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Rapsernte und Rapspreise 2021

Explosiver Mix bei den Rapspreisen – Knappheit jagt Kurse nach oben

rapsernte.
am Dienstag, 13.07.2021 - 12:25 (Jetzt kommentieren)

Die Rapsreise steigen auf längst vergessene Höchststände. Und es geht weiter steil nach oben.

rapspreise.

In Europa und in Kanada steigen die Rapspreise steil an. Auslöser sind die erwarteten hitzebedingten Ernteausfälle beim weltgrößten Exporteur Kanada – und auch eine kleinere Ernte in Europa. Hinzu kommen die wieder kräftig steigenden Preise für Sojabohnen und Pflanzenöl. Auch dort ist der Markt offenbar knapper versorgt als bisher gedacht.

Das US-Landwirtschaftsministerium hat mit seinem aktuellen Report jedenfalls für neuen Treibstoff gesorgt. Alles in allem ein geradezu explosiver Mix, der die Rapspreise auf nicht mehr erwartete Höchststände getrieben hat.

In Kanada steigen die Canolapreise am Dienstag im laufenden Handel für die neue Ernte nochmals um 60 CAD auf 949 CAD je Tonne – nachdem es bereits am Montag um 45 CAD nach oben ging. Mittlerweile sind die Canolapreise für die neue Ernte in Kanada auf einen neuen Rekordstand geklettert. Seit dem letzten Tiefpunkt der Preise Mitte Juni (724 CAD) ging es für Canola um 225 CAD oder 31 Prozent nach oben!

Auch die europäischen Rapspreise sind zuletzt kräftig gestiegen. Am Montag schossen die Rapspreise an der MATIF um 15 Euro auf knapp 545 Euro je Tonne nach oben – so hohe Preise hat es zuletzt Anfang Juni gegeben. Bis Mitte Juni waren die Rapspreise sogar bis auf 473 Euro je Tonne abgestürzt.

Und die Rapspreise folgen den weiter steil ansteigenden Canolapreisen im laufenden Handel am Dienstag weiter nach oben – um weitere 18 Euro auf 560 Euro je Tonne! Der Anstieg seit Juni beträgt damit 87 Euro oder 18 Prozent.

Was hat die Hitzewelle mit Kanadas Canolaernte gemacht?

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Was sagen nun die neuen Daten des USDA über die Versorgung der Märkte mit Raps, Sojabohnen und Pflanzenöl? Für Canada wurden die Canola-Erträge für die kommende Ernte zwar recht deutlich von 2,32 Tonnen je Hektar auf 2,24 Tonnen je Hektar gesenkt – dafür wurde jedoch die Erntefläche aufgrund neuer kanadischer Meldungen von 8,85 Millionen Hektar auf 9,0 Millionen Hektar nach oben korrigiert.

Dadurch würden die Ertragsverluste etwas ausgeglichen und die kanadische Canolaernte würde im Ergebnis von 20,5 Millionen Tonnen auf 20,2 Millionen Tonnen schrumpfen – Im vorigen Jahr ernten die kanadischen Farmer rund 19,0 Millionen Tonnen Canola von 8,3 Millionen Hektar.

Viele Analysten zweifeln jedoch die noch immer hohe Ernteprognose an. Sie verweisen außerdem auf die extrem knappe Marktversorgung und auf die komplett leeren Läger bei Landwirten und im Handel. Wegen der anhaltenden extremen Hitze im Nordwesten der USA und in Kanada rechnen viele Markbeobachter mit weiteren schweren Schäden am kanadischen Canola (Sommerraps), denn der hat vielerorts gerade geblüht und war besonders empfindlich.

Das USDA erwartet derzeit noch kanadische Exporte von etwa 10,1 Millionen Tonnen – nach 10,5 Millionen im vorigen Jahr und einen weiteren Abbau der ohnehin schon sehr kleinen Lagerbestände von 1,3 Millionen auf 1,05 Millionen Tonnen. Vor zwei Jahren hatten die Kanadier noch 3,1 Millionen Tonnen Canola in ihren Silos – also dreimal so viel. 

Europäische Rapsernte ist noch kleiner – Importe sehr hoch

Rapsernte.

Für die europäische Rapsernte hat das USDA seine Ernteprognose ebenfalls gesenkt, von zuvor 17,2 Millionen Tonnen auf nur noch 17,0 Millionen Tonnen. Hintergrund sind auch hier witterungsbedingt etwas niedrigere Rapserträge von 3,27 Tonnen je Hektar – nach 3,31 Tonnen im Vormonat.

Die Europäische Kommission schätzt die europäische Rapsernte übrigens aus demselben Grund noch deutlich kleiner als das USDA – nämlich nur noch auf 16,7 Millionen Tonnen. Das heißt: Die erwartete Knappheit wäre noch größer. Die europäische Rapsfläche ließ das USDA mit 5,2 Millionen Hektar unverändert – etwa auf dem Vorjahresniveau. Den europäischen Verbrauch von Raps schätzen die Amerikaner für die neue Saison auf 22,85 Millionen Tonnen – und damit noch etwas größer als im vorigen Jahr.

Um diese Verbrauchsmenge zu beschaffen, sind allerdings Importe von 6,45 Millionen Tonnen nötig – das ist ebenfalls etwas mehr als im vorigen Jahr. Der größte Teil der Ware müsste aus der Ukraine kommen. Das Schwarzmeerland ist der wichtigste Lieferant für die EU – deutlich vor Australien und Kanada. In der Ukraine rechnet man derzeit mit einer guten Rapsernte von 3,1 Millionen Tonnen – nach nur 2,75 Millionen Tonnen im vorigen Jahr. Der Anbau wurde zwar eingeschränkt – aber die erwarteten Erträge sind mit 2,88 Tonne je Hektar – im Vergleich zum vorigen Jahr mit 2,31 Tonnen je Hektar – deutlich höher.

Unklar ist, wie viel Raps die Chinesen kaufen werden und wieviel Ware sie vom Weltmarkt abziehen. Das USDA schätzt die chinesischen Rapsimporte derzeit auf 2,8 Millionen Tonnen und damit etwas kleiner als im vorigen Jahr mit 3,2 Millionen Tonnen. Chinas eigene Rapsproduktion wird bei etwa 14 Millionen Tonnen erwartet – während der Verbrauch bei knapp 17 Millionen Tonnen liegt.

Auch Japan kauft etwa 2,3 Millionen Tonnen Raps am Weltmarkt – und damit etwa so viel wie im letzten Jahr. Allerdings ist das globale Angebot sehr knapp, denn der globale Verbrauch von Raps steigt nach den Prognosen des USDA auf einen neuen Rekordstand von 74 Millionen Tonnen. Die auf dem tiefsten Stand seit 5 Jahren befindlichen Lagerbestände erholen sich damit nicht.

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