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Prognose Getreideernte 2019

Europa: Wetter drückt die Getreideernte

getreidefeld
am
28.06.2019
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Die Europäische Kommission senkt ihre Ernteprognose für Weizen und Gerste. Dabei ist die aktuelle Hitzewelle noch gar nicht berücksichtigt.

Grund dürfte die erneute Trockenheit in einigen europäischen Regionen sein. Allerdings fällt die Korrektur relativ moderat aus. Ohnehin hat die Ernte in den wichtigsten europäischen Anbauländern Frankreich und Deutschland bereits begonnen.

Damit dürften die Schäden aus der aktuellen Gluthitze in beiden Ländern, für Wintergerste und auch für Weizen, nicht mehr so groß ausfallen. Größer sind die Gefahren hingegen für den Mais und natürlich für Hackfrüchte und für Wiesen und Weiden.

Vor allem im Osten und Nordwesten Deutschlands sind die Wasserspeicher der Böden oftmals noch nicht wieder aufgefüllt. Die ausbleibenden Regenfälle, in Verbindung mit den Rekordtemperaturen, verschärfen die Situation erneut.

Getreidepreise folgen US-Vorgaben

Getreidefeld

Die Getreidepreise werden derzeit vor allem in den USA gemacht und nicht in Europa. Am Freitag Abend wird das USDA seinen neuen Anbaureport für Weizen, Mais und Soja in den USA herausbringen.

An diesen Daten werden sich die Märkte orientieren und mit heftigen Preissprüngen auf nicht erfüllte Erwartungen und Prognosen reagieren. Dabei kann es heute Abend und in der neuen Woche genauso so steil nach oben wie nach unten gehen. Alles scheint derzeit möglich.

In Europa werden die Getreidepreise den Vorgaben aus Übersee jedenfalls folgen, denn die globalen Getreidemärkte sind sehr eng vernetzt und Produktions-Ausfälle in den USA verändern die weltweiten Bilanzen nachhaltig. Neue Daten müssen die Märkte dann erst wieder am 11. Juli mit dem neuen USDA-Report verarbeiten.

Weizenernte nicht mehr ganz so groß

Weizenernte

Beim Weichweizen geht die Kommission in ihrer aktuellen Prognose von einer sehr kräftigen Ausweitung der Anbaufläche gegenüber dem vorigen Jahr, um rund 740.000 ha auf etwa 23,80 Mio. ha aus. Die durchschnittlichen Weizenerträge werden etwas niedriger als im Vormonat auf 5,98 t/ha geschätzt.

Daraus ergibt sich eine neue europäische Weizenernte von 142,3 Mio. t. Im Vergleich zum Vormonat ist dies ein Minus von immerhin 1,5 Mio. t. Gegenüber Dürrejahr 2018 wäre dies jedoch immer noch ein Zuwachs von 13,2 Mio. t bzw. gut 10 Prozent. Damit steht im neuen Wirtschaftsjahr auch mehr Weizen für den Export zur Verfügung.

Die Kommission geht davon aus, dass die europäischen Weich-Weizenexporte um 4,5 Mio. t auf etwa 25,5 Mio. t zunehmen. Das wäre ein Plus von einem Fünftel. Die Endbestände sollen aber nur um 2,5 Mio. t anwachsen. Der Einsatz von Weizen in der Tierfütterung wird wegen der insgesamt größeren Erntemengen bei den anderen Getreidearten um 0,7 Mio. t schrumpfen.

Die Weizenpreise für die neue Ernte sieht der Terminmarkt am heutigen Freitag Nachmittag bei 182 Euro und den Dezember-Weizen bei 187 Euro. Damit sind die Kurse etwa 15 Euro höher als Mitte Mai. Grund für den Kursprung ist die Preisrallye in den USA. Am Großmarkt in Hamburg werden für Brotweizen derzeit 190 Euro/t geboten. Die neue Ernte wird mit 183 Euro notiert.

Gerstenernte etwas nach unten korrigiert

Gerstenernte

Die Anbaufläche von Gerste für die neue Ernte gibt die Kommission mit knapp 12,4 Mio. ha an. Dabei wird jedoch nicht zwischen Winter- und Sommergerste unterschieden. Gegenüber dem vorigen Jahr ist die Gerstenfläche damit 74.000 ha größer. Die Gerstenerträge schätzt die Kommission Ende Juni auf 4,85 t/ha. Das ist etwas weniger als vor vier Wochen.  

Damit würde sich eine Gerstenernte von knapp 60 Mio. t ergeben. Das wären immerhin 4 Mio. t Gerste mehr als im vorigen Jahr, aber 1 Mio. t weniger als vor vier Wochen erwartet wurden.

Den Gerstenexport schätzt die Kommission für die neue Saison auf 8,8 Mio. t, im Vergleich zu 7,3 Mio. t im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr. Der Futterverbrauch wird 3 Mio. t höher erwartet als im vorigen Jahr. Die Endbestände sollen um knapp 1 Mio. t auf 6,9 Mio. t anwachsen.

Die Preise für Futtergerste sind Ende Mai gestiegen und bewegen sich seitdem eher seitwärts. Am norddeutschen Exporthafen Hamburg wurde Futtergerste heute mit 170 Euro/t gehandelt. Für die neue Ernte wurden 165 Euro geboten.

Mehr Körnermais angebaut, weniger Importe

Maisernte

Die Anbaufläche für Körner-Mais schätzt die Kommission derzeit auf 8,8 Mio. ha an. Gegenüber dem vorigen Jahr wurde die Maisfläche damit um 488.000 ha ausweitet. Die Maiserträge erwartet man aktuell bei 7,95 t/ha.

Daraus würde sich eine neue Körnermaisernte von 69,3 Mio. t ergeben. Das sind nur 0,4 Mio. t mehr als im vorigen Jahr, jedoch knapp 2,0 Mio. t mehr als bei der vorigen Prognose. Den Maisimport schätzt die Kommission für die neue Saison auf 15,5 Mio. t, im Vergleich zu den rekordhohen 24 Mio. t im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr.

Der Futterverbrauch wird mit 64 Mio. t ähnlich hoch erwartet wie im vorigen Jahr. Die Endbestände sollen jedoch um knapp 1,0 Mio. t auf 26 Mio. t schrumpfen.

Die Preise für Futtermais sind im Juni mit den US-Mais-Preisen gestiegen. Die Maispreise für den Julitermin liegen am europäischen der Terminmarkt am heutigen Freitag Nachmittag bei 179 Euro und die neue Ernte kostet 178 Euro. Am norddeutschen Exporthafen in Hamburg wird importierter Körnermais derzeit für 183 Euro/t verladen. In Südoldenburg kostet der Mais aktuell 191 Euro/t.

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