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Maismarkt

Futtermangel hilft Maispreisen nicht

am Montag, 29.10.2018 - 18:58 (Jetzt kommentieren)

Die EU-Kommission hat die Prognose zur europäischen Körnermaisernte zum Monatswechsel leicht angehoben.

Ein Grund ist die nach oben korrigierte Maisernte in Deutschland. Für Frankreich, Polen, Ungarn und Bulgarien wurde die Produktion hingegen leicht nach unten gesetzt. Unverändert riesig ist die Ernteerwartung für Rumänien. Auch die ungarische Maisernte fällt trotz der leichten Korrekturen größer aus als im vorigen Jahr.

Hintergrund für die schwachen Ergebnisse in weiten Teilen West- und Mitteleuropas war die extreme und bis weit in den Oktober andauernde Trockenheit. Erheblich besser hat sich der Mais in weiten Teilen Südosteuropas entwickelt. Dort hatten Regenfälle für sehr gute Wachstumsbedingungen gesorgt.

Im September hatten jedoch eine Hitzewelle und Niederschlagmangel auch in Südosteuropa das Wachstum der Maispflanzen beeinträchtigt (wie etwa in Ungarn) und die Ernteerwartungen etwas gedrückt.

Große Ernten in Südosteuropa

Maisernte Länder

Nach den bislang vorliegenden Daten ist die Maisernte bei den (neben Frankreich) wichtigsten südosteuropäischen Maisexporteuren Rumänien, Ungarn und Bulgarien erheblich größer als im vorigen Jahr. In Rumänien fällt die Produktion nach der derzeitigen Einschätzung der Kommission sogar größer aus als in Frankreich, dem sonst wichtigsten Maiserzeuger und Lieferanten der EU.

Damit steht in den südosteuropäischen Ländern auch reichlich Mais für den innereuropäischen Export zur Verfügung. Die dortigen Erntemengen übersteigen wegen der vergleichsweise kleinen Tierbestände den Bedarf erheblich. Noch gelangt der Mais aus Südosteuropa jedoch nicht nach Norden und Westen.

Derzeit behindert und verteuert Niedrigwasser auf der Donau, am Rhein und vielen anderen Flüssen den Transport von Getreide und anderen Agrargütern. Die Maispreise sind jedoch trotz des sehr kleinen europäischen Angebots an Futtergetreide weiter gefallen. Verantwortlich für den Preisrutsch in Europa sind die sehr groß erwarteten Maisernten in den USA und in der Ukraine. Hinzu kommt, der für die kommenden Wochen erwartete stärkere Zustrom von Mais aus Rumänien und Ungarn über die Donau nach Norden.

Deutsche Maisernte etwas größer?

Maisernte Europa

Zum Monatswechsel schätzte die Kommission die aktuelle europäische Maisernte auf 62,3 Mio. t. Das sind wegen der nach oben korrigierten Erntemengen in Deutschland und der Slowakei 0,4 Mio. t mehr als im Vormonat. Dennoch wird das relativ gute Vorjahresergebnis von 64,7 Mio. t um 2,5 Mio. t verfehlt.

Frankreichs Maisernte hat die Kommission nur noch auf 12,4 Mio. t veranschlagt und damit gut 2 Mio. t kleiner als im vorigen Jahr. Gleichzeitig wird Rumänien mit etwa 14,4 Mio. t reichlich 4 Mio. t Mais mehr ernten als im Jahr zuvor. Damit dürften die Rumänien ihre Exporte in andere EU-Länder kräftig ausweiten.

Die deutsche Körnermaisernte korrigiert die Kommission von 2,6 Mio. t auf 3,3 Mio. t nach oben. Damit erwartet die Kommission eine größere deutsche Produktion als der Deutsche Raiffeisenverband, der in seiner Oktober-Prognose von 2,7 Mio. t ausging. Im Vergleich zum Vorjahr wäre die Schätzung der Kommission eine Reduzierung der Erntemenge um knapp 30 Prozent und zudem die kleinste deutsche Maisernte seit 12 Jahren.

Der deutsche Bedarf an Mais lag nach den Berechnungen der BLE  zuletzt zwischen 6,5 Mio. t und 7,0 Mio. t.  Importiert wurden in den letzten Jahren zwischen 3,0 und 3,5 Mio. t  Mais. Dieser Mais kam ganz überwiegend aus anderen EU-Ländern. In diesem Jahr dürfte der deutsche Importbedarf allerdings deutlich höher ausfallen und etwa bei 5,0 Mio. t oder darüber liegen.

Ukraine und USA drücken Maispreise

Exportpreise Ukraine

Die Kommission rechnet im aktuellen Wirtschaftsjahr außerdem mit sehr hohen Maisimporten aus Drittländern von 16,3 Mio. t. Den europäischen Bedarf/Verbrauch schätzt man auf 79,5 Mio. t und damit  knapp 2 Mio. t größer als im vorigen Jahr. Grund für den Verbrauchsanstieg ist die sehr kleine europäische Getreideernte und die extreme Knappheit bei Futtergetreide.

In der zurückliegenden Saison hatten die Europäer fast 18 Mio. t Mais am Weltmarkt gekauft. Das war die bislang mit Abstand größte europäische Importmenge. Der wichtigste Lieferant war im vorigen Wirtschaftsjahr die Ukraine mit 45 Prozent aller EU-Importe. Immerhin ein Drittel der Einfuhren kam aus Brasilien und etwa 10 Prozent aus den USA.

Derzeit wird der US-Mais von den Europäern (in Folge des Handelskonfliks) mit Importzöllen von 25 Prozent belegt. Die kräftig gefallenen US-Preise haben diese Zollerhöhung jedoch fast ausgeglichen. Aus der Ukraine wird ebenfalls eine sehr große Maisernte gemeldet. Deshalb sind die Exportpreise auch am Schwarzen Meer sehr kräftig gefallen.

Europäische Maispreise auf Viermonatstief

Maispreise MATIF

Die Maispreise haben nur zeitweise auf die sehr knappe Versorgung in Deutschland reagiert und sind vor der Ernte kräftig gestiegen. Zuletzt folgten die Kurse jedoch wieder den Vorgaben vom Weltmarkt. Am europäischen Terminmarkt sind die Kurse nach einem relativ kräftigen Anstieg auf rund 195 Euro/t bis Ende Oktober wieder um etwa 30 Euro/t gefallen. Ende Oktober wurde Körnermais der neuen Ernte an der MATIF nur noch mit 166 Euro/t notiert. Das sind die niedrigsten Maispreise seit vier Monaten.

Grund für den Preisrutsch sind unter anderem die niedrigen Exportpreise in den USA und in der Ukraine. Zudem drücken die große rumänische und ungarische Ernte die Kurse ebenfalls nach unten. Dabie kommt die physische Ware wegen des anhaltenden Niedrigwassers auf den großen deutschen und mitteleuropäischen Flüssen bisher nur sehr langsam nach Norden. 

An den Exporthäfen am Schwarzen Meer wird Körnermais derzeit weitaus günstiger angeboten als in Westeuropa. Der feste Euro verbilligt die Importe zusätzlich. Am Hamburger Hafen (fot Brake) kostete Importmais vom Schwarzen Meer zur Auslieferung im Oktober zuletzt 179 Euro/t. Am Großmarkt in Mannheim wurde inländischer Mais ab Station mit 177 bis 181 Euro je t notiert.

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