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Getreideernte 2018

Extreme Dürre in Polen und im Baltikum

Ernte von Weizen
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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
26.06.2018

In Polen und im Baltikum herrscht eine extreme Dürre. Die Folge sind sehr hohe Ernteverluste bei allen Getreidearten.

In Polen sind bei einzelnen Getreidearten Produktionseinbußen von bis zu 25 % möglich. Für die Gesamternte werden von polnischer Seite derzeit Produktionsrückgänge zwischen gut 10 und knapp 20 % erwartet.

Dabei sind die Auswirkungen der derzeitigen Dürre sind noch weitaus schlimmer als in letzten Trockenperioden der Jahre 2006 und 2015, sagte der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki in Warschau.

Die polnische Regierung bereitet deshalb Hilfsmaßnahmen vor, ähnlich wie für Opfer von Naturkatstrophen.

Die Hälfte des Ackerlandes betroffen

Ausgetrocknetes Getreidefeld

Nach einem Bericht des polnischen Instituts für Düngemittel und Bodenkunde (IUNG) ist die Wasserknappheit bereits im ganzen Land deutlich zu spüren. Bis zum 10. Juni war die Hälfte des Ackerlandes von den Auswirkungen der extremen Trockenheit betroffen.

Auf einer Konferenz des nationalen Verbandes der Getreideproduzenten, hatte der stellvertretende Minister für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung Jacek Bohutskyi den Landwirten berichtet, dass das Land „noch nie zuvor mit einer solchen Dürre konfrontiert war“.

Susanna Savino von der Universität für Lebenswissenschaften in Poznań teilte mit, dass der Mai der wärmste der letzten 55 Jahren gewesen sei bzw. seitdem solche Beobachtungen überhaupt durchgeführt werden.

Polen: Früher Erntebeginn, schwache Ernte

Ernte von Weizen

Nach Berichten aus den polnischen Regionen, beginnt die Ernte in diesem Jahr erheblich früher als üblich. Die Gerstenernte könnte bereits Ende Juni abgeschlossen sein. Die Haupternte dürfte etwa am 5. Juli beginnen.

Vor dem Hintergrund der extremen Trockenschäden wird die Produktion in diesem Jahr erheblich schrumpfen. Im vorigen Jahr hatten die polnischen Landwirte 31,9 Millionen Tonnen Getreide (einschließlich Mais) gedroschen.

Nach Schätzungen des polnischen Instituts für Wirtschaft der Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie dürfte die Getreideproduktion in diesem Jahr allenfalls 28,5 Millionen Tonnen erreichen. Das wäre ein Rückgang von 11 %.

Das National Support Center für Landwirtschaft schätzt die Produktion auf 26,5 bis 28,5 Millionen Tonnen. Das wäre ein Rückgang der Produktion von 17 %.

Die neue polnische Weizenernte schätzten private Analysten zuletzt auf 10,5 Mio. t, nach 11,6 Mio. t  im vorigen Jahr. Polen ist nach Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten Königreich der viertgrößte Weizenproduzent der EU.

30 % Ernteverluste in Litauen möglich

Weizenernte mit Mähdrescher

Auch in den baltischen EU-Staaten Lettland und Litauen sind die Folgen der extremen Dürre deutlich sichtbar. Die lettischen Behörden planen offenbar einen nationalen Notstand zu verhängen, meldete Ende der vorigen Woche die Agentur Baltic News Service (BNS).

Da es  im Westen Lettlands seit dem 3. Mai nicht mehr geregnet hat, waren lettischen Landwirte in den betroffen Regionen bereits gezwungen, ihre Rinder wegen Futterknappheit zu schlachten.

In Litauen ist die Situation ähnlich. BNS zitiert dort den Vorsitzenden des litauischen Getreidebauernverbandes Ausrys Macijauskas mit den Worten: "Wir schätzen, dass mindestens 30 Prozent der Ernte bereits verloren gegangen sind".

Die neue Weizenernte beim europäischen TOP-Exporteur Litauen könnte von 3,8 Millionen Tonne im vorigen Jahr, auf 3,1 bis 3,2 Millionen Tonnen schrumpfen, schätzte Dainius Pilkauskas, Direktor für den Getreidehandel des Baltikums bei AB Linas Agro.

Im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr hatten Litauen und Lettland jeweils 1,5 Mio. t Weizen in Drittländer exportiert. Die deutschen Ausfuhren lagen Ende Juni bei 2,8 Mio. t

Weitere Informationen zur Getreideernte in Europa und zu den Auswirkungen der Trockenheit, finden Sie in der aktuellen Ausgabe von agrarheute.

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Aktuelles Heft August 2018

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