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Ukraine-Krieg

Getreidefrachter verlässt Ukraine - Maispreis reagiert verhalten

Getreidefrachter
am Montag, 01.08.2022 - 13:00 (4 Kommentare)

Nach Monaten des Stillstandes hat ein erstes Schiff mit Mais den Hafen Odessa verlassen. Der Getreide-Markt reagiert verhalten. Gestern starb zudem der wichtigste Getreidehändler der Ukraine bei einem russischen Raketenangriff.

Endlich: Heute morgen (1.8.) hat das mit 26.000 Tonnen Mais beladene Schiff „Razoni“ den Hafen Odessa verlassen, meldete CNN Türk unter Berufung auf das türkische Verteidigungsministerium. Die Razoni ist damit der erste Getreide-Schiffstransport seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine. Möglich wurde das, weil sich Russland und die Ukraine am 22. Juli unter Federführung der Türkei darauf geeinigt hatten. Von drei Häfen aus sollen Lieferungen wieder möglich sein: Odessa, Tschornomorks und Piwdennyj. Noch immer warten 20 Millionen Tonne der Vorjahresernte auf die Ausfuhr. Und die neue Ernte wird auch wieder Platz brauchen.

Getreidepreise reagieren verhalten auf Ende der Blockade

Diese Lieferung ist für den Libanon bestimmt. Das Land bezieht 80 Prozent seines Weizens aus der Ukraine und ist ein wichtiger Zwischenhändler für beispielsweise Libyen, Syrien oder Somalia. Weitere 16 Schiffe mit 580.000 Tonnen Ladung warten in der Region Odessa darauf, dass sie ukrainisches Getreide exportieren können.

Die Märkte reagierten mit Kursabschlägen: Der September-Kontrakt für Weizen notierte an der Matif Paris am Montagmorgen bei 338,50 Euro pro Tonne gegenüber 343 Euro pro Tonne am Freitag. Das entspricht einem Minus von 1,31 Prozent. Ähnlich das Bild in Chicago: minus 1,92 Prozent. Und auch der Preis für Mais ist gefallen: Am 1. August lag der November-Kontrakt für Mais der neuen Ernte am Vormittag bei 323 Euro pro Tonne gegenüber 328,25 Euro pro Tonne am vergangenen Freitag (Matif Paris).

Hoffnung für Hungernde?

Jetzt sind die Lieferungen wieder möglich. Ein Kontrollzentrum in Istanbul mit Vetretern der Türkei, Russlands und der Ukraine überwacht die Exporte. Der ukrainische Handel könnte die Lage auf dem Weltmarkt ein wenig entspannen. Die Vereinten Nationen warnen seit Monaten vor den Folgen, wenn das Getreide aus der Ukraine ausbleibt. Vor allem Nordafrika könnte es hart treffen. Das World Food Programme schätzt, dass 47 Millionen Menschen akut von Hunger betroffen sein könnten. Auch das World Food Programme plant ein Schiff mit zunächst 30.000 Tonnen zu chartern und zu denen zu bringen, die Hilfe brauchen. Die Situation wird aber schwierig bleiben, denn die ukrainische Ernte könnte nach Angaben des Präsidenten Selenskyj aufgrund der russischen Invasion dieses Jahr nur halb so hoch ausfallen wie üblich.

Wichtigster Getreidehändler der Ukraine getötet

Derweil gehen die Kampfhandlungen weiter. Am gestrigen Sonntag starb Oleksiy Vadatursky zusammen mit seiner Frau Raisa Vadaturska bei dem Beschuss seines Hauses in der Stadt Mykolaiw. Vadatursky war Generaldirektor des Landwirtschafts-, Schiffbau- und Transportkonzerns Nibulon. Er galt als einer der reichsten Ukrainer und Schlüsselfigur im Getreidehandel. Es gibt Zweifel, dass die russische Rakete ihn versehentlich getroffen habe. Laut der Zeitung Odessa Journal, schreibt Präsidentenberater Mykhailo Podolyak auf Telegram: „Meiner Meinung nach war der Tod von Aleksey Vadaturskyi kein Unfall, sondern ein gut durchdachter und organisierter vorsätzlicher Mord ... Der präzise Einschlag der Rakete nicht nur im Haus, sondern in einem bestimmten Flügel - dem Schlafzimmer - lässt keine Zweifel an der Lenkung des Einschlags aufkommen.“ Vadaturskyi stand auf einer russischen Sanktionsliste. Der Wert Nibulons wurde im Jahr 2021 mit 400 Millionen Dollar angegeben.

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