch von Futterweizen um 2 Mio. t auf 54 Mio. t zu. Angesichts der sehr engen Marktversorgung ist damit das Potenzial für hohe Preise gegeben.

Am Terminmarkt in Paris kostet Septemberweizen derzeit 205 Euro/t. Anfang Juni lagen die Preise erst bei 180 Euro. Am Hamburger Hafen werden für Brotweizen aktuell 211 Euro geboten. Futterweizen wird in Hamburg mit 209 Euro notiert und in Südoldenburg mit 220 Euro.

Gerste ist knapp und teuer

Gerstenernte EU

Die Ernteprognose für Sommer- und Wintergerste hat die Kommission von zuvor 57,6 Mio. t  auf nur noch 56,2 Mio. t nach unten gesetzt. Das wäre die kleinste Gerstenernte seit 2012.

Außerdem ist die aktuelle Erzeugung etwa 2,4 Mio. t kleiner als im vorigen Jahr, als europaweit 58,8 Mio. t Gerste von den Feldern geholt wurden. Grund für die im Vergleich zum Weizen noch immer relativ hohe Erntemenge ist die kräftige Ausweitung der Sommergerstenfläche in einigen Ländern.

Die europäischen Gerstenexporte erwartet die Kommission trotz der niedrigeren Produktion und Futterknappheit nur wenig kleiner als im vorigen Jahr. Derzeit geht sie von Ausfuhren von etwa 8 Mio. t aus. Das wäre ein Rückgang von rund 1 Mio. t. Dafür geht der Einsatz in der Tierfütterung um 2 Mio. t auf 37 Mio. t zurück.

Die Endbestände schrumpfen nur leicht um 0,3 Mio. t auf 4,7 Mio. t. Am Hamburger Hafen werden für Futtergerste derzeit 208 Euro/t geboten. Das ist fast der gleiche Preis wie wie für Futterweizen. Für Anlieferung im Oktober liegen die Preisvorstellungen bei 208,4 Euro und damit weiterhin sehr hoch.

Deutlich weniger Raps, Preise etwas gestiegen

Rapsernte EU

Die europäische Rapsernte hat die Kommission nochmals um 0,5 Mio. t auf nur noch 19,2 Mio. t gesenkt. Das wäre die kleinste Rapsernte seit 2012. Im vorigen Jahr wurden in der EU immerhin 22 Mio. t Raps geerntet und damit fast 4 Mio. t mehr.

Die notwendige Importmenge haben die Kommissionsexperten auf 4,2 Mio. t veranschlagt und damit 0,5 Mio. t höher als bei der vorigen Prognose und ähnlich hoch wie 2017. Der Rapsverbrauch geht nach dieser Einschätzung allerdings sehr deutlich um 2,7 Mio. t zurück. Der Verbrauch von Rapsschrot schrumpft von fast 14 Mio. t auf nur noch 12,7 Mio. t.

Am Hamburger Hafen wird Raps derzeit mit 379 Euro/t notiert. Am Terminmarkt in Paris kostete Novemberraps am 31. August 375 Euro/t. Seit Anfang Juli haben die Preise um etwa 10 Euro/t zugelegt.

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