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Getreideernte 2022: Weizen verliert aus vielen Gründen – Raps gewinnt

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am Mittwoch, 15.12.2021 - 13:55 (Jetzt kommentieren)

Die europäischen Landwirte werden im nächsten Jahr weniger Weizen und Gerste ernten. Dafür aber mehr Raps. Das erwartet der Verband der europäischen Getreidehändler Coceral in seiner ersten Prognose. Die Gründe sind Ertragsrückgänge bei Weizen in Osteuropa, die Preisrelation zwischen den Kulturen und die hohen Düngerkosten bei Getreide.

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Die Weichweizenproduktion in der Europäischen Union und auch im Vereinigten Königreich werden voraussichtlich im nächsten Jahr sinken. Ein Grund sind die niedriger erwarteten Erträge in der Balkanregion nach den Rekordernten in diesem Jahr, sagte der Getreideindustrieverband Coceral am Montag.

Hinzu dürften jedoch auch die Preisrelationen zwischen den Kulturen kommen. Diese liegen zwischen Raps und Weizen derzeit bei 2,5 und sind damit für Raps so günstig/hoch wie nur ganz selten zuvor.

Die Experten von Coceral sagen in ihrer ersten Prognosen für die neue Ernte eine Weichweizenproduktion in der EU 27 von 125,4 Millionen Tonnen im Jahr 2022 gegenüber 128,9 Millionen Tonnen im Jahr 2021 voraus. Für das Vereinigte Königreich rechnen die Getreidehändler bei der Weizenernte mit einem leichten Rückgang von 14,6 Millionen Tonne auf 14,3 Millionen Tonnen.

Für unseren unmittelbaren Nachbarn Polen, und die Nummer drei unter den europäischen Produzenten, gehen die Analysten von wenig Veränderung aus. Hier liegt die Ernteprognose 2022 geringfügig höher bei 11,6 Millionen Tonnen im Vergleich zu 11,3 Millionen Tonnen – wegen etwas höher erwarteten Erträge.  

Scharfer Produktionsrückgang in Rumänien und Bulgarien

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Besonders drastisch soll die rumänische Weizenproduktion von 11,1 Millionen auf 7,9 Millionen Tonnen schrumpfen. Grund sind die niedrigeren „durchschnittlichen“ Erträge. Gleichzeitig soll die Weizen-Ernte Bulgariens auf 5,7 Millionen Tonnen einbrechen  - gegenüber 7,2 Millionen Tonnen im letzten Jahr.

Beide Länder gehörten in dieser Saison zu den größten europäischen Weizenexporteuren. So hat Rumänien bis zum 05. Dezember 3,6 Millionen Tonnen Weizen in Drittländer verkauft und damit mehr als doppelt so viel wie Deutschland das 1,6 Millionen Tonnen an Länder außerhalb der EU absetzte.

Damit ist Rumänien auch der der mit Abstand größe Weizen-Exporteur der EU. Bulgarien verschiffte über seine Schwarzmeerhäfen Burgas und Warna immerhin 1,7 Millionen Tonne Weizen – und damit etwas mehr als Deutschland.

Einen deutlicher Rückgang der Weizen-Produktion von 7,2 auf 6,4 Millionen Tonnen erwartet Coceral außerdem auch in Spanien.

Weniger Weizen in Frankreich – etwas mehr in Deutschland?

Für Frankreich, den größten Weizenproduzenten der EU, erwartet Coceral ebenfalls einen Rückgang der Weizenproduktion von 35,3 Millionen auf 34,5 Millionen Tonnen. Der Grund: Ein leichter Anbaurückgang und etwas schwächere Erträge.

Die Weizenerträge könnten indessen bei allen großen Produzenten noch deutlich schlechter ausfallen, wenn die massive Düngerkrise – mit extrem hohen Preisen und geringer Verfügbarkeit – weiterhin anhält. Davon gehen im Übrigen bereits etliche Analysten aus – trauen sich das aber noch nicht, in ihren Prognosen zu berücksichtigen.

Für Deutschland, den zweitgrößten Weizen-Erzeuger der Union, schätzt Coceral die Weichweizenproduktion im nächsten Jahr auf 22,1 Millionen Tonnen anstelle der 21,4 Millionen Tonnen in diesem Jahr. Das wäre eine der seltenen Produktionssteigerungen. Der Grund sind hier etwas höher erwartete Erträge von 75,6 dt je Hektar im Vergleich zu 73,6 dt in der zurückliegenden Saison.

Gerstenernte schrumpft ebenfalls – aber nicht in Deutschland

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Bei Gerste rechnet Coceral ebenfalls mit einem moderaten Rückgang der Produktion 2022 in der EU 27 von 52,2 Millionen Tonnen auf 51,5 Millionen im nächsten Jahr. Der Grund: Ein Rückgang der durchschnittlichen Gersten-Erträge wegen einer erwarteten Anbau-Expansion der ertragsschwächeren Sommergerste und einem rückläufigen Wintergersten-Anbau.

Für Deutschland schätzt Coceral die Gerstenproduktion im nächsten Jahr auf 10,3 Millionen Tonnen anstelle der 10,5 Millionen Tonnen in diesem Jahr und die Prognose für Frankreich liegt bei 10,9 Millionen Tonnen gegenüber 11,4 Millionen Tonnen. Dieser Rückgang kommt vor allem von einem Ertragsrückgang – aber auch von einer etwas kleineren Anbaufläche bei Wintergerste.  

Für das Vereinigten Königreich erwarteten die Analysten hingegen einen Anstieg der Gerstenproduktion von 7,2 Millionen Tonnen auf 7,5 Millionen. Hier wird allerdings mehr Wintergerste angebaut. 

Die europäische Maisproduktion würde sich mit 66,4 Millionen Tonnen gegenüber 66,3 Millionen im Jahr 2021 kaum verändern, wobei eine deutlich höher erwartete Ernte in Ungarn die niedrigeren Produktionsprognosen für Polen, Deutschland, Frankreich und Rumänien ausgleichen würde, sagte Coceral.

Anbauausweitung bei Raps in Westeuropa

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Für Raps, Europas wichtigste Ölsaatenpflanze, erwartet Coceral eine Produktion von 18,4 Millionen Tonnen in der EU 27, gegenüber 17,3 Millionen Tonnen in diesem Jahr. Der  deutliche Anstieg sei auf höhere Anbauflächen in mehreren Ländern zurückzuführen, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Rumänien und Bulgarien, hieß es.

Die Rapsproduktion in Frankreich könnte im nächsten Jahr von 3,3 Millionen auf 3,7 Millionen Tonnen in diesem Jahr steigen, in Deutschland von 3,5 Millionen auf 3,6 Millionen Tonnen und in Großbritannien von 1,1 Millionen auf 1,6 Millionen Tonnen. Auch das europäische Analysten Strategie Grains hatte die Rapsproduktion in der Europäischen Union 27 für 2022 auf 18,0 Millionen Tonnen geschätzt, nachdem die Landwirte ihre Aussaat aufgrund der hohen Preise erhöht haben, sagte das Beratungsunternehmen Strategie Grains in einer ersten Prognose.

Die Preise für Raps, Europas wichtigste Ölsaat für Speiseöl und Biodiesel, sind seit Ende des Sommers auf Rekordhöhen gestiegen, weil die weltweite Versorgung nach einer katastrophalen Ernte in Kanada befürchtet wurde.

Rapspreise wohl bis zur neuen Ernte hoch

Der Anstieg der Rapsproduktion für die Saison 2022/23 wird hauptsächlich in den westlichen und nördlichen EU-Ländern erwartet, in denen die drei größten Rapsbauern des Blocks Deutschland, Frankreich und Polen ansässig sind, sagte Strategie Grains in seinem Ölsaatenbericht.

Die Erntemengen in den zentralen EU-Ländern könnten durch eine geringere Anbaufläche begrenzt werden, mit Ausnahme der Tschechischen Republik und der Slowakei, wo die Produktion im nächsten Jahr steigen sollte. Die kräftige Ernte in der EU im nächsten Jahr würde die Preise unter Druck setzen, die in den letzten Wochen Rekordhöhen erreichten, sagte das Beratungsunternehmen.

„Aufgrund der angespannten EU- und Weltrapsbilanzen prognostizieren wir im Wirtschaftsjahr 2021/22 noch immer historisch hohe Preise, die jedoch mit der Ankunft südamerikanischer Sojabohnen auf dem Weltmarkt Anfang 2022 allmählich sinken werden, aber auch wenn sich die neue Rapsernte nähert", hieß es weiter.

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