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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise: Wann ist der Absturz zu Ende?

Getreide verladen
am Dienstag, 04.02.2020 - 11:23 (Jetzt kommentieren)

Am Montag gerieten die Weizenpreise am Terminmarkt erneut unter die Räder und fielen unter die 190-Euro-Marke.

Weizen Matif

Seit Mitte Januar haben die Weizenkurse gut 10 Euro je Tonne verloren – und eine wirkliche Trendwende ist erst einmal nicht in Sicht. Auch wenn sich die Kurse am heutigen Dienstag zum Handelsstart zu stabilisieren scheinen. Ursache für den Preissturz ist die massive Verunsicherung der Agrar- und Rohstoffmärkte durch den Ausbruch des Corona-Virus in China.

Der damit verbundene Kurssturz an den Rohstoff- und Aktienmärkten zieht die Getreide- und Agrarpreise mit nach unten. Dabei sind die fundamentalen Daten an den europäischen Getreidemärkten eigentlich gut. Der Export läuft – auch für Deutschland – ausgezeichnet und zieht weiterhin sehr viel Ware vom Markt.

Hinzu kommt: Die neue europäische Weizenernte wird wegen einer deutlich geschrumpften Aussaatfläche erheblich kleiner als im vorigen Jahr – sagen jedenfalls die Analysten von Strategie Grains. Das müsste die Preise eigentlich ebenfalls stützen. Dennoch wird die nächste Weizenernte am Terminmarkt in Paris derzeit nur noch knapp über der 180-Euro-Marke gehandelt – und damit 8 Euro billiger als vor 10 Tagen.

Exportpreise fallen ebenfalls – außer in Russland

Getreide Verladen

Die aktuelle Marktdynamik (Momentum) lässt sich auch gut an den Exportpreisen ablesen – die besonders in Europa und in den USA unter Druck geraten sind. In Russland haben die angekündigten Exportrestriktionen hingegen zu einer Stabilisierung der russischen Weizenpreise auf hohem Niveau geführt.

Das russische Agrarministerium hat nämlich vor, eine nichttarifäre Quote für Getreideexporte einzuführen. Die Höhe der Quoten soll auf Grundlage der Ernte, der Inlandsnachfrage und der übertragenen Vorräte jährlich neu bestimmt werden, erklärte die stellvertretende Landwirtschaftsministerin Oksana Luth.

"Sollte es dazu kommen, würde dass die Nachfrage nach Weizen aus der EU weiter erhöhen", sagte ein Analyst der Commerzbank. Ägypten, der weltweit größte Weizenimporteur, war deshalb bereits bei seinem aktuellen Tender auf französischen Weizen umgestiegen, weil dieser - trotz höherer Frachtkosten - günstigster war als die russischen Offerten.

Der durchschnittliche Preis für die Lieferung nach Ägypten lag bei 246 USD je Tonne (223 Euro) einschließlich Fracht – und damit knapp 4 USD niedriger als beim vorherigen Einkauf Ägyptens. Aktuell wird französischer Weizen am wichtigsten Exporthafen Rouen (ohne Fracht) für 217 USD je Tonne (196 Euro) verladen. Das sind immerhin 7 USD weniger als in der Vorwoche.

Am Schwarzen Meer werden hingegen weiterhin 230 USD je Tonne (208 Euro) verlangt und damit der gleiche Preis wie vor 8 Tagen und zudem 13 USD mehr als in Frankreich.

Exporte auf Hochtouren – auch aus Deutschland

Getreideexport

Die Exporte von Weichweizen aus französischen Häfen hielten sich im Januar auf einem Sechsjahreshoch, obwohl die Lieferungen wegen der Streiks der Transportarbeiter in einigen Fällen um bis zu drei Wochen verzögert wurden. Rund 1,33 Mio. Tonnen Weichweizen verließen trotz der Streikprobleme im Januar die französischen Häfen.

Händler berichten jedoch, dass die Streiks zu einer Verlagerung des Exportgeschäfts nach Deutschland und in die baltischen Länder führten. Davon profitiert Deutschland, das bis zum 2. Februar knapp 1,5 Mio. Tonnen Weizen in Drittländer verkauft hat und damit auf Position drei der europäischen Weizenexporteure – hinter Frankreich und Rumänien – vorgerückt ist.

Rumänien kommt bislang auf Gesamtausfuhren von 3,3 Mio. Tonnen und Frankreich auf 5,6 Mio. Tonnen. Insgesamt haben die Europäer jetzt 17,3 Mio. Tonnen Weizen in Drittländer verkauft – das sind immerhin 63 Prozent oder 6,7 Mio.Tonnen mehr als im vorigen Jahr.

Die größten Abnehmer sind Algerien, Saudi-Arabien, Ägypten sowie China und Marokko. Nach China gingen bislang rund 900.000 Tonnen Weizen – vor allem aus Frankreich.

Hohe Ernteprognosen aus Russland

Getreide Aussaat Russland

Eine bärische Meldung kam diese Woche ebenfalls aus Russland. Dort haben die Landwirte rund 18,2 Millionen Hektar Wintergetreide ausgesät, verglichen mit 17,6 Millionen Hektar im Vorjahr – und es gibt bisher kaum Auswinterungsverluste. Das russische Landwirtschaftsministerium berichtete vorige Woche, dass nur knapp 6 % der Wintergetreides in einem schwachen Zustand sind, verglichen mit 8 % im letzten Jahr.

In den wichtigsten Anbaugebieten für Weizen (in Zentral- und Südrussland) wird für Februar zudem mehr Regen und Schnee vorhergesagt. Dies hat bereits zu sehr optimistischen Ernteschätzungen für die russische Weizenernte 2020 geführt. Diese reichen von gut 79 Mio. Tonnen bis zu 85 Mio. Tonnen – im Vergleich zu nur 72,1 Mio. Tonnen – nach offiziellen Angaben – im Jahr 2019.

Knapp die Hälfte der russischen Weizenfläche wird jedoch erst im Frühjahr mit Sommerweizen bestellt, so dass diese Prognosen noch sehr unsicher sind. Die Gesamternte 2020 wird vom Landwirtschaftsministerium derzeit auf 125 Mio. Tonnen geschätzt. Igor Pavensky vom staatlichen Transportunternehmen Rusagrotrans geht sogar von 127 Mio. Tonnen aus – gegenüber 120 Mio. Tonnen im Jahr  2019.

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