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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidemangel: Chinas Hunger hält die Getreidepreise oben

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am Mittwoch, 09.12.2020 - 13:44 (Jetzt kommentieren)

China hat in den letzten Monaten große Mengen Futtergetreide, Weizen und Soja gekauft. Das ist ein wesentlicher Grund für den steilen Anstieg der globalen Getreidepreise.

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Anfang Dezember orderte das Reich der Mitte erstmals seit Jahrzehnten auch Reis in Indien, einem der weltgrößten Exporteure. Die Gründe für den Importboom sind komplex. Zum einen hat China durch massive Überschwemmungen in den Getreideregionen erhebliche Teile seiner Ernte verloren oder nur in schlechter Qualität eingebracht.  

Hinzu kommt: Eine Dürre in den wichtigsten nordöstlichen Maisregionen des Landes gab der angestrebten Versorgungssicherheit dann den Rest. Das Resultat ist jedenfalls ein steiler Anstieg der Getreidepreise am chinesischen Binnenmarkt auf immer neue Höchstmarken und ein gewaltiger Importboom, der alle bisher gekannten Größenordnungen, und auch die zentral festlegten preisgestützten Importkontingente, übersteigt.

Dabei spielen sicher zwei zentrale Anliegen der Chinesen die entscheidende Rolle – zum einen die Ernährungssicherung nach der schlechten Ernte, also die Importe von Weizen und auch Reis. Zum anderen die Versorgung der wieder sehr rasch wachsenden Schweinebestände nach der Afrikanischen Schweinpest – also die Marktversorgung mit ausreichend Futtergetreide wie Mais, Gerste und Sorghum sowie mit Soja.

Chinas riesiger Appetit auf Getreide war jedenfalls ein wesentlicher Treiber an den Weltmärkten und trug entscheidend dazu bei, dass die Getreidepreise in Europa, den USA und Russland sehr weit nach oben kletterten – und vielfach auch Mehrjahreshochs erreichten.   

China kauft Riesenmengen Mais – aber wie viel und wie lange?

In den letzten Monaten kaufte China riesige Mengen Mais in den USA, weil es seine Schweineherde sehr viel schneller wieder aufbaut als erwartet. Noch ist aber nicht klar, in welchem Umfang es mit den Importen weitergeht. Denken Sie daran, dass Exportverkäufe manchmal auch wieder storniert werden", sagte Mark Jekanowski, Vorsitzender des World Agricultural Outlook Board des USDA.

Die laufenden USDA-Exportdaten zeigen, dass der Verkauf von US-Mais nach China für das am 1. September begonnene Wirtschaftsjahr 2020/21 allein bis zum 15. Oktober 10,5 Millionen Tonnen erreichte, obwohl die tatsächlichen Lieferungen nur 1,7 Millionen Tonnen betrugen.

Die für das gesamte Wirtschaftsjahr vom USDA erwarteten rekordhohen chinesischen Mais-Importe von 13 Millionen Tonnen könnten sich im kommenden am 1. September 2021 beginnenden neuen Verkaufsjahr auf immer noch große 10,5 Millionen Tonnen verringern, glauben US-Analysten.

Konkurrenz der Exporteure nimmt wieder zu

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Im vorigen Jahr lag die chinesische Importmenge bei 7,5 Millionen Tonnen – auch das war schon ein neuer Rekord. „China wird Getreide importieren, wenn es Getreide benötigt und wenn der Markt es vorschreibt", sagte der Agrarökonom Joe Janzen. Derzeit kostet importierter Mais (trotz der hohen Preise) weniger als im Inland in China erzeugter Mais.

Janzen glaubt, dass die chinesischen Bauern die Maisproduktion wegen der hohen Preise im nächsten Jahr um 3 Prozent steigern könnten. Dies könnte den Importbedarf im Jahr 2021/22 auf 10,5 Millionen Tonnen senken. „Ich denke, die USA bekommen einen Teil davon ab, aber nicht alles", sagte er.

Die Ukraine, der zuletzt dominierende Lieferant, wird sich wahrscheinlich von seiner kleinen Ernte in diesem Jahr erholen, und Brasilien ist ein weiterer Wettbewerber. Hier muss sich noch zeigen, wie das sehr trockene Wetter in Südamerika sich auf die Mais- und Sojaernte in Brasilien und Argentinien ausgewirkt hat.

Am kommenden Donnerstag Abend wird das USDA eine neue Einschätzung zur bevorstehenden südamerikanischen Ernte geben. Hinzu kommt: Beim Weizen und auch bei Gerste könnte neben der sehr großen australischen Ernte auch eine sehr hohe Ernteprogose aus Kanada auf die Getreidepreise drücken – denn diese Ernten erweitern auch das Angebot für chinesischen Einkäufer.

Einkaufspolitik bleibt unklar - China kauft auch in Europa

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Noch am 17. September hatte China sein Zollkontingent für Mais für 2021 unverändert gegenüber 2020 auf 7,2 Millionen Tonnen festgesetzt – obwohl die erwarten Einkäufe deutlich höher waren. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass die chinesische Regierung noch mehr Importquoten ausgibt und Millionen Tonnen zusätzlichen Mais (und anderes Getreide) kauft.

Bis China seine Quote ändert, beobachten Analysten ganz genau die USDA-Berichte, die von den Händlern als Goldstandard für globale Ernteprognosen angesehen werden. „Eines der Dinge, die wir nicht tun wollen, ist eine Prognose über Änderungen in der Politik, einschließlich Änderungen der Politik im Ausland", sagte USDA-Ökonom Jekanowski.

Aber China kauft nicht nur in den USA oder in Südamerika, sondern auch in Europa. Im November waren die Chinesen mit 331.800 Tonnen den zweiten Monat in Folge der größte Importeur von französischem Weichweizen. Einschließlich Futtergerste und Braugerste wurden im vergangenen Monat insgesamt 520.000 Tonnen Getreide aus Frankreich nach China verschifft.

Handelskrieg mit Australien – Importe stocken

Ein Grund dafür ist der Handelskrieg der Chinesen mit Australien, der dazu führt das der bislang größte Getreidelieferant der Chinesen – nach einer Riesernte in diesem Jahr - keine Gerste mehr nach China exportieren kann.

Nun könnte es auch bei Weizen Probleme geben. „Natürlich ist China ein großer Markt, aber niemand, der bei klarem Verstand ist, würde an sie verkaufen und neue Geschäfte auf diesen Markt bringen, wenn man sieht was mit Gerste und anderen Agrarrohstoffen passiert ist", sagte Brett Donoghue, ein australischer Exportmanager gegenüber Reuters.

China kaufe normalerweise australischen Weizen im vierten Quartal für den Versand im Januar. Peking hat seine Einkäufer jedoch bereits davor gewarnt, die Importe australischen Weizens zu verstärken, da offenbar die Wahrscheinlichkeit besteht, dass Getreidelieferungen in China abgelehnt werden.

„Wir haben stattdessen US-Weizen für die Lieferung im ersten Quartal nächsten Jahres gekauft. Aber es gibt derzeit nicht mehr viele andere Optionen", sagte ein chinesischer Einkäufer.

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