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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreide: USDA-Report unter Beschuss – nicht transparent und unmodern

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am Dienstag, 26.01.2021 - 08:30 (2 Kommentare)

Das Vertrauen in den weltweit wichtigsten und wirkungsstärksten Erntebericht des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) ist erschüttert.

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Der Bericht ist nicht transparent und technologisch nicht auf der Höhe der Zeit. Das sagt das American Farm Bureau, die größte Farmer-Organisation der USA, in einem von einer Arbeitsgruppe erstellten Untersuchungsbericht. Dort heißt es unter anderem: Das USDA solle seine Technologie modernisieren und die Transparenz verbessern.

Das Farm Bureau veröffentlichte seine Empfehlungen am vorigen Donnerstag nach einer viermonatigen Überprüfung der Schlüsselberichte, die vom National Agricultural Statistics Service (NASS) und vom US-Landwirtschaftsministerium veröffentlicht werden. Viele dieser Berichte, die von den globalen Getreidehändlern genau beobachtet werden und die die Grundlage für die globalen Getreidepreise bilden, basieren auf statistischen Erhebungen von tausenden US-amerikanischen Landwirten: Diese werden nach Anbaufläche, Erträgen und Getreidebeständen befragt.

Das USDA hat auch zahlreiche eigene Melder, die Felduntersuchungen durchführen, und die Ergebnisse an das Ministerium weitergeben. „Während das USDA weltweit den Goldstandard für die Getreidemärkte darstellt, hat das Vertrauen der US-Landwirte in die Berichte leider abgenommen", sagt Zippy Duvall, der Präsident des Farm Bureau.

Duvall stellt außerdem fest, dass sich einige der Angebotsschätzungen des USDA in den letzten zwei Jahren im Nachhinein "stark verändert" haben: Das war teilweise auf widrige Wetterbedingungen zurückzuführen, einschließlich historischer Überschwemmungen, die die Pflanzung im Jahr 2019 verzögerten. "Doch das USDA reagierte nicht ausreichend schnell auf die sich sehr schnell ändernden Bedingungen am Markt", ist Duvall überzeugt.

Mehr Transparenz für die Landwirte

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Das beste Beispiel ist der jüngste Marktschock vom 12. Januar: Dort fielen die Schätzungen des USDA zum Maisertrag in den USA und zu den noch vorhandenen Beständen deutlich unter die Handelserwartungen. Die Maispreise schossen daraufhin in die Höhe.

Um das Vertrauen der Landwirte in den nationalen Agrarstatistikdienst wiederherzustellen, hat die vom American Farm Bureau zusammengestellte und von aktiven Landwirten geleitete Arbeitsgruppe eine Reihe von Empfehlungen für die Agentur ausgearbeitet. Sie konzentrieren sich vor allem auf technologische Verbesserungen und auf eine bessere Kommunikation. „Die Aussagekraft der Berichte der Agentur hängt aber von der uneingeschränkten und umfassenden Beteiligung der Landwirte an der Datenerfassung ab. Je robuster die Daten sind, desto zuverlässiger sind die Berichte“, schreibt der Chef-Ökonom des American Farm Bureau, John Newton.

Die Behörde sollte den Landwirten helfen zu verstehen, wie sie zu den gemeldeten Zahlen gelangt, und Transparenz über die Beziehung zwischen den gemeldeten Zahlen auf internationaler, nationaler, regionaler und auf Feldebene schaffen, heißt es weiter. Wenn die Zahlen aufgrund eines Marktereignisses nach dem Datenerfassungszeitraum nicht die aktuellsten sind, sollten USDA/NASS dies beachten und explizit darauf hinweisen.

Es sollte auch eine besondere Anmerkung bzw. Erklärung gemacht werden, wenn größere Änderungen an zuvor gemeldeten Schätzungen vorgenommen werden. Ferner sollte überlegt werden, aufgrund von Naturkatastrophen und anderen Marktereignissen mehr Flexibilität beim Veröffentlichungsdatum der Berichte zu schaffen, z. B. nach einem signifikanten Wetterereignis könnte das USDA die Veröffentlichung eines Berichts verschieben.

Einführung neuer und innovativer Technologien

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„In einer Zeit, in der schnellere Computer, schnellere Algorithmen und der Zugriff auf bessere Daten und Modelle den Interessengruppen der Agrarindustrie, den Händlern und den Investoren einen Wettbewerbsvorteil bei der Analyse des Rohstoffmarktes verschaffen, sollten USDA/NASS über die besten Ressourcen, Informationen, Daten, Software, Hardware, Talente und Netzwerke verfügen, um die Entwicklung innovativer und zeitnaher Erhebungsinstrumente und Analysen zum Nutzen der Landwirtschaft zu beschleunigen“, heißt es in dem Bericht.

Das Farm Bureau hat sich deshalb verpflichtet, auf vielfältige Weise ein zuverlässiger Partner für USDA/NASS zu sein, einschließlich der Förderung einer genauen und zeitnahen Teilnahme der Landwirte an der Datenerfassung und der Ermutigung des Gesetzgebers, ausreichend Mittel zur Verfügung zu stellen, die zur Aufrüstung der Technologie sowie zur Einstellung und Bindung erstklassiger Mitarbeiter nötig sind, heißt es weiter.

Die Umsetzung der Empfehlungen würden einen großen Beitrag zur Verbesserung der geleisteten Arbeit bewirken und die Position von USDA/NASS als zuverlässiger Sammler und Verbreiter von Agrardaten stärken, was Landwirten, Viehzüchtern und der gesamten Branche zugute kommt, stellt das Farm Bureau abschließend fest.

Das USDA teilte mit, es wolle auf die Empfehlungen des Farm Bureau eingehen. „Wir sind zuversichtlich, dass die im Bericht empfohlenen Punkte berücksichtigt werden oder schon in Bearbeitung sind, und freuen uns darauf, unsere Kommunikation in naher Zukunft zu verbessern", sagen USDA/NASS in einer Erklärung.

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