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Getreideernte und Getreidepreise

Europa: Weizenernte bricht drastisch ein

Getreideernte
am Freitag, 26.06.2020 - 11:16 (1 Kommentar)

Die Europäische Kommission senkt die Prognose für die europäische Weizenernte erneut drastisch.

weizen-preise-terminmarkt

Die EU-Analysten gehen nun davon aus, dass die Weizenernte für die EU-27 (ohne UK) nur noch 117,2 Millionen Tonnen beträgt. Das entspricht einem Rückgang von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr und sind fast 5 Millionen Tonnen weniger als in der vorigen Prognose.

Auch beim Raps ging es noch einmal leicht nach unten. Dagegen hat man die Erwartungen an die neue Maisernte um 0,5 Millionen auf 71,9 Millionen Tonnen nach oben geschraubt. Für Gerste, Hartweizen und Roggen blieben die Ernteschätzungen nahezu unverändert.

Aufgrund der sehr viel kleineren Weizenernte schrumpfen auch die europäischen Exportmöglichkeiten weiter – von 34 Millionen Tonne in der laufenden Saison (ohne UK) – auf nur noch 25 Millionen Tonnen im neuen Wirtschaftsjahr. Ein scharfer Rückgang von fast 10 Millionen Tonnen, wahrscheinlich zugunsten der Schwarzmeerländer Russland und Ukraine.

Weltweit wird hingegen eine Rekordernte bei Weizen erwartet – wie der Internationale Getreiderat (IGC) am Donnerstag noch einmal eindrücklich bestätigt hat. Das hat – trotz der schwachen Ernte  in der Europäischen Union - auch die europäischen Weizenpreise mächtig unter Druck gesetzt.

Am europäischen Terminmarkt wurde der Weizen der neuen Ernte zuletzt mit 177 Euro je Tonne gehandelt – fast 15 Euro billiger als noch vor vier Wochen.

Einbruch um 10 Prozent zum Vorjahr

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Die Europäische Kommission hat die Prognose für die diesjährige Weizenernte in der Europäischen Union (27) erneut erheblich reduziert und die erwartete Ernte von 121,5 Millionen Tonnen, die vor einem Monat geschätzt wurden, auf nur noch 117,2 Millionen Tonnen gesenkt.

Die prognostizierte Ernte von Weichweizen in der Saison 2020/21 würde mehr als 10 Prozent bzw. 14 Millionen Tonnen unter der Ernte des Vorjahres von 130,9 Mio. liegen.

Ende Mai hatte die Kommission die Prognose für die Ernte von Weichweizen bereits um über 4 Millionen Tonnen gesenkt. Die aktuellen Daten der Kommission zeigen auch, dass in diesem Monat sowohl die Anbaufläche, aber vor allem die Ertragsschätzungen für Weichweizen kräftig nach unten korrigiert wurden.

Vor wenigen Tagen hatte die Crop-Monitoring-Agentur der Kommission (MARS) die Ertrags-Schätzung für Weizen bereits deutlich gesenkt. Grund war die ausgeprägte Frühjahrs-Trockenheit in vielen wichtigen europäischen Anbauregionen.

Frankreich und Rumänien mit dem stärksten Einbruch

Getreideernte

Die von der Kommission vorgelegten Länderschätzungen zeigen vor allem für Frankreich, sowie für Rumänien und Bulgarien sehr starke Produktionseinbußen von 20 bis fast 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Grund sind jedoch nicht nur die schlechten Erträge sondern auch die witterungsbedingt deutlich kleinere Anbaufläche in Frankreich.

Für Frankreich – den führenden Weizenproduzenten und Exporteur der EU – lag die von der Kommission prognostizierte Ernte nur noch bei 30,3 Millionen Tonnen gegenüber 39,5 Millionen Tonnen im Vorjahr. Das entspricht einem Einbruch von fast 10 Millionen Tonnen oder knapp einem Viertel!

Für den zweitgrößten europäischen Weizen-Exporteur Rumänien, wird nur eine Ernte von 8,3 Millionen Tonnen erwartet - nach rund 10 Millionen Tonnen in der vorigen Saison – dass ist ein Einbruch von 17 Prozent. Und Bulgarien – wie Rumänien ein Schwarzmeer-Anrainer – muss einen Produktionsrückgang von 18 Prozent auf etwa 5 Millionen Tonnen verkraften.

Für Deutschland schätzt die Kommission die Weizenernte Ende Juni auf 21,8 Millionen Tonnen – im Vergleich zu 22,9 Millionen Tonnen im vorigen Jahr. Das ist ein Rückgang von gut 1 Millionen Tonnen bzw. knapp 5 Prozent. Demgegenüber geht die Kommission für Polen von einer fast stabilen Weizen-Ernte von etwa 10,9 Millionen Tonnen aus.

Weizen-Exporte schrumpfen ebenfalls stark

Getreideernte

Andere Analysten haben die Prognosen für die EU-Weizenproduktion aufgrund der extrem trocknen Wachstumsbedingungen im Frühling ebenfalls stark reduziert. Einige Bobachter sagen jedoch, dass sich Aussichten durch die jüngsten Regenfälle und moderaten Temperaturen im Juni wieder etwas verbessert haben.

Mit ihrer jetzigen Prognose von 117,2 Millionen Tonnen liegt die Kommission auch am unteren Ende der Analystenschätzungen. Das wichtigste europäische Analystenhaus Strategie Grains hatte die europäische Weizenernte Mitte Juni auf 121,1 Millionen Tonnen geschätzt und damit etwa so groß wie die Kommission im Vormonat.

Die Exportprogose für Weizen reduzierte die Kommission für EU-27 für die Saison 2020/21, die im Juli beginnt, von zuvor 26,5 Millionen auf 25,0 Millionen Tonnen. In der noch bis Ende Juni laufenden aktuellen Saison, rechnet man mit Ausfuhren von 34 Millionen Tonnen. Von diesem scharfen Einbruch der Exporte dürften vor allem Russland und die Ukraine profitieren – die unmittelbaren Konkurrenten der Europäer beim Export von Weizen und Gerste.

Vor allem Russland, mit einer sehr groß erwarteten neuen Weizenernte, dürfte den Europäern in der neuen Saison reichlich Marktanteile abknöpfen und sich mit großem Vorsprung an die Spitze der globalen Top-Exporteure setzten.

Die Maisernte wird größer – Preisdruck vom Weltmarkt

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Für Mais erhöhte die Kommission die Ernteprognose den zweiten Monat in Folge und prognostiziert eine Ernte von 71,9 Millionen Tonnen gegenüber 71,4 Millionen im letzten Monat. Im vorigen Jahr hatten die Europäer rund 70 Millionen Tonnen Mais geerntet.

Für Frankreich erwarten die EU-Analysten einen Anstieg der Produktion um 1,5 Millionen Tonnen auf 14,5 Millionen Tonnen. Ein Plus von gut 11 Prozent. Dagegen soll die rumänische Maisernte leicht um 0,3 Millionen Tonnen auf 16,9 Millionen Tonnen zurückgehen. Damit bleibt Rumänien jedoch der mit Abstand größte Maisproduzent der EU.

Für Ungarn erwartet die Kommission eine Maisernte – etwa auf dem Vorjahresniveau – von 8,4 Millionen Tonnen. Für Deutschland liegt die Schätzung jetzt bei 4,2 Millionen – gegenüber 3,7 Millionen Tonne im vorigen Jahr.

Eine Ursache für die größere europäische Maisernte ist die deutliche Anbau-Ausweitung auf den witterungsbedingt im vorigen Herbst nicht mit Winterweizen bestellen Flächen in Frankreich. In Rumänien ging die Anbaufläche allerdings etwas zurück.

Die erwartete Importmenge bei Körnermais sieht die Kommission bei 16,6 Millionen Tonnen – nach 19,4 Millionen Tonne in der laufenden Saison. Die Maispreise – auch in Europa - werden allerdings durch eine gigantische globale Rekordernte bestimmt – mit riesigen Ernten in den USA, in Südamerika und in der Ukraine.

Deshalb dürften die Weltmarkpreise in absehbarer Zeit extrem niedrig bleiben – es sei denn,  die neue US-Rekordernte wird witterungsbedingt vielleicht doch noch etwas kleiner. Die sehr niedrigen Maispreise drücken natürlich auch auf die Weizenkurse – denn Mais ist weltweit das wichtigste Substitut für Futterweizen.

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