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Ernteschätzung

Getreideernte 2018: Rapsernte bricht ein, etwas weniger Weizen

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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
16.05.2018

Die Erwartungen an die deutsche Getreideernte 2018 haben sich im Mai für die verschiedenen Kulturen sehr unterschiedlich entwickelt.

Getreideernte 2018

Neben veränderten Ertragserwartungen waren dafür auch die neuen Anbaudaten des Statistischen Bundesamtes verantwortlich.

Moderat nach unten korrigiert hat der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) in seiner dritten Ernteschätzung die Ernteprognosen für Weizen, Wintergerste und Roggen.

Am stärkten setzte man die Produktionserwartungen für Raps nach unten. Anderseits ging es bei Sommergerste, Hafer und Mais mit den Erwartungen deutlich nach oben.

Insgesamt übertrifft die neue Getreideernte mit 45,8 Mio. t weiterhin ganz leicht den schwachen Vorjahreswert.

Das Fünf-Jahres-Mittel von 47,8 Mio. t wird jedoch deutlich verfehlt. Im vorigen Monat hatte der DRV die Getreideernte ebenfalls auf 45,8 Mio. t geschätzt und damit insgesamt ähnlich groß.

Die EU-Kommission ging in ihrer letzten Prognose für Deutschland bei Weizen, Gerste und vor allem bei Raps von höheren Erntemengen aus als der DRV.

Vegetationsrückstand aufgeholt, Raps mit massiven Problemen

Rapsfeld

Die Getreidebestände haben sich seit Mitte April aufgrund der milden Temperaturen rasant entwickelt, stellt der Deutsche Raiffeisenverband fest. Der zu diesem Zeitpunkt noch vorhandene Vegetationsrückstand ist mittlerweile fast vollständig aufgeholt.

Im Süden und Westen ist die Wasserversorgung gut. Dort kam der Regen rechtzeitig. In allen anderen Landesteilen wird jedoch dringend Regen benötigt.

Die Rapsbestände haben sich in weiten Teilen des Landes hingegen schlecht entwickelt. Die hohen Temperaturen führten zu einem schnellen Längenwachstum ohne starke Seitentriebbildung. Darüber hinaus leiden viele Bestände unter der Knospenwelke. Vor diesem Hintergrund hat der DRV seine Prognose deutlich nach unten angepasst.

Grundlage für die Ernteschätzungen sind die Zahlen des Statistischen Bundesamts zu den Anbauflächen sowie die Erhebungen des DRV zu den Hektarerträgen.

Weizenernte weiter nach unten korrigiert

Fungizidbehandlung in Weizen

Die deutsche Weizenernte 2018 fällt nach der Einschätzung des DRV mit etwa 24,0 Mio. t rund 2,0 % aus als 2017 mit 24,5 Mio. t.

Dabei unterstellt der DRV mit 77,8 dt/ha etwa 1,8 % höhere Erträge als zur vorigen Ernte mit 76,4 dt/ha. Gleichzeitig ist die Weizenfläche mit 3,08 Mio. ha jedoch 3,8 % kleiner als 2017.

Im vorigen Monat hatte der DRV die Weizenernte noch etwas größer auf 24,3 Mio. t geschätzt. Mit seiner Ertragsprognose liegt der DRV allerdings niedriger als die Europäische Kommission.

Diese hatte die deutsche Ernte bei Weichweizen zum Monatswechsel auf 24,5 Mio. t geschätzt und damit 0,5 Mio. t größer alsder DRV.

Produktion von Wintergerste geht zurück

Mit 8,7 Mio. t schätzt der DRV die Produktion von Wintergerste in diesem Jahr 3,8 % kleiner als im vorigen Jahr mit 9,0 Mio. t.

Dabei sollen die Durchschnittserträge mit 71,9 dt/ha rund 2,2 % niedriger sein als 2017 mit 73,5 dt/ha. Die Anbaufläche von Wintergerste ist mit 1,217 Mio. ha zudem um 10.500 ha bzw. 0,8 % geschrumpft.

Im vorigen Monat hatte der DRV die Produktion von Wintergerste noch auf 9,1 Mio. t geschätzt.

Reichlich Sommergerste angebaut

Die Anbaufläche bei Sommergerste für die Ernte 2018 ist mit 437.000 hingegen 28,6 % bzw. 97.000 ha größer als im vorigen Jahr.

In Verbindung mit etwa 1,5 % höheren Erträgen von 54,8 dt/ha, würde die Produktion um 30,4 % auf 2,39 Mio. t sehr kräftig zunehmen.

Im vorigen Jahr ernteten die deutschen Landwirte nur 1,83 Mio. t Sommergerste. Im vorigen Monat hatte der DRV die Sommergerstenernte wegen der kleineren Anbaufläche auf 2,06 Mio. t geschätzt.

Insgesamt schätzt der DRV die  deutsche Gerstenproduktion auf 11,1 Mio. t, im Vergleich zu 10,9 Mio. t im vorigen Jahr. Das wäre ein leichter Produktionsanstieg von 1,8 %.

Mit seiner Ertragsprognose liegt der DRV jedoch etwas niedriger als die Europäische Kommission. Diese hatte die deutsche Gerstenernte (insgesamt) zum Monatswechsel auf 11,6 Mio. t geschätzt und damit 0,5 Mio. t größer als der DRV.

Roggenernte weiter über Vorjahr

Bei Roggen ist die Anbaufläche 2018 mit 532.000 etwa 1,0% kleiner als im Vorjahr mit 537.000  ha. Allerdings werden die Durchschnitterträge mit 56,8 dt/ha rund 11,6 % höher erwartet als im sehr schwachen Vorjahr.

Die Produktion nimmt deshalb um 10,3 % auf 3,02 Mio. t zu und ist 0,28 Mio. t größer als im vorigen Jahr mit einer Ernte von nur 2,7 Mio. t. Im vorigen Monat hatte der DRV die Roggenernte auf 3,06 Mio. t gringfügig größer geschätzt.

Größere Maisfläche, niedrigere Erträge

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Einen moderaten Produktionsrückgang von 2,6 % auf 4,43 Mio. t erwartet der DRV beim Mais. Im vorigen Jahr wurden wegen der sehr hohen Erträge 4,55 Mio. t Mais geerntet. Dabei geht der DRV von einer 21.000 ha größeren Anbaufläche von 453.000 ha aus.

Ursache für den Produktionsrückgang sind die etwas niedriger erwarteten Erträge. Nach Einschätzung des DRV könnten diese mit 97,7 dt/ ha etwa 7,2 % unter den Rekordwerten des Vorjahres von 105,3 dt/ha liegen.

Im vorigen Monat hatte der DRV die Maisernte allerding kleiner auf 4,27 Mio. t geschätzt.

Eine mit 0,69 Mio. t etwa 19,6 % größere Produktion als im vorigen Jahr erwartet der DRV beim Hafer. Außerdem gehen die Analysten des DRV bei Triticale von einer Erntemenge von etwa 2,5 Mio. t aus. Das wäre ein Zuwachs von 8,3 %.

Scharfe Korrektur der Rapsernte

Unwetter über Rapsfeld

Einen sehr Rückgang der Anbaufläche um 3,5 % auf 1,26 Mio. ha meledet der DRV für die Ernte 2018 beim Raps. Im vorigen Jahr lag die Anbaufläche bei 1,305 Mio. ha.

Gleichzeitig sollen die Durchschnittserträge mit 32,8 dt/ha ähnlich schwach ausfallen wie die extrem schwachen Erträge aus dem Jahr 2017 von 32,7 dt/ha.

Im Ergebnis soll die deutsche Raps-Ernte 2017 mit nur noch 4,13 Mio. t sogar noch 3,3 % kleiner sein als vor einem Jahr mit 4,27 Mio. t. Im vorigen Monat hatte der DRV die  Rapsernte noch auf 4,62 Mio. t geschätzt und damit 0,49 Mio. t größer.

Die Europäische Kommission hatte die deutsche Rapsernte zum Monatswechsel hingegen auf 4,97 Mio. t geschätzt und damit immerhin 0,84 Mio. t größer als der DRV.

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