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Getreideernte und Getreidepreise 2021

Gerstenpreise steigen kräftig: Totreife Bestände und Ernteprobleme

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am Mittwoch, 21.07.2021 - 10:42 (1 Kommentar)

Die Gerstenpreise sind in den letzten Tagen kräftig gestiegen. Grund sind die widrigen Witterungsbedingungen und die extrem schleppend verlaufende Ernte.

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Hinzu kommen die immer mehr in Frage gestellten hohen Ernteprognosen für Gerste – aber auch für Weizen und andere Getreidearte. Das zeigen auch die Gerstenpreise, die im Prinzip dem Weizen –mit einigem Abstand – nach oben folgen.

Nach dem Absturz in der Vorwoche beträgt das Plus für Futtergerste am Großmarkt in Hamburg ex Ernte 12 bis 14 Euro je Tonne, auf zuletzt 193 Euro je Tonne. Für die späteren Termine sind die gebotenen Preise noch deutlich höher. So werden für die Anlieferung im September schon wieder 200 Euro je Tonne geboten.

Auch an anderen deutschen Handelsplätzen sind die Gerstenpreise kräftig gestiegen. So wurde neuerntige Futtergerste an den wichtigsten ostdeutschen Großmärkten am Dienstag mit rund 174 Euro notiert. Das sind ebenfalls 12 bis 14 Euro mehr als in der Vorwoche. Für die Anlieferung im September werden immerhin rund 10 Euro mehr geboten.

Die gleiche Entwicklung ist an wichtigsten Handelsplätze im Südwesten und Süden zu beobachten – wo die Getreidebestände ganz besonders von den schweren Unwettern und Dauerregen geschädigt worden sind. Franco Oberrhein lagen die Preisangebote zu Beginn dieser Woche (ex Ernte) zwischen 168 und 172 Euro je Tonne und franco Heilbronn zwischen 176 und 182 Euro je Tonne - meldet die Südwestdeutsche Warenbörse.

Aus Frankreich wurden diese Woche ebenfalls deutlich höhere Gerstenpreise gemeldet. Zum einen weil der Export anspringt – zum anderen aber auch wegen der steigenden Weizenpreise. Am wichtigsten französischen Handelsplatz und Exporthafen Rouen, wurden für die dort angelieferte Futtergerste am Dienstag immerhin 202 Euro je Tonne geboten. Das waren 14 Euro je Tonne mehr als in der Woche zuvor.

Schleppende Ernte und große Qualitätsprobleme

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Schlechtes Erntewetter und steigende Weizenpreise treiben die Gerstenpreise europaweit in die Höhe. Das schwierige Wetter verzögert die Ernte in Deutschland und in Frankreich auch weiterhin. Die südwestdeutsche Getreidebörse in Mannheim berichtet: „Die teilweise totreifen Bestände warten auf den Drusch und litten täglich unter den wiederkehrenden Regenfällen.“

Weiter heißt es, dass die zuletzt eingepreiste große Gerstenernte zunehmend in Frage gestellt wird. Viele Landwirte treibt zudem die Sorge um, dass die Qualitäten witterungsbedingt immer schlechter werden. In erster Linie betrifft dies das spezifische Gewicht, welches nach den laufenden Erntemeldungen bereits unterdurchschnittlich ausfällt.

Auch französische Analysten berichten, dass die Gerstenpreise sich in der vergangenen Woche im Zuge der steigenden Weizenpreise und der extrem komplizierten Ernte stark erholt haben. Das schlechte Wetter vermindert jedoch auch in Frankreich die Qualität der Getreideernte rapide und verursacht zunehmend Ernteverluste.

Nach den Angaben des französischen Landwirtschaftsamtes FranceAgriMer war die Gerstenernte in der vorigen Woche erst zu 44 Prozent eingebracht, im Vergleich zu 86 Prozent im Jahr zuvor. Außerdem senkte FranceAgrimer seine Bewertungen der noch auf dem Feld stehenden Bestände.

Die Ernte von Sommergerste beginnt in Frankreich witterungsbedingt ebenfalls sehr langsam und liegt gerade einmal bei 4 Prozent im Vergleich 19 Prozent im Jahr 2020.

Wetterrisiken bleiben weiter hoch

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Die anhaltende Verzögerung der Ernte in Westeuropa und natürlich die Sorgen wegen des sehr schlechten Wetters, haben die Preise zuletzt maßgeblich gestützt“, bechreibt auch die Analystenfirma Agritel die derzeitige Lage.

„Während die die Ernte beim Weizen und beim Raps in einigen Regionen begonnen hat, werden die am stärksten von Schlechtwetter betroffenen Gebiete erst in den nächsten Tagen mit der Ernte von Wintergerste beginnen können“, so die Analysten.

Gleichzeitig werden die Preise für Weizen und Gerste weiterhin durch die extremen klimatischen Bedingungen in Nordamerika gestützt, die von anhaltender Hitze geprägt sind. Das USDA stuft den US-Sommerweizen nur noch mit 11 Prozent als "gut bis sehr gut" ein. Das ist das schlechteste Rating seit 1988 (68 Prozent im letzten Jahr). Auch in den kanadischen Provinzen Saskatchewan und Alberta sind die Wachstumsbedingungen besorgniserregend schlecht und die weiteren Aussichten sind ebenso beunruhigend.

Am Schwarzen Meer entwickelt sich die Situation hingegen unterschiedlich, berichtet Agritel. „Zum einen mit der Ukraine, die zu Beginn der Ernte Rekorderträge verzeichnete, und dann mit Russland, dessen Erträge weiterhin enttäuschen, obwohl fast ein Sechstel der Fläche abgeerntet ist“, sagt Agritel.

Auch beim Mais sind die Preise für die neue Ernte wieder über 200 Euro pro Tonne gestiegen, „offenbar auch wegen der Sorgen über die erwartete Hitze, die das Schwarzmeerbecken erfassen soll" und natürlich auch aufgrund der witterungsbedingt erneut kräftig steigenden Preise in Nordamerika.

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