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Getreidemarkt und Coronavirus

Getreidepreise: Ausverkauf wegen Corona-Panik

Getreide
am Freitag, 13.03.2020 - 11:00 (Jetzt kommentieren)

Das Ausmaß des Crashs ist schockierend. Und auch die Geschwindigkeit. Es gibt es kein Halten mehr und keine Ausnahmen.

Die Getreidepreise stürzen im Sog der einbrechenden Rohstoff- und Aktienmärkte nach unten. Noch schlimmer als bei Getreide ist der Einbruch bei Raps und Ölsaaten. Diese sind nämlich noch enger mit den im freien Fall befindlichen Rohöl- und Energiemärkten verlinkt. Aber nicht nur an den Terminmärkten und Börsen findet ein Ausverkauf statt. Auch die Kassapreise für Getreide und Raps brechen ein.

Auslöser für den erneuten Crash war zunächst die Ausrufung einer Corona-Pandemie durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Danach versetzte US-Präsident Donald Trump den globalen Märkten einen weiteren Schlag, als er ein vorübergehendes Einreiseverbot für Europäer ankündigte, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Der Ölpreis brach unmittelbar nach Bekanntgabe des Reiseverbots ein. Brent-Rohöl fiel um 8,1 % auf 32,89 USD. Das US-Rohöl der Sorte WTI sackte bis bis 30,62 USD pro Barrel nach unten. Das war dann auch der Auslöser für den besonders starken Absturz der Raps- und Sojapreise. Der vordere Rapskontrakt am Terminmarkt in Paris verlor am Nachmittag im laufenden Handel 12 Euro je Tonne und stürzte auf 356 Euro je Tonne ab.

Rezessionsängste und Handelsstörungen

Börsencrash

Dabei hatten zahlreiche Regierungen und die Europäische Zentralbank (EZB) umfangreiche Hilfsmaßnahmen angekündigt, um die Wirtschaft anzukurbeln bzw. eine Erholung zu unterstützen. Doch die Maßnahmen bewirkten nichts. "Das Markturteil zu diesen Ankündigung lautet, dass es zu wenig ist und zu spät kommt", sagte ein Finanzanalyst.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte, die Wirtschaft stehe vor einem "großen Schock" und die Zentralbank sei "entschlossen, Haushalte und Unternehmen angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Störungen und der erhöhten Unsicherheit zu unterstützen". Unternehmen und Analysten befürchten, dass die Corona-Pandemie die Weltwirtschaft in eine Rezession treiben könnte. Quarantäne und andere Maßnahmen zwingen Unternehmen dazu, Standorte zu schließen und der Handel wird massiv gestört.

Das gilt im Übrigen auch für die Agrarmärkte. Diese sind ganz besonders auf den freien Handel in Europa und weltweit angewiesen. Störungen im Handel – wie mit Italien und China – wirken über kurz oder lang auf die Preise für Agrarprodukte zurück. Dabei hat der jetzige Preissturz bislang weniger mit fundamentalen Marktproblemen als mit Panik und Überreaktionen zu tun.

Deutschland baut Getreideexporte kräftig aus

Getreide_Terminal

Die bis zuletzt noch guten Absatzmöglichkeiten für deutsche Getreidebauern unterstreicht eine aktuelle Exportprognose des europäischen Analystenhauses Strategie Grains: So haben die Analysten ihre Schätzung für die Weichweizenexporte der Europäischen Union in dieser Saison angehoben. Grund sind vor allem die deutlich besseren Verkäufe aus Deutschland. Gleichzeitig wurden die französischen Exporte etwas niedriger eingeschätzt.

Strategie Grains beziffert die Weichweizenexporte der EU einschließlich Großbritanniens in der Saison 2019/20 auf 31,2 Millionen Tonnen, was einem Anstieg von 600.000 Tonnen gegenüber dem Vormonat entspricht. Dies sind mehr als 10 Millionen Tonnen mehr als die 20,9 Millionen Tonnen, die in der vergangenen Saison exportiert wurden. "Die Überarbeitung ist hauptsächlich auf höhere Exporte aus Deutschland, hauptsächlich in die Türkei, zurückzuführen. Gleichzeitig wurden die französischen Exportschätzungen aufgrund einer geringeren Wettbewerbsfähigkeit wegen des festeren Euros etwas nach unten korrigiert", sagte Laurent Crastre, Analyst bei Strategie Grains gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Die deutschen Weichweizenexporte werden auf 4,2 Millionen Tonnen veranschlagt nach 3,4 Millionen Tonnen im Februar, während die französischen Exporte jetzt bei 12,8 Millionen Tonnen erwartet werden, nach 13,3 Millionen im letzten Monat.Die sehr kräftige Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar könnte auch den EU-Export aber noch stärker behindern. Denn der Rubel hat zuletzt deutlich abgewertet und damit die russische Wettbwerbsfähigkeit verbessert..

Getreidepreise in zwei Wochen 20 Euro gefallen

Weizenpreise Matif

Am europäischen Terminmarkt sind die Weizenpreise am Donnerstag weiter gefallen. In den USA ging es noch steiler nach unten. Im Vergleich zu Raps und Soja sind Preiskorrekturen bei Weizen jedoch fast noch „moderat“. Der vordere Chicago-Weizen verlor im laufenden Handel am Donnerstag 12 Cent auf 500 Cent je Buschel.

An der MATIF notierte der vordere Weizenkontrakt (Mai) am Nachmittag bei 176 Euro je Tonne. Das war etwa 1,0 Euro weniger als am Vortag – jedoch fast 20 Euro weniger als vor zwei Wochen. Gleichzeitig sind das die niedrigsten Weizenpreise seit fast einem Jahr. Die neue Ernte 2020 wurde auf dem gleichen Niveau wie der vordere Maikontrakt – mit 175 Euro je Tonne - gehandelt. Das ist ein Rückgang von 8 Euro in den letzten 14 Tagen.

Am Kassamarkt sind die Getreidepreise ebenfalls kräftig gefallen. Brotweizen wurde am Hamburger Großmarkt und Exporthafen am Donnerstag mit 180 Euro je Tonne notiert. Das sind etwa 18 Euro weniger als vor zwei Wochen.

Die Preise für Futterweizen lagen in Hamburg am Donnerstag bei 178 Euro und in Südoldenburg bei 176 Euro je Tonne. In beiden Regionen isr das ein Rückgang von 20 Euro in zwei Wochen. Futtergerste wurde in Hamburg am Donnerstag mit 160 Euro je Tonne notiert. Das ist ein Rückgang von 11 Euro in den letzten 14 Tagen.

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