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Rapsanbau in Europa

Europäischer Rapsanbau steckt in der Krise

Rapsanbau
am Montag, 28.10.2019 - 12:46 (Jetzt kommentieren)

Der Rapsanbau in der Europäischen Union steht weiter unter Druck. Für die neue Ernte 2020 bleibt der Anbau weit unter dem Mittel der letzten Jahre.

Im Vergleich zum letzten Tiefpunkt vom zurückliegenden Jahr haben die Landwirte jedoch wieder etwas mehr Fläche mit Raps bestellt. Die Ursachen für die massiven Probleme im Rapsanbau sind: Viele Landwirte haben sich nach mehreren Jahren mit schlechten Erträgen, miesen Preisen und Witterungsschäden vom Rapsanbau abgewandt.

Zu diesem Schluss kommt jedenfalls das französische Analystenhaus Strategie Grains in einer ersten Marktvorschau für 2020. Im zurückliegenden Jahr war die Anbaufläche auf den niedrigsten Wert seit 13 Jahren  abgestürzt. Und die europäische Rapsernte war ebenfalls so klein wie seit 13 Jahren nicht mehr.

Gleichzeitig ist der europäische Importbedarf an Rapssaat auf einen neuen Rekordwert nach oben geschossen. Er erreicht etwa ein Viertel der gesamten europäischen Verbrauchsmenge. Den Preisen hat das zwischenzeitlich bis auf 390 Euro je Tonnen oben geholfen – auch wenn die schwachen Sojapreise den Markt zuletzt wieder nach rissen und eine stärkere Erholung zuächst verhinderten.    

Etwas größere Fläche als 2019

Rapsfläche

Die Analysten von Strategie Grains schätzen die EU-Rapsfläche für die Ernte 2020 auf 5,94 Millionen Hektar. Das sind rund 8 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 in der EU mit Raps bestellt wurden. Gleichzeitig ist die Fläche jedoch etwa 7 Prozent größer als die 5,55 Millionen Hektar von denen in diesem Jahr geerntet wurde.

In diesem Jahr (2018) hatte außergewöhnlich trockenes Wetter zum Zeitpunkt der Aussaat und auch während der Wachstumsperiode - in Verbindung mit erheblichem Schädlingsbefall - die EU-Rapsernte auf ein 13-Jahrestief gedrückt. Geerntet wurden in diesem Sommer gerade einmal 16,9 Millionen Tonnen Raps.

Im Jahr 2018 holten die Bauern immerhin noch 20 Millionen Tonnen Raps von den Feldern und 2017 wurden 22 Mio. Tonnen geerntet. Für die nächste Saison rechnet Strategie bei einem Ertrag von 3,25 Tonnen je Hektar mit einer Produktion von 19,3 Millionen Tonnen.

Bedingungen bleiben weiter schwierig

Rapsernte

Für die Ernte 2020 hat Strategie Grains folgende Flächenentwicklungen beobachtet:  Eher enttäuschende oder nur sehr geringe Anbauausweitungen wurden in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Rumänien beobachtet.

Anbaurückgänge wurden aus Polen, der Tschechischen Republik, Bulgarien und Dänemark gemeldet, berichtet Strategie Grains. In Frankreich, dem größten Rapsanbauer der EU, litten die Saaten im September erneut unter trockenen Bedingungen, bevor sie einige willkommene, wenn auch nicht ausreichende Niederschlagsmengen erhielten, hieß es weiter. Strengere EU-Vorschriften für Pflanzenschutzmittel behindern den Rapsanbau zusätzlich, so Strategie Grains.

In Deutschland war es zwar nicht so trocken wie im vorigen Jahr, doch die Bedingungen für den Anbau von Raps waren trotzdem nicht ideal, da es in einigen Regionen erneut kaum regnete, teilte das Beratungsunternehmen mit. "Ein weiterer Grund, der die Anbaufläche für Raps in diesem Jahr niedrig gehalten hat, war die Enttäuschung der deutschen Landwirte über die schwachen Preise und Erlöse und den Mangel an Pflanzenschutzmitteln, um höhere Erträge zu erzielen", heißt es weiter.

Preise nach Absturz – wieder fester

Bei einem Ertrag wie im Jahr 2014 - von etwa 3,61 Tonnen pro Hektar - könnte die EU-Produktion 2020 etwa 21,4 Millionen Tonnen erreichen, schreiben die Analysten. Aber wenn der Ertrag so niedrig wäre wie für die Ernte 2018 (2,88 t / ha), würde die Ernte nur bei 17,1 Millionen Tonnen liegen, heißt es weiter und damit nur knapp über dem sehr schwachen Ergebnis aus diesem Jahr.  

Die Rapspreise hatten sich vor dem Hintergrund der kleinen Ernte im September auf rund 390 Euro je Tonn erholt. Danach hatten die fallenden Sojapreise den Markt jedoch wieder bis auf 372 Euro nach unten gerissen. Ende Oktober notierte der vordere Novemberkontrakt jedoch wieder bei 380 Euro/t – mit fester Tendenz.

Am Großmarkt in Hamburg wurden 383 Euro geboten, in Mannheim lagen die Kurse bei  385 Euro und am Mittellandkanal bei 382 Euro.

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