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Aussaat und Ernte 2019

Getreide: Extrem-Wetter heizt Preisrallye an

Felder überflutet
am Montag, 27.05.2019 - 14:15

Um mehr als 10 Euro sind die europäischen Weizenpreise in den letzten 14 Tagen gestiegen. Auslöser ist eine fulminante Preisrallye bei Weizen und Mais in den USA.

Am vorigen Freitag hat es bei Weizen und Mais in Chicago einen weiteren sehr kräftigen Preissprung nach oben gegeben. In den Hauptanbaugebieten im Mittleren Westen bremsen nämlich anhaltende massive Regenfälle weiterhin die fristgerechte Aussaat von Mais, Sojabohnen und Sommerweizen.

Das mögliche Zeitfenster dürfte sich vor allem für den Mais bald schließen und viele Flächen bleiben dann unbestellt. Vor diesem Hintergrund gehen viele Farmer und Getreidehändler in den USA in der neuen Saison von einer deutlich knapperen Versorgung und erheblich höheren Preisen aus als bislang erwartet wurden. US-Mais war bereits am vorigen Freitag auf ein Jahreshoch geklettert. Der Chicago-Weizen sprang auf den höchsten Stand seit vier Monaten.

Auch die großen Fonds haben ihre Long-Positionen zuletzt deutlich ausgebaut und wetten damit auf weiter steigende Kurse. Analysten und Berater mahnen amerikanische Farmer indessen zur Vorsicht, denn der Markt könnte schnell wieder drehen, wenn die derzeit erwarteten Veränderungen und Knappheitsverhältnisse so nicht eintreten.

Am Ende könnte das Angebot nämlich doch größer ausfallen als erwartet, denn zumindest in den USA ist offenbar noch viel mehr Ware aus der vorigen Ernte am Markt als gedacht. Grund ist, dass die Exporte der USA wegen des Handelskriegs mit China erheblich schlechter laufen und die Läger deshalb vielerorts noch gut mit Sojabohnen, Mais und Weizen gefüllt sind.

Diese alterntige Ware könnte dann auch in der neuen Saison noch verfügbar sein und auf die Preise drücken.

Große Flächen könnten unbestellt bleiben

Überflutete Maisilos in Iowa

Heute ist in den USA ein Feiertag und es wird nicht gehandelt. Der nächste Crop-Progress-Report des USDA erscheint deshalb erst am Dienstagabend. Analysten gehen überwiegend davon aus, dass sich das extrem langsame Aussaattempo wegen des anhaltenden Regens im Mittleren Westen fortsetzt.

Das heißt auch: Die Getreidemärkte könnten noch weiter nach oben getrieben werden. US-Analyst Jack Scoville von der PRICE Futures Group sagt dazu: "Seien wir ehrlich. Am vorigen Montag mussten vielleicht noch 40 Millionen Acres (16,2 Mio. ha) Mais gepflanzt werden. Das bedeutet, dass vielleicht noch 40 Millionen Acres nicht bestellt waren. Ein Teil davon wird sicher noch gepflanzt werden, vielleicht sogar das meiste, aber 10 Millionen Acres (4,0 Mio. ha) dürften unbestellt bleiben“.

Nach Scoville ist es außerdem möglich, „dass dann die nächste große Rally beginnen könnte. Wir brauchen trockeneres Wetter und das ist bisher nicht wirklich in der Prognose enthalten“. Der Analyst Jason Roose glaubt, dass die Investoren die Wetternachrichten noch verdauen müssen. „Getreide beinhaltet eine immer höhere Risikoprämie, da Befürchtungen hinsichtlich der anhaltenden Verzögerungen bei der Aussaat bestehen und die weitere Wetter-Prognose auf "sehr feucht" steht. Tatsächlich wird die Preisrichtung in den nächsten Wochen vor allem vom Wetter bestimmt sein“, sagt Roose. 

Wetter bleibt sehr nass und treibt die Preise

Felder überflutet

Der Analyst Al Kluis sagt: „Nach den derzeitigen Prognosen bleibt das Wetter für die nächsten zwei Wochen sehr nass“. Kluis fügt hinzu: „Bei dem nassen Wetter, das wir in weiten Teilen der USA weiterhin haben, wird der Pflanzfortschritt für den US-Mais am kommenden Dienstagnachmittag etwa 62 Prozent betragen. Das würde deutlich hinter dem Fünfjahresdurchschnitt liegen."

Broker Britt O’Connell, von der Commodity Risk Management Group, sagt dazu: „Die Maispreise haben bereits einen höheren Boden gefunden und durchbrachen zuletzt den wichtigen Widerstand von 4 USD je Bushel.“ O’Connell ergänzt: "Um ehrlich zu sein, bin ich mir nicht sicher, wie viel Aufwärtstrend der Sojabohnenmarkt hat – er könnte den Anstieg von Mais (und Weizen) begrenzen." In den letzten 10 Tagen hatten O’Connell viele Farmer angerufen, um zu sagen, dass sie nur Mais und keine Bohnen anbauen werden. Sie wechselten sogar sehr spät von Soja zu Mais und sind trotzdem zuversichtlich, dass sie selbst bei einem reduzierten Ertrag mit Mais besser fahren als mit Bohnen.

"Dies ist auch ein Grund, warum Produzenten heute sehr aktive Verkäufer am Terminmarkt sind“, glaubt O’Connell. Analyst Kluis ergänzt: „Der Weizenmarkt muss seine Rally ebenfalls verlängern, damit der Maismarkt weiter im Aufwärtstrend bleibt. Wir sind sonst schnell überverkauft und müssen dann eine Korrektur an den Getreidemärkten befürchten." Kluis glaubt außerdem: „Ja, die Ernte in den USA wird immer kleiner. Dies gilt jedoch auch für die Nachfrage. Wir werden wahrscheinlich mehr Mais aus der alten Ernte in das neue Wirtschaftsjahr hinüber befördern. Die Exporte gehen zurück und wir haben außerdem schlechte Ethanol-Margen.“

Volatilität und Unsicherheit dürften hoch bleiben

Ein wichtiger Baustein und Treiber der aktuellen Preisrallye sind die großen Fonds und ihr Anlageverhalten. Broker Kluis beobachtet jedoch, dass die Investoren am Sojabohnenmarkt immer „shorter“ werden. „Der Handel kauft nach wie vor Mais und verkauft Sojabohnen nach dem 'Feuchtwetter-Muster'“.

Mike North, Präsident der Commodity Risk Management Group, ist überzeugt, dass der Sojabohnenmarkt weiter sehr volatil bleibt. North: „Mais ist nach wie vor der Anker des Marktes, da die anhaltenden Befürchtungen hinsichtlich des Verlustes von Anbaufläche und sinkenden Erträgen die prognostizierten Ernte reduziert. Dennoch besteht an dieser Stelle große Unsicherheit. Erwarten Sie deshalb eine Fortsetzung der Volatilität.“