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Getreidemarkt und Getreidepreise

Gerstenpreise nach Absturz etwas erholt – Lage ist unübersichtlich

Gerste vor der Ernte.
am Dienstag, 05.07.2022 - 09:57 (Jetzt kommentieren)

Die Gerstenpreise sind Anfang Juli deutlich gefallen. Grund war aber nicht so sehr die sehr frühe Ernte, als vielmehr der Preisrutsch am Getreidemarkt.

Preise für Gerste.

Trotz der heftigen Korrektur sind die Preise für Futtergerste an den deutschen Handelsplätzen aber noch immer doppelt so hoch wie im vorigen Jahr zur gleichen Zeit. Auch die Tiefstände der vorigen Woche haben die Preise am Montag wieder verlassen. Und die Preise für die späteren Termine zeigen schon wieder nach oben. Einmal zeigt sich, dass wer sein Getreide nicht unmittelbar nach der Ernte verkaufen muss, die besseren Erlöse erzielt.

Am Großmarkt und Exporthafen Hamburg werden für Futtergerste diese Woche 305 Euro je Tonne (Großhandelspreise) geboten. Das sind rund 50 Euro weniger als im Juni, jedoch fast doppelt so viel wie vorigen Jahr zum gleichen Termin, als die Preise zeitweise unter 180 Euro je Tonne lagen. Und im vorigen Jahr sind die Preise nach der Ernte dann aber kontinuierlich gestiegen.

Auch in Ostdeutschland hat die Gerstenernte bereits begonnen und die Großhandelspreise bewegen sich an den wichtigsten Handelsplätzen in Mitteldeutschland und Brandenburg etwa bei 290 Euro je Tonne. Geerntet wird derzeit jedoch vor allem in den Frühdruschgebieten im Südwesten Deutschlands. Die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz berichtete Ende voriger Woche: Der Wintergerstendrusch hat in den Frühdruschgebieten in der Vorwoche begonnen, teils umfangreiche Niederschläge haben die Arbeiten jedoch wieder unterbrochen. Die ersten Ergebnisse sind noch nicht repräsentativ, zeigen jedoch jetzt schon eine weite Bandbreite in Ertrag und Qualität.

Auf leichten und trockenen Standorten wird mit schwachen Korngewichten gerechnet. Bei günstigerer Wasserversorgung wird von Erträgen von bis zu 10 t/ha berichtet. Die Erzeugerpreise stehen nach Vorgaben der Terminmärkte weiter unter Druck. Bei fehlender Nachfrage der Industrie haben die genannten Preise oft nur nominellen Charakter und sehr kurze Gültigkeit. Erzeugerseitig ist die Abgabebereitschaft für die neue Ernte im fallenden Markt nochmals deutlich gestiegen.

Die Erzeugerpreise lagen im In Rheinland-Pfalz im Durchschnitt am Ende der vorigen Woche bei 285 Euro je Tonne und damit rund 10 Euro niedriger als in der Woche zuvor. Aus Hessen wurden indessen nur Gerstenpreise von 270 Euro je Tonne gemeldet. Ein Preisrutsch von 15 Euro gegenüber der Vorwoche.

Frankreich mit sehr früher Ernte – Gerstenpreise etwas erholt

exportpreise für gerste.

Auch in Frankreich sind die Preise für Gerste diese Woche im Sog der fallenden Weizenpreise und des starken Erntedrucks deutlich gefallen. Laut FranceAgriMer schreitet die Ernte von Wintergerste bei unseren Nachbaren sehr schnell voran. Rund 26 % der Flächen waren am 20. Juni bereits abgeerntet, verglichen mit knapp 1 % im letzten Jahr im gleichen Zeitraum.

Die Erträge und die Qualitäten sind jedoch sehr heterogen und lassen Landwirte und Händler im ungewissen über die kommenden Mengen und Qualitäten für die Saison 2022. Gleichzeitig melden französische Händler jedoch eine Wiederbelebung der Nachfrage der Futterwirtschaft in Europa, trotz einer preislich relativ starken Wettbewerbsfähigkeit von Mais.

Am wichtigsten französischen Handelsplatz Rouen werden am Dienstagmorgen Gerstenpreise von 300 Euro je Tonne gemeldet (Großhandel). Im Vergleich zum vorigen Freitag (292 Euro je Tonne) ist das jedoch ein Preisanstieg von 8 Euro je Tonne gegenüber vorigen Freitag. Händler begründen diese Preiserholung mit dem Feiertag in den USA (04. Juli) am Montag, weswegen dort nicht gehandelt wurde und die Impulse für den europäischen Markt fehlten.

Die anhaltenden Exportprobleme der Ukraine wirken dabei auch auf den europäischen Gerstenmarkt zurück. Sowohl die Ukraine als auch Russland sind in normalen Jahren große Exporteure, die mit den Europäern um die gleichen Absatzmärkte in Nordafrika und im Nahen Osten konkurrieren.

Frankreich hat in den letzten beiden Jahren einen Großteil seiner Export-Gerste indessen nach China verkauft und dabei hervorragende Preise erzielt. Deutschland hat bislang noch keine phytosanitäre Zulassung für den Export nach Frankreich erhalten. Sollte es jemals soweit kommen, wäre das sicher auch für deutsche Gerste eine sehr lukrative Absatzschiene. Im vorigen Jahr haben die Europäer (Franzosen) immerhin 2,3 Millionen Tonnen Gerste nach China exportiert. Das sind 35 % der europäischen Gesamtexporte.

Die Europäische Kommission meldet Ende der vorigen Woche aus Rouen in Frankreich Exportpreise für Gerste von 340 USD je Tonne (327 Euro) und vom Schwarzen Meer 350 USD (336,5 Euro) je Tonne.

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