Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Getreidepreise im Abwärtsstrudel – Panik und Ausverkauf an den Börsen

Weizen wird verladen.
am Mittwoch, 06.07.2022 - 10:42 (3 Kommentare)

Die Weizenpreise sind Dienstag erneut drastisch gefallen. Sowohl in Europa als auch in Übersee ging es steil nach unten. Unklar ist, ob der Markt damit auf mögliche Exporterleichterungen für die Ukraine reagiert, oder ob es sich einfach um eine Panikreaktion in einem geradezu hysterischen Marktumfeld handelt.

weizenpreise in den usa.

Noch hat sich an den fundamentalen Daten von Angebot und Nachfrage nämlich wenig geändert, auch wenn eine Ankündigung über mögliche ukrainische Exporterleichterungen die nächste jagt. Fakt ist auch: Die Ukraine wird in diesem Jahr deutlich weniger Weizen und Mais ernten als im vorigen Jahr und dieses Getreide wird logistisch sehr schwer zu vermarkten sein. Auch wenn die Häfen teilweise wieder öffnen sollten. Was keineswegs sicher ist.

Auch die rekordhoch erwartete russische Ernte ist noch lange nicht vom Feld. Ähnlich ist es mit den sehr hohen Ernteprognosen für den Weizen aus Kanada. Dort ist gerade einmal die Aussaat von Sommerweizen abgeschlossen. Dafür kommen aus Europa immer neue Hiobsbotschaften über eine witterungsbedingt sehr kleine Ernte aus Italien, Spanien und auch aus Frankreich und Deutschland. Die Kommission hat ihre Prognose zuletzt immer weiter unten revidiert (siehe unten).

Die Weizenpreise für die neue europäische Ernte (Septemberkontrakt) fielen am Dienstag um 11,50 Euro auf 331,75 Euro je Tonne. In den USA stürzen die Weizenpreise für den Septembertermin am Dienstag (nach einem Feiertag) um weitere 39 Cent auf 807 Cent je Buschel nach unten. Der im Norden der USA und in Kanada angebaute Sommerweizen verlor (wegen der hohen kanadischen Anbauprognosen) sogar 51 Cent und stürzte auf 890 Cent je Buschel.

Seit dem letzten Preishöhepunkt Mitte Mai sind die Weizenpreise in den USA damit um 37 % gefallen – auf ein Niveau, dass es zueltzt Mitte Februar (vor dem Krieg in der Ukraine) gab. In Europa hat der Weizen seit Mitte Mai rund 25 % oder 107 Euro je Tonne verloren. Damit sind nach Einschätzung von Analysten fast sämtliche Risiko-Prämien, die sich aus dem Ukrainekrieg ergeben aus den Preisen „eliminiert“.

Russland: Getreidepreise fallen – Kanada: Weizenanbau auf 9-Jahreshoch

Auch die russischen Exportpreise für Weizen fielen diese Woche aufgrund des Drucks der neuen Ernte, mit der die Landwirte gerade begonnen haben, sowie einer deutlich reduzierten Exportsteuer. Hinzu kommt der starke Rückgang der Getreidepreise in den USA und in Europa. Das von massiven Sanktionen betroffene Russland hatte seine Getreideexportsteuern letzte Woche stark gesenkt, um die Lieferungen in der neuen Saison vor dem Hintergrund erwarteten Rekordernte anzukurbeln.

Russland exportierte in der vorigen Woche rund 250.000 Tonnen Getreide, verglichen mit 500.000 Tonnen eine Woche zuvor, berichteten die russischen Analysten von Sovecon unter Berufung auf Daten aus Häfen. Russische Landwirte, hauptsächlich in der südlichen Region Stawropol, haben bereits mit der Weizenernte begonnen. Der durchschnittliche Ertrag war nach Berichten russischer Analysten deutlich höher als im Vorjahr.

In Kanada haben Landwirte in diesem Jahr 10,3 Millionen Hektar Weizen angebaut (davon 7,4 Millionen Hektar Sommerweizen). Das ist die größte Anbaufläche seit neun Jahren, wie ein Bericht von Statistics Canada zeigte. Kanadische Landwirte pflanzten außerdem 8,7 Millionen Hektar Raps an, mehr als im Frühjahr geschätzt wurde, als Statistics Canada 8,5 Millionen Hektar der Ölsaat vorhersagte: Das sind dennoch deutlich weniger als im vorigen Jahr mit 9,1 Millionen Hektar.

Europa: Dürre lässt Weizenernte schrumpfen

Die Europäischen Kommission hat am Freitag ihre Prognose für die Weichweizenernte in der EU 2022/23 auf deutlich unter das Niveau der letzten Saison gesenkt, aber ihre Prognose für Rekordexporte beibehalten. In Angebots- und Nachfragedaten hat die Europäische Kommission die nutzbare Produktion von Weichweizen in der EU auf 125,0 Millionen Tonnen festgesetzt, verglichen mit 130,4 Millionen, die vor einem Monat prognostiziert wurden, und 130,1 Millionen im Jahr 2021/22.

Als Ursache nannte die Kommission Ertragseinbußen in mehreren Ländern, darunter Frankreich, Polen, Rumänien und Spanien. Auch andere Analysten haben ihre Erwartungen für die EU-Weizenernte nach Dürre und Hitzewellen gesenkt.

Die Kommission beließ jedoch ihre Prognose der Weichweizenexporte der EU im Jahr 2022/23 unverändert bei 38 Millionen Tonnen, was ein Rekord wäre und weit über den Ausfuhren von 2021/22 Exporten von 30 Millionen Tonnen liegen würde.

Händler und Analysten erwarten eine starke Nachfrage nach EU-Weizen in der Saison 2022/23, da Russlands Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Sanktionen gegen Russland den Getreidehandel im Schwarzen Meer stören.

Die Maisproduktion erwartet die Kommission jetzt bei 71,7 Millionen Tonnen gegenüber 72,5 Millionen im Monat zuvor, während die prognostizierte Gerstenernte nur ganz leicht von 52,3 Millionen auf 52,2 Millionen Tonnen gekürzt wurde.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...