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Gasmangel und Trockenheit beeinträchtigen die Zuckererzeugung

Rübenernte
am Donnerstag, 01.09.2022 - 14:50 (Jetzt kommentieren)

In Kürze rollen wieder die Rübenroder über Deutschlands Äcker. Die Zuckererzeugung aus der Ernte 2022 fällt klein aus. Das steht schon jetzt fest.

Das Werk Jülich des Zuckerherstellers Pfeifer&Langen

Zwar haben die deutschen Rübenanbauer die mit Zuckerrüben bestellte Fläche gegenüber dem Vorjahr um rund 5.000 Hektar auf 360.643 Hektar ausgedehnt. Wegen der anhaltenden Trockenheit erwartet die Zuckerwirtschaft aber dennoch nur eine unterdurchschnittliche Ernte.

„Wir rechnen mit enttäuschenden Ernteergebnissen“, sagt Günter Tissen, der Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ). Obendrein ist die Branche beunruhigt wegen der Gasmangellage. Noch ist die Zuckerindustrie auf Erdgas als Energieträger angewiesen. Eine Unterbrechung der Versorgung während der Ernte- und Verarbeitungskampagne hätte fatale Konsequenzen.

Zuckererzeugung rund 10 Prozent kleiner als im Vorjahr

Die WVZ schätzt, dass die deutsche Zuckererzeugung im Wirtschaftsjahr 2022/23 mit rund 4,07 Mio. t um 10 Prozent unter dem Vorjahresergebnis bleiben wird. Im Vergleich zum dreijährigen Durchschnitt würden damit rund 5 Prozent an Zucker fehlen.

Die Ursache ist, dass der Rübenertrag wegen der ausbleibenden Niederschläge im Durchschnitt wohl nur 70,5 Tonnen je Hektar erreichen wird, 5,5 Tonnen weniger als im dreijährigen Mittel und sogar 11,9 Tonnen weniger als im Vorjahr. Allerdings dürfte der Zuckergehalt der Rüben aufgrund der reichlich vorhandenen Sonne mit 18,1 Prozent überdurchschnittlich gut ausfallen.

Höhere Kosten für Energie und andere Betriebsmittel

Würfelzucker

In der in den nächsten Tagen beginnenden drei- bis viermonatigen Kampagne ist die Zuckerwirtschaft auf eine zuverlässige Energieversorgung für Ernte, Logistik und Verarbeitung angewiesen. Weil viele Zuckerfabriken vor allem Erdgas einsetzen, treibt die Mangellage die Branche um. „Die Zuckerwirtschaft arbeitet fieberhaft an standort-angepassten Lösungen“, sagt Tissen. Das verursache allerdings Mehrkosten, zusätzlich zu den höheren Preisen für Energie und andere Betriebsmittel.

Um künftig unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden und den Zucker klimafreundlicher zu gewinnen, will die Industrie ihre Energie bis 2045 vollständig aus Rübenschnitzeln gewinnen. Wie eine Sprecherin der WVZ erläuterte, sind die biogenen Reststoffe der Zuckergewinnung so reichlich vorhanden, dass genug sowohl als Viehfutter als auch als Energierohstoff zur Verfügung stehen.

Zuckerindustrie hofft auf Nachbesserung der neuen EU-Richtlinie

Eine in der EU derzeit diskutierte Novellierung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie könnte der Industrie allerdings einen Strich durch die Rechnung machen. Der Richtlinienentwurf privilegiere Rübenschnitzel nicht als klimafreundlichen Rohstoff für die Energiegewinnung, sodass die Wirtschaft für ihre Emissionen weiterhin CO2-Zertifikate kaufen müsse, erläuterte die Sprecherin.

Die WVZ appelliert daher an die EU-Abgeordneten und die Mitgliedstaaten, die Weichen richtig zu stellen. Das Europaparlament befasst sich voraussichtlich am 12. September wieder mit dem Richtlinienentwurf.

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