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Kartoffelernte 2019

Europa: Kartoffelernte schrumpft, Preise und Kosten steigen

Kartoffel-Ernte
am Freitag, 01.11.2019 - 09:56 (Jetzt kommentieren)

Die Kartoffelernte in Nordwesteuropa fällt kleiner aus als bisher gedacht. Die Preise und die Kosten steigen.

Die Vereinigung Nordwesteuropäischer Kartoffelanbauer (NEPG) schätzt die Erntemenge jetzt auf 26,9 Mio. Tonnen. Mitte September hatte man die neue Ernte noch auf 27 Mio. Tonnen bis 27,3 Mio. Tonnen veranschlagt. Trotz dieser Korrektur wird das langjährige Mittel damit jedoch um 1,8 Prozent übertroffen, meldete die NEPG. Das katastrophale Vorjahresergebnis war sogar 10,2 Prozent kleiner.

Für Deutschland schätzt man die Ernte 9,3 Prozent größer als im Dürrejahr 2018 und 0,6 Prozent größer als im langjährigen Mittel. Vor allem in Frankreich erwartet man eine sehr große Ernte – diese ist 7,1 Prozent größer als im langjährigen Mittel und sogar 10,6 Prozent größer als im vorigen Jahr.

Kleiner als im langjährigen Mittel ist die erwartete Ernte nur in Belgien. Hier geht man von einme Rückgang von 6 Prozent aus. Das Vorjahresergebnis wird jedoch auch in Belgien deutlich um 11,2 Prozent übertroffen. Mitglied in der NEPG sind neben Frankreich und  Deutschland auch Großbritannien, die Niederlande und Belgien.

Anbaufläche sehr kräftig gewachsen

Kartoffel-Ernte

Die NEPG begründete die trotz der Korrektur noch sehr hohe Ernteerwartung mit der sehr kräftigen Ausdehnung der Anbaufläche für Konsumkartoffeln. Auslöser waren die sehr hohen Preise im vorigen Jahr. Gegenüber dem langjährigen Mittel ist die Kartoffelfläche 9 Prozent gewachsen. Gegenüber 2018 ist die Anbaufläche 2,6 Prozent größer und wird auf 613.950 ha geschätzt. Für Deutschland unterstellt man ein Flächenwachstum von 10,1 Prozent gegenüber dem langjährigen Mittel und immer noch 4,2 Prozent im Vergleich zum Dürrejahr 2018.

Außerdem wird on den NEPG-Ländern mit einem durchschnittlichen Hektarertrag von 43,9 t gerechnet, womit der sehr schwache Wert des vorigen Jahres um 7,4 % übertroffen wird. Das langjährige Mittel würde jedoch um 6,8 Prozent verfehlt. Für Deutschland geht der NPEG von Erträgen von 43,0 dt/ha aus. Das sind zwar 4,9 Prozent mehr als im Dürrejahr 2018 - jedoch 8,7 Prozent weniger als im langjährigen Mittel.

Sehr späte Ernte, gute Qualitäten

Kartoffelernte

Außerdem melden die Fachleute des NEPG, dass die diesjährige Ernte später als üblich begonnen hat. Im September hatte man wegen der Trockenheit noch alle verfügbaren Bewässerungssysteme genutzt. Im Oktober war es dann oft zu nass für die Rodungen. Vor allem in Belgien und den Niederlanden mussten Stand vorige Woche noch fast 60 Prozent der Flächen abgeerntet werden. Die Erntearbeiten werden jedoch zügig fortgesetzt.

Der NEPG geht deshalb davon aus, dass die Kartoffelbauern die Ernte bei einigermaßen normaler Witterung noch sicher in die Lager bringen dürften. Die Kartoffelqualität wird als gut eingeschätzt. Aber Aufmerksamkeit und Überwachung sei während der Lagerzeit erforderlich, da viele Kartoffeln nass eingelagert werden mussten. Vereinzelt sei bereits vom Befall der Ware mit Bakterien und Pilze berichtet worden. Deshalb sei eine gute Belüftung und Trocknung vonnöten, so die NEPG.

Steigende Preise und steigende Kosten

Kartoffeln

In den letzten Wochen wurden weiterhin Kartoffeln nach Polen und in andere südost- und südeuropäische Länder exportiert, und die Ausfuhr geht weiter. Alle exportierten Mengen sind Mengen, die jedoch für den Markt in Nordwesteuropa verfügbar sind,  analysierte die NEPG. Die Verarbeiter starteten den Einkauf sehr früh in dieser Saison. Die Preise sind seit einigen Wochen im Aufwärtstrend und die weitere Entwicklung ist abhängig von den endgültigen Ernten und der Qualität während der Lagerung.

Insgesamt stellt die NEPG fest, dass die Produktionskosten gestiegen sind und in den kommenden Jahren aufgrund von mehr Bewässerung, höheren Erntekosten für die bei Nässe geernteten Kartoffeln und insbesondere höheren Lagerkosten weiter steigen werden.  Diese Entwicklung muss nach Meinung der NEPG auch für die Verträge berücksichtigt werden, die für die nächsten Kampagne gemacht werden.

Die NEPG rät dazu, die Fläche in den nächsten Jahren nicht mehr zu vergrößern. „Wenn wir mit diesem bestehenden Gebiet eine normale Ernte haben, wird der Markt nicht mehr im Gleichgewicht sein“, befürchtet die NEPG.

Mit Material von Vereinigung Nordwesteuropäischer Kartoffelanbauer (NEPG)

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