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Getreideernte und Getreidepreise

Futtergerste: Schlechte Ernte und miese Preise

Ein Mähdrescher im reifen Getreidebestand
am Dienstag, 07.07.2020 - 12:35 (Jetzt kommentieren)

In Deutschland hat die Ernte von Wintergerste in vielen Regionen begonnen. Trockenheit und Spätfröste haben der Gerste offenbar mehr zugesetzt, als viele Landwirte und Analysten geglaubt haben.

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Mitunter sind die Ähren fast leer und die Erträge deutlich schlechter als zuvor erwartet. Das gilt ganz besonders für den Osten und für die leichten Standorte im Nordwesten. In den zentralen und südlichen Regionen scheinen aber durchaus durchschnittliche bis gute Erträge möglich. Dort hat es im Mai und auch im Juni immer wieder geregnet.

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) erwartete in seiner Juni-Prognose eine Wintergersten-Ernte von gut 9,2 Millionen Tonnen. Damit würde das Vorjahresergebnis von 9,7 Millionen Tonnen deutlich verfehlt. Als Grund nennt der DRV neben der witterungsbedingt kleineren Aussaatfläche von gut 30.000 Hektar, auch die niedrigeren Erträge in Folge von Trockenheit und Spätfrösten. Die derzeitigen Ertragsschätzungen des DRV liegen bei rund 70 dt je Hektar, im Vergleich zu 72,2 dt je Hektar im vorigen Jahr. Ähnliche Werte für Deutschland erwartet auch die Crop-Monitoring Agentur der EU-Kommission (MARS).

Wie der niedersächsische Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke bei der Getreiderundfahrt seines Verbandes feststellte, kam der nötige Regen für die Winterkulturen – wie ewa für Wintergerste – zu spät. Dementsprechend enttäuschen Wintergerste und auch Weizen in Qualität und Ertrag. „In den vergangenen Monaten hat es zwar etwas geregnet, aber dieses Frühjahr gehörte zu den trockensten, das je verzeichnet wurde“, stellte der Vorsitzende des Landvolk-Ausschuss Pflanze, Karl-Friedrich Meyer fest.

Offenbar sehr schwache Ernte in Frankreich

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Frankreichs Wintergerstenernte zeigt regional sehr unterschiedliche Erträge, jedoch ingesamt eine recht gute Erntequalität, berichtete der Getreidehändler Soufflet bereits in der vorigen Woche. "Je nach Region gibt es sehr unterschiedliche Erträge. Wir sehen die Auswirkungen der übermäßigen Niederschläge im Herbst und der Dürre im Frühjahr", sagte Francois Berson, Direktor für Getreideeinkauf bei Soufflet.

Die Wintergerste ist auch in Frankreich das erste Wintergetreide, das geerntet wird, und es bietet deshalb auch Hinweise auf die spätere Ernte von Weichweizen. Das Landwirtschaftsamt FranceAgriMer sagt, dass die französischen Landwirte bis Ende Juni bereits 41 Prozent der Wintergerste geerntet haben. Das französische Landwirtschaftsministerium Agreste prognostizierte im vergangenen Monat einen Rückgang der Wintergerstenproduktion in diesem Jahr um fast 16 Prozent auf nur noch 7,8 Millionen Tonnen im Vergleich zu 9,3 Millionen Tonne im vorigen Jahr. Der durchschnittliche Ertrag soll von knapp 71 dt je Hektar im Vorjahr auf nur noch 63 dt/ je Hektar einbrechen.

Analysten und Händler erwarten in diesem Jahr einen starken Rückgang der französischen Weizen- und Gerstenproduktion, aber es besteht Unsicherheit über die Auswirkungen der gegensätzlichen Wetterperioden. Die Ernte von Sommergerste ist in Westfrankreich ebenfalls schon im Gange und zeigt bislang gute Erträge von rund 60 dt je Hektar und eine anständige Qualität, sagte Berson. Agreste schätze die Erträge bei Sommergerste indessen nur auf nur 57,9 dt je Hektar und sieht die Erntemenge trotz einer kräftigen Flächenausweitung von 140.000 Hektar, nur so groß wie im vorigen Jahr mit rund 4,5 Millionen Tonnen.

Kommission erwartet sehr hohe Gerstenexporte

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"Frankreich wird viel Aufmerksamkeit erhalten, da sehr schwache Gerstenerträge gemeldet werden, weshalb es noch zu Kürzungen bei den Weizenprognosen kommen könnte", sagte Nathan Cordier von der Beratungsfirma Agritel. "Die schwachen Gerstenerträge führten zu der Befürchtung, dass Frankreich in einer ähnlichen Position sein könnte wie 2016, als sich die schlechtesten Erträge seit drei Jahrzehnten erst während der Ernte bemerkbar machten.

Einige Analysten und auch die Kommission erwarten jedoch, dass der Regen im Juni und die gemäßigten Temperaturen die schlimmsten Ernteverluste bei Wintergerste und Weizen verhindert haben. Deshalb sind bislang auch die Prognosen für Deutschland und Polen noch relativ gut. Allerdings hat der späte Regen auch Zweifel an der Größe der rumänischen Ernte aufkommen lassen. Damit sind die Aussichten auch für die EU 27 insgesamt sehr schwer zu beziffern. Die Europäische Kommission hat die Gesamternte von Gerste zuletzt auf 56,6 Millionen geschätzt nach 55,6 Millionen im vorigen Jahr.

Bei den Exporten erwartet die Kommission bislang sogar einen Anstieg von 10,1 Millionen Tonnen auf 10,6 Millionen Tonnen –  auch wegen der Einführung sehr hoher Exportzölle für australischen Gerste durch China. Auch Deutschland hat in diesem Jahr 1,3 Millionen Tonnen Gerste in Drittländer verkauft – aus Frankreich gingen 3,2 Millionen Tonnen auf den Weltmarkt und an den Schwarzmmerhäfen Rumäniens wurden 1,1 Millionen Tonnen verladen.

Allerdings: Die Coronavirus-Pandemie und der daraus resultierende wirtschaftliche Abschwung in Europa und vielen Importländern werfen auch dunkle Wolken auf die Nachfrageseite. "Die wohl größte Sorge vieler Händler ist derzeit die Nachfrageseite, da viele Volkswirtschaften in den Importländern geschädigt sind", sagte ein Händler.

Zu einer aktuellen Übersicht der Marktpreise gelangen Sie auf unserer Übersichtsseite der Erzeugerpreise für Marktfrüchte.

Gerstenpreise zuletzt schwächer

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Die Gerstenpreise haben zuletzt in Deutschland und in Frankreich nachgegeben – trotz der schwachen Ertragsdaten. Am Hamburger Großmarkt und Exporthafen lagen die Preisangebote für Futtergerste bei 160 Euro je Tonne und damit knapp 2 Euro niedriger als in der vorigen Woche. An den ostdeutschen Großmärkten wurden Preise von 145 Euro je Tonne genannt – ebenfalls ein leichtes Minus.

Am wichtigsten französischen Exporthafen und Großmarkt Rouen bewegen sich die Preisangebote für Futtergerste der neuen Ernte derzeit bei 164 Euro je Tonne – ein Abschlag von 1 Euro zur Vorwoche. Die Gerstenpreise am Schwarzen Meer lagen relativ stabil bei 175 USD je Tonne (155 Euro/t), berichtet die russische Analystenfirma SovEcon. Gleichzeitig stehen die Weizenpreise am Schwarzen Meer unter Druck – obwohl die Erträge zum Beginn der Getreide-Ernte in Südrussland schlechter als erwartet sind. Deshalb wurde die russische Weizen- und Gerstenernte diese Woche von einigen Analystenfirmen auch nach unten korrigiert.

Russischer Weizen mit 12,5% Protein, der an den Schwarzmeerhäfen verladen wurde, wurde Ende letzter Woche mit 197,5 USD je Tonne gehandelt (175 Euro/t), was einem Rückgang von 3 USD gegenüber der Vorwoche entspricht, so die Analysten von SovEcon. Am deutschen Exporthafen Hamburg lagen die Preisangebote für Brotweizen mit 13 Prozent Protein bei 194 Euro und damit sogar 2 Euro höher als in der vorigen Woche. Für den Weizen der neuen Ernte lagen die Angebotspreise bei 187 Euro/t. Am französischen Exporthafen Rouen bewegen sich die Offerten für den Brotweizen der neuen Ernte derzeit stabil bei etwa 183 Euro je Tonne.

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