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Wetterextreme und Getreideernte

Getreideernte: Regen und nasse Böden – die Nerven liegen blank

mähdrescher.
am Freitag, 13.08.2021 - 12:45 (Jetzt kommentieren)

Für viele Bauern wird die Getreideernte zur Geduldsprobe. Die Felder sind durchnässt und es regnet immer wieder.

Die Getreideernte ist in diesem Jahr für die Bauern ein Riesenproblem. Einen Monat nach Beginn der Ernte sei wegen des häufigen Regens ein erheblicher Teil des Getreides noch nicht geerntet worden, berichtete etwa die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (NRW) gegenüber Deutschen Presseagentur. Bis Anfang August konnte die mit Abstand wichtigste Getreideart, der Winterweizen in NRW, nur auf der Hälfte der Anbaufläche geerntet werden.

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„Wenn diese Woche der Endspurt nicht beginnt, dann wird das für viele Landwirte mit Einbußen verbunden sein“, sagte Bernhard Rüb, der Sprecher der Landwirtschaftskammer. Dabei habe es nach dem regnerischen Frühjahr nach einer sehr guten Ernte ausgesehen. Nun seien zwei bis drei Tage Sommerwetter nötig, damit die Getreidepflanzen auf den Feldern trocknen. Auch müssten die durchweichten Böden fester werden für die Ernte mit den schweren Maschinen.

Komplett geerntet ist nach der Übersicht der Kammer bisher nur die Wintergerste. Das Futtergetreide Triticale sei überwiegend geerntet, der Winterroggen zur Hälfte. Während beim Hafer im Rheinland bereits die Hälfte vom Feld ist, ist es in Westfalen nur ein Fünftel.

Bauern kommen einfach nicht auf die Felder

Getreidefeld.

„Die Getreideernte gestaltet sich derzeit zu einer Hängepartie", sagt auch Josef Lehmenkühler, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest. Aktuell gebe es zwar keine großen Mengen an Niederschlag mehr, aber jeden Tag so viel, dass die Erntearbeiten nicht erfolgen könnten, sagt der Landwirt. Die Situation sei noch nicht dramatisch, aber etwas nervös würden die Bauern bei den weiteren Wetteraussichten schon, sagt er.

Ein Teil des Weizens sei schon geerntet, aber auch bis jetzt habe das Wetter nur vereinzelt kurzzeitige Erntearbeiten zwischen den Regenschauern zugelassen. „Wir konnten immer nur kleine Zeitfenster nutzen", sagt er. Bei den aktuell wenig sommerlichen Temperaturen dauere es zudem entsprechend lange, bis das Korn abtrockne, so Josef Lehmenkühler.

Getreide dürfe, um lagerfähig zu sein, nur einen maximalen Feuchtegehalt von 15 Prozent haben. Alles was nasser geerntet werde, müsse kostenintensiv nachgetrocknet werden. Wenn der reife Weizen zu lange bei der feuchten Witterung auf dem Halm verbleibe und nicht geerntet werden könne, ginge das zudem auf Kosten der Backqualität, sagt der Landwirt. Dieser Weizen sei dann nicht mehr als Backweizen zu vermarkten.

Regen zerstört Ernte-Prognosen in Rheinland-Pfalz

Die Zwischenbilanz von Eberhard Hartelt, dem Präsidenten des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, zur Getreideernte fällt ebenfalls gemischt aus: "In vielen Betrieben ist die Enttäuschung über die Ergebnisse der Getreideernte groß", so Hartelt bei einer Ernte-Pressekonferenz.

Bis Mitte Juni hätten die Prognosen noch hervorragend ausgesehen, dann sei es jedoch zu nass geworden, um bessere Ernte-Ergebnisse erzielen zu können. Aufgrund des anhaltenden Regens im Juli hätten die Bauern in der Westpfalz erst Ende Juli mit der Weizenernte beginnen können.

Zuvor waren die Böden zu feucht, um mit den schweren Erntemaschinen darüber zu fahren. "Wir haben ein starkes West-Ost-Gefälle beim Fortschritt der Getreideernte", erklärt Hartelt.

Regen sorgt auch für sehr späte Ernte in Hessen

getreideernte.

Aufgrund häufiger Niederschläge habe die Ernte der Wintergerste auch in Hessen erst Mitte Juli und damit etwa zwei bis drei Wochen später begonnen als in den trockenen Vorjahren. Bei den Erträgen gebe es eine große Bandbreite zwischen 60 und 90 Dezitonnen je Hektar, sagte der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Karsten Schmal.

Starkregen habe zudem vielerorts Lagergetreide verursacht. Darüber hinaus seien Qualitätsminderungen zu befürchten. Manche Böden seien sogar dermaßen durchnässt, dass sie kaum befahren werden könnten.

„Aufgrund meist ausreichender Niederschläge und des guten äußeren Erscheinungsbildes der Getreidebestände haben wir außerdem mit höheren Erträgen gerechnet. Zu hohe Bestandsdichten, hervorgerufen durch eine starke Bestockung, und fehlender Sonnenschein haben sich jedoch negativ auf die Kornausbildung ausgewirkt“, so Schmal.

Mit Material von WLV, HBV, SWR, DPA

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