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Ernteprognose und Preise

Getreidemarkt: Handelskrieg verhindert Preisanstieg

Maisfeld
am
26.08.2019
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Die Farmers-Crop-Tour im Mittelwesten erwartet eine deutlich kleinere Ernte. Chinas neue Zölle verhindern jedoch einen Preisanstieg.

Nun hat der Markt endlich die Zahlen die er wollte. Die Erträge von Mais und Soja fallen offenbar niedriger aus als das USDA im August geschätzt hat und die Ernten sind kleiner. Das zeigten jedenfalls die am späten Freitag Abend (MEZ) veröffentlichten Daten der Farmers-Crop-Tour durch den Mittleren Westen der USA.

Landwirte und Analysten hatten über vier Tage in sieben Bundesstaaten versucht, dass derzeitige Ertragspotenzial von Mais und Soja zu schätzen. Am späten Freitag Abend kam dann das Ergebnis. Für die Märkte war diese Prognose genauso so wichtig wie der letzte USDA-Report – oder vielleicht noch wichtiger. Denn das USDA und der Augustreport standen so massiv in der Kritik wie noch nie zuvor.

Farmer und Händler hatten durch die unerwarteten USDA-Daten und den nachfolgenden  Preissturz sehr viel Geld und Vertrauen verloren. Nicht nur in den USA  - sondern wegen der globalen Bedeutung des USDA-Reports - auch weltweit.

Historisch große Abweichungen

Nach Ansicht von Analysten enthält der August-Report des USDA drei bärische Aussagen, die sich gegenseitig verstärken: (1) eine Ertragssteigerung, (2) eine über den Erwartungen liegende Anbaufläche und (3) einen Nachfragerückgang. Die Kombination dieser drei Faktoren sorgte für den massiven Preissturz. Es stellt sich nun die Frage, ob das USDA diese Daten im September korrigiert. Das alte Sprichwort, dass große Ernten immer noch größer werden, könnte dieses Mal jedenfalls nicht zutreffen, ist derzeit von vielen Analysten zu hören.

Im September könnte das USDA den Ertrag dann nämlich mit „Füssen am Boden“ schätzen, wie der Analyst Bryan Doherty schreibt, denn dann wird eine gründliche Felduntersuchung zur Datenerhebung durchgeführt. Das könnte dann zu Korrekturen an den bislang unterstellten Daten führen. Die Ergebnisse der Farmers Crop-Tour lassen dies jedenfalls erwarten.

Die Crop-Farmers-Tour weist außerdem darauf hin, dass die Daten, die gesammelt wurden, und weitere Aspekte, wie der Entwicklungszustand der Pflanzen und die Aussaatflächen, historisch große Abweichungen zu den USDA-Schätzungen aufweisen.

Maiserträge in allen Staaten schlechter

Farmer maisfeld

Die Farmers-Crop-Tour kommt beim Mais zu folgendem Ergebnis: Die Maisernte wird geschätzt auf: 13.358 Millionen Buschel (339 Mio. t). Der Ertrag wird auf 163,3 Buschel je Acres  prognostiziert (10,3 t/ha). Die Spanne der Ertrags-Schätzungen bewegt sich zwischen 164,9 Buschel und 161,7 Buschel.

Das USDA hatte im August eine Maisernte von 13.901 Millionen Buschel (353 Mio. t) errechnet und einen Ertrag von 169,5 Buschel je Acres (10,64 t/ha) geschätzt. Im Vergleich zum Juli-Report beinhaltet die Augustschätzung des USDA einen Anstieg der Erträge - anstelle der erwarteten Reduzierung.

Wie von vielen Landwirten erwartet, haben die Teilnehmer der Crop-Tour die Aussaatfläche gegenüber der USDA-Prognose gesenkt. Allerdings nur moderat. Das USDA hatte die Aussaatfläche im August bereits von 91,7 Mio. Acres auf nur noch 90 Mio. Acres (36,4 Mio. ha) reduziert. Diese Korrektur war vor dem Hintergrund der massiven Überflutungen im Frühjahr und der extrem späten Aussaat aber zu niedrig, waren die meisten Landwirte und Analysten überzeugt.

Sojaernte fällt viel kleiner aus

Bei Sojabohnen blieben die Schätzer ebenfalls unter den Prognosen des USDA: Die von den Crop-Tour-Farmern erwartete Sojaernte beträgt: 3.497 Millionen Buschel (95,2 Mio. t).  der durchschnittliche Ertrag wird auf 46,1 Buschel je Acres  geschätzt (3,1 t/ha). Die Spanne der Ertrags-Schätzungen lag zwischen 47 Buschel und 45,2 Buschel.

Das USDA hatte im August eine Sojaernte von 3.680 Millionen Buschel (100,2 Mio. t) prognostiziert und einen Ertrag von 48,5 Buschel je Acres (3,26 t/ha). Im Vergleich zum Juli waren dies unveränderte Erträge. Das USDA hatte die Sojafläche im August allerings von 80,0 Mio. Acres auf 76,7 Mio. Acres (31 Mio. ha) deutlich reduziert.

Späte Pflanzung kostet Ertrag

maiskörner

Analysten und Farmer kritisieren, dass das USDA seine Schätzung auf eine zeitliche relativ normale Entwicklung der Pflanzen gestützt hat. Nach Angaben der Farmer liegt die Entwicklung der Pflanzen in vielen Staaten jedoch weit hinter normalen Zustand zurück. Die sehr späte Entwicklung bedeutet möglicherweise dass die Pflanzen nicht völlig ausreifen oder zumindest keinen normalen Ertrag liefern.

Farmer sagen auch, dass der erst nach Mitte Mai gepflanzten Mais pro Tag Aussaatverzögerung etwa einen Buschel Ertragspotenzial verliert. "In allen Crop-Tour-Bundesstaaten waren das Ertragspotential aufgrund der komplizierten Aussaatbedingungen niedriger als im Vorjahr", sagte dazu Brian Grete, von Pro Farmer. "Wir haben auch Maisfpflanzen gefunden, die aufgrund der schwierigen Bedingungen mehrere Wochen Rückstand bei der Reife hatten", heißt es weiter.

Handelskrieg drückt auf die Kurse

Maispreise

Die Mais- und Sojapreise haben auf die bullischen Daten der Crop-Farmers Tour jedoch nicht wie erwartet reagiert. Im Gegenteil: Es ging sogar nach unten. Der Grund: Am Freitag erfolgte eine Ankündigung Chinas, dass es zusätzlich zu dem vor einem Jahr eingeführten Zoll von 25 Prozent für US-Sojabohnen, ab dem 1. September einen weiteren Zoll von 5 Prozent und ab Mitte Dezember weitere Zölle von 10 Prozent für andere wichtige US-amerikanische Agrarprodukte geben wird.

Die Sojapreise sind in Chicago deshalb am Freitag um 13 Cent auf 843 Cent je Buschel gefallen. Das ist der niedrigste Stand seit Mai – als es schon einmal steil nach unten ging. Die Maispreise sind in Chicago am Freitag um 3 Cent auf nur noch 360 Cent je Buschel zurückgegangen. Denn der Mais ist nicht so stark wie Soja vom Handelskrieg betroffen. Dennoch sind dies die niedrigsten Maispreise seit dem Preissturz im Mai.

Die Weizenpreise sind in Chicago am Freitag jedoch gestiegen. Der Chicago-Weizen legte um 8 Cent auf 475 Cent zu. Analysten sehen jedoch vor allem technische Gründe für diese Erholung. Am europäischen Terminmarkt blieb die Stimmung bei allen Kulturen bärisch. Der Raps verlor am Freitag 3 Euro auf 375 Euro/t, Weizen konnte sich knapp bei 165 Euro/t behaupten und für die neue Maisernte ging es um weitere 50 Cent auf 164,50 Euro/t nach unten.

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