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Aussaat und Ernte 2019

Getreide: Nervöser Markt und heftige Preissprünge

Getreidepreise
am
31.05.2019
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Die Nervosität und Unsicherheit bei Landwirten und Händlern sind groß. Deshalb gab es in den letzten Tagen auch heftige Preissprünge bei Weizen, Mais und Soja.

Die zentrale Frage ist: Was sind die Ursachen für die heftigen Preisausschläge und wie geht es weiter. Alles hängt derzeit offenbar an der Entwicklung der Aussaatflächen und des Ertragspotentials der Hauptkulturen im Mittleren Westen der USA.

In den USA wird es am übernächsten Dienstag (11.06.) einen USDA-Report mit neuen Anbaudaten und Ernteschätzungen geben. In diesem Juni-Report dürften sich die Auswirkungen der sintflutartigen Regenfälle und Überflutungen auf die bestellten Flächen und die möglichen Erntemengen bei Mais, Weizen und Sojabohnen in USA bereits widerspiegeln. Aber für eine genaue Beurteilungder Lage ist es zu diesem Zeitpunkt wohl noch zu früh.

Um das wirkliche Ausmaß des Extremwetters auf die Anbaufläche und Ernte in den USA abzuschätzen, dürfte es Anfang Juni jedoch noch zu früh sein. Das wird wohl erst im Verlauf des Juni's und danach besser möglich sein. Dann könnten aber auch die Märkte erneut heftig in die eine oder andere Richtung reagieren.

Bis weit in den Juni hinein sagen die meisten Wetterdienste derzeit anhaltenden Regen und Stürme voraus. Bereits jetzt sind viele große Flüsse im Mittelwesten kaum noch schiffbar, so dass Transport und Handel immer schwieriger werden. 

Preise am Terminmarkt absichern

Landwirte in Deutschland sollten gerade von dem Hintergrund der jüngsten Preisrallye und der widerholten Preissprünge und Rückschläge nicht vergessen, sich die guten Preise am Terminmarkt abzusichern. Auch wenn manch einer hofft und erwartet, dass die Kurse noch weiter steigen.

Sehr schnell kann es nämlich wieder in die andere Richtung gehen. Und dann geht man leer aus. Landwirte sollten nicht vergessen: Die neue Weizenernte wurde an der MATIF zum Beginn des Jahres schon einmal für 195 Euro/t gehandelt und war vor der aktuellen Rallye unter 170 Euro gefallen. Das könnte durchaus  wieder passieren. Nämlich wenn sich die schlechten Ernteprognosen so nicht bestätigen oder sich als möglichweise als übertrieben herausstellen.

Dafür gibt es zahlreich Beispiele aus der Vergangenheit: In den USA sind die Maispreise im Jahr 2008 zunächst von knapp 5 USD je Buschel auf 8 USD gestiegen und dann in kurzer Zeit auf  weniger als 3 USD abgestürzt. Die globalen Getreidemärkte dürften den Vorgaben aus den USA jedenfalls weiter folgen. Egal in welche Richtung es geht. Auf dieser Möglichkeit müssen sich Landwirte also einstellen. 

Hedgefonds sorgen für große Ausschläge

Getreidepreise

Großen Einfluss auf die Volatilität an den Märkten haben das Verhalten und die Strategien der großen Fonds  und institutionellen Anleger. Das war in letzten Tagen erneute zu beobachten. Der US-Analyst AL Kluis schreibt dazu: Hedge-Fonds und Algorithmus-Händler bewegen täglich erheblich größere Volumina als Farmer und Getreideunternehmen zusammen.

Die Fonds tendieren dabei dazu dazu, Momentum-Trader zu sein. Das heißt: Sie kaufen mit Stärke und verkaufen mit Schwäche. Dies führt tendenziell zu höheren Höhen und zu niedrigeren Tiefen. Die Preise bewegen sich also sehr schnell auf und ab.

Kluis empfiehlt deshalb auch: Landwirte sollten unbedingt einen Preisplan verwenden und vor allem realistische Preisziele festlegen. Und sie sollten sich dann auch unbedingt an an ihren Plan halten. Das gilt insbesondere auch für die aktuelle noch sehr unsichere Marktentwicklung.

Preise geben aus technischen Gründen nach

Taschenrechner vor Weizenlager

Am heutigen Freitag beginnt der Handel in den USA in den roten Zahlen – nachdem es am Donnerstag sehr kräftig nach oben ging. Grund dürften erneut Gewinnmitahmen und technisch bedingte Korrekturen der große Fonds sein. Fundamental hat sich jedoch kaum etwas verändert und die Zeichen stehen auf: Bärisch!!

Am Mittwoch hatte es bereist die erste heftige von den Fonds ausgelöste heftige Korrektur der Preise gegeben, die dann jedoch an Donnerstag durch eine erneuten Sprung nach oben ausgeglichen wurde. Der europäische Markt folgte diesen Vorgaben und beginnt am Freitag  ebenfalls schwächer.

In den Chicago geben die Weizenpreise für die neuen Ernte (September) im vorbörslichen Handel auf 515 Cent je Buschel nach. US-Mais notiert am Freitag Mittag (MEZ) bei 432 Cent und damit ebenfalls leicht schwächer. Juli-Sojabohnen werden ebenfalls schwächer mit 886 Cent gehandelt, wobei die neue Ernte bei 912 Cent notiert. 

Diese Entwicklung drückt auch die Kurse an der MATIF etwas nach unten. Weizen notiert am Freitag Mittag für die neue Ernte bei 184,50 Euro je t und damit knapp 1,0 Euro im Minus. Mais wird für den Augustkontrakt hingegen unverändert mit 176,50 Euro gehandelt. Die neue Rapsernte sackt um 1,25 Euro auf 370,25 Euro/t nach unten.

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