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Getreideernte und Getreidepreise

Frankreich: Weizenernte bricht dramatisch ein

Getreideerntemaschine auf dem Feld
am Mittwoch, 08.07.2020 - 12:55 (1 Kommentar)

Die französische Weizenernte wird sehr klein. Die Weizenpreise steigen daraufhin kräftig.

Das französische Landwirtschaftsministerium (Agreste) hat die Prognose für die Getreideernte unerwartet drastisch reduziert. Am europäischen Terminmarkt reagierten die Weizenpreise darauf mit einem kräftigen Anstieg – und dass, obwohl es in den USA gestern mit den Getreidepreisen – witterungsbedingt - deutlich nach unten ging.

Sollte sich die Prognosen von Agreste bestätigen, wäre dies die zweitschlechteste Ernte der letzten 16 Jahre – nach 2016, sagte der Agreste-Analyst Jean-Michel Pognat. Die Ursachen für den Produktionseinbruch sind der sehr nasse Herbst und der dadurch verursacht dramatische Rückgang der Anbauflächen von Winterweizen um 590.000 Hektar !!! – aber auch das extrem trockene Frühjahr und die Folgen für das Ertragspotential.

Deutlich Korrekturen an den Erträgen und Erntemengen nach unten, meldete Agreste aber auch bei Wintergerste beziehungsweise Futtergerste, Sommergerste und auch beim Raps wird die Ernte noch kleiner als im vorigen Jahr.

Deutlich kleinere Fläche – schlechte Erträge

Entwicklung der Weizenernte in Frankreich

Frankreichs Weichweizenernte wird in diesem Jahr voraussichtlich um mehr als ein Fünftel bzw. reichlich 8 Millionen Tonnen schrumpfen, nachdem der Weizen unter extrem widrigen Wetterbedingungen im Herbst und im Frühjahr gelitten hat, teilte das französische Landwirtschaftsministerium am Dienstag mit.

In seiner ersten Prognose für die diesjährige Weichweizenernte prognostizierte das Ministerium eine Produktion von 31,31 Millionen Tonnen gegenüber 39,55 Millionen Tonnen im Jahr 2019.

Das wären 12,4 Prozent weniger als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre und zudem die zweitkleinste französische Weichweizenernte seit 2004, sagte Agreste-Analyst Jean-Michel Pognat. Nur die schlechte Weizenernte im Jahr 2016 war noch kleiner. Die Prognose für 2020 basierte auf einem erwarteten Ertrag von 7,11 Tonnen pro Hektar gegenüber 7,91 Tonnen im Vorjahr und einer Anbaufläche von 4,41 Millionen Hektar gegenüber 5,00 Millionen Hektar.

Der Anbaurückgang ist durch den sehr nassen Herbst verursacht und ließ die Weizenfläche im Jahresvergleich um 593.000 Hektar schrumpfen. Die Weichweizenfläche, die von den im Juni geschätzten 4,59 Millionen Hektar revidiert wurde, wäre die kleinste seit 2003, während der erwartete Ertrag dem Fünfjahresdurchschnitt entsprach, so Jean-Michel Pognat.

"Die Saison 2019-2020 war geprägt von großen Aussaatschwierigkeiten im Herbst aufgrund von starkem Regen, der die Böden überschwemmt hat, und einer ausgeprägten Frühlingsdürre", heißt es in dem Erntebericht.

Kommission mit ähnlich schwacher Prognose

Getreideernte auf dem Acker mit Getreidemaschine

"Diese extremen Bedingungen betrafen vor allem den Weichweizen,"sagte Pognat. Händler und Analysten hatten bereits einen starken Rückgang der französischen Weizenproduktion erwartet. Dabei haben die Schätzungen der meisten Analysten die Ernte 2020 auf 32 bis 33 Millionen Tonnen veranschlagt – und damit um einiges höher.

Die aktuelle Prognose des Ministeriums wurde auch deshalb nach unten angepasst, weil die regionalen Ergebnisse sehr große Ertragsschwankungen und Abweichung nach unten aufwiesen, fügte Agreste hinzu.

Die EU-Kommission hat die französische Weizenernte zum Monatswechsel allerdings auch schon nur auf 30,55 Millionen Tonnen geschätzt und lag damit sehr nahe an der Prognose von Agreste.

Die ziemlich realistische Prognose der Kommission für die extrem schwache französischen Ernte, war im übrigen auch ein wesentlicher Grund für die drastische Reduzierung der europäischen Getreideernte von knapp 131 Millionen Tonnen im vorigen Jahr (ohne UK) auf nur noch 118 Millionen Tonnen in diesem Jahr.

Die Ertragsschätzungen der Kommission für Frankreich lagen allerdings nur noch bei 65,78 dt je Hektar und damit noch deutlich niedriger als die Erwartung von Agreste mit 71,1 dt. Grund für die geringfügig höhere Ernteprognose der Kommission ist die 240.000 Hektar größer unterstellte Erntefläche von etwa 4,64 Millionen Hektar.

Weniger Weizen als in diesem Jahr haben die französischen Bauern zuletzt zur Missernte 2016 mit damals nur 27,56 Millionen Tonnen und davor im Jahr 2003 mit 29,0 Millionen Tonnen von den Feldern geholt.

Weizenpreise steigen kräftig – Einbruch auch bei Gerste und Raps

weizenpreise in der europäischen union

Die Weizenpreise für die neue Ernte legten am Terminmarkt nach der Veröffentlichung der neuen französischen Daten kräftig zu. Der vordere Septembertermin stieg um 2,25 Euro auf knapp 185 Euro je Tonne – und heute im laufenden Handel legen die Weizenpreise weiter auf knapp 186 Euro zu.

Das sind die höchsten Preise seit vier Wochen – als es nach dem letzten USDA-Report, wegen Russlands sehr großer Ernte, mit den Weizenpreisen steil nach unten ging. Doch auch für die anderen Getreidearten senkten die Franzosen ihre Prognosen und stützten damit die Getreide- und Rapspreise.

Für Gerste (Sommer- und Wintergerste) wird eine Ernte von 12,33 Millionen Tonnen prognostiziert, was einem Rückgang von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Diese Prognose beinhaltete eine deutlich reduzierte Schätzung für Wintergerste, die jetzt bei 7,80 Millionen Tonnen liegt, verglichen mit einer ursprünglichen Erwartung von 8,17 Millionen Tonnen im vorigen Monat und 9,3 Millionen Tonnen im vorigen Jahr.

Die Produktion von Sommergerste schätzt Agreste auf 4,53 Millionen Tonnen. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine fast unveränderte Produktion – obwohl die Anbaufläche von Sommergerste um 143.000 Hektar auf 782.000 Hektar ausgeweitet wurde. Die Sommergersten-Erträge werden mit 57,9 dt je Hektar jedoch deutlich schlechter eingeschätzt als im vorigen Jahr mit 70,4 dt.

Bei Raps wurde die Ernte auf 3,37 Millionen Tonnen geschätzt, was einem Rückgang von 3,7 Prozent gegenüber dem bereits sehr schlechten Vorjahr und 29,5 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt entspricht. Die erwarteten Rapserträge liegen bei 30,3 dt je Hektar gegenüber 31,6 dt im Vorjahr – bei relativ stabiler (sehr kleiner) Anbaufläche.

Die Rapspreise sind deshalb am europäischen Terminmarkt ebenfalls gestiegen – für den vorderen Augusttermin auf 382 Euro je Tonne – und auch hier geht es heute mit den Preisen zunächst weiter nach oben.

Kommentar

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