Getreide: Landwirte bauen so wenig an wie noch nie
Landwirte bauen so wenig Getreide an wie nie zuvor. Daher wird die Getreideernte 2024 geringer ausfallen, sagt der Deutsche Raiffeisenverband (DRV).
Der DRV rechnet in diesem Jahr mit 41 Mio. t Getreide aus Deutschland. Das wären 3,5 % weniger als im Vorjahr. Auch die Erwartung für die Rapsernte liegt mit insgesamt 3,9 Mio. t knapp 7 % unter der Vorjahresmenge.
Getreide: Anbauflächen und Erntemengen 2024
Die Anbaufläche von Winterweizen geht in diesem Jahr um 7,3 % zurück und sinkt damit von 2,8 Mio. ha auf 2,6 Mio ha. Der Ertrag fällt voraussichtlich aber nur etwas geringer aus. Ein Minus von 0,3 % prognostiziert der DRV. Insgesamt geht die Produktion von Winterweizen damit um 7,5 % zurück.
Im Kontrast dazu bauen Landwirte mehr Sommerweizen an. Statt 30.700 ha werden 69.100 ha Sommerweizen erwartet. Das ist eine Zunahme von 125,2%. Auch der Ertrag steigt von 42,3 dt/ha im Vorjahr auf voraussichtlich 53,1 dt/ha in diesem Jahr. Insgesamt könnte sich die Produktion von Sommerweizen in der Folge um 182,7 % erhöhen.
Anbaufläche für Getreide so gering wie nie
2024 wird in Deutschland auf insgesamt 5,9 Mio. ha Getreide angebaut. Damit wird zum ersten Mal die Linie von 6 Mio. ha unterschritten. „Das ist ein neuer Tiefstand“, sagt Guido Seedler, Getreidemarktexperte des DRV.
Die Gründe für den erneuten Flächenrückgang seien Flächenkonkurrenz aufgrund von Baumaßnahmen oder der Errichtung von PV-Anlagen, aber auch die - zunächst erwartete – erstmals verpflichtende Flächenstilllegung von 4% der Anbaufläche, die nun aber doch ausgesetzt wird.
Flächenkonkurrenz nimmt zu
Die Flächenkonkurrenz wird sich in den kommenden Jahren zuspitzen, sagt der DRV. Daher wird sich die Anbaufläche noch stärker verringern. Nach einer Studie des Thünen-Instituts können bis zum Jahr 2030 insgesamt bis zu 600.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche durch Bebauung oder die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen (z.B. Moorboden Wiedervernässung) verlorengehen. Das entspricht etwa 3 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche.
Der DRV fordert daher, möglichst viele Flächen für Landwirte zu sichern und die Produktivität dort nachhaltiger zu gestalten. „Nur so kann Deutschland seinen Beitrag zur Bekämpfung des weltweiten Hungers leisten. Hier stehen wir vor großen Herausforderungen. Die weltweite Nachfrage nach Nahrungsmitteln soll bis 2050 um rund 50 Prozent steigen“, sagt Seedler.
Getreidebestände haben unter Niederschlägen gelitten
Schaut man auf die deutschen Felder, so hat der Regen seine Spuren hinterlassen. „Während Frostschäden nur begrenzt auftraten, hat die Landwirtschaft in vielen Regionen seit Monaten mit einer hohen Wassersättigung der Böden und Überschwemmungen zu kämpfen“, sagt Seedler zur aktuellen Situation.
Niedersachsen und Teile Schleswig-Holsteins sind besonders betroffen. Dort sind die Bestände oftmals geschwächt aus dem Winter gekommen, teilweise müssen Flächen neu angesät werden, da die Pflanzen unter Wasser verfaulen.
Dank des frühlingshaften Wetters hat sich die Lage mittlerweile entspannt. Frühjahrsdüngung und Aussaatarbeiten haben überall in Deutschland begonnen. Allerdings sind schwere Böden insbesondere in Norddeutschland weiterhin kaum befahrbar.