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Getreideernte und Preise

Getreidepreise: Da braut sich was zusammen

maisernte
am
10.09.2019
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Niemand wird gern auf dem falschen Bein erwischt. Auch Getreidehändler und Analysten nicht.

Deshalb versuchen die wichtigsten Analystenfirmen in den USA vor dem jeweils anstehenden USDA-Report die dort zu erwartenden Veränderungen zu schätzen.

Treffen diese Erwartungen am Ende nicht ein, reagiert der Terminmarkt meist mit sehr heftigen Ausschlägen. Die neuen Daten werden so schnell wie möglich eingepreist und die Bilanzen korrigiert. Und das gilt weltweit.

Landwirte und Farmer in den USA und Europa müssen dann – ob sie mit den Änderungen einverstanden sind oder nicht - mit diesen Korrekteren und mit den neuen Preisen leben.

Noch immer kein Konsens

Aber: Noch nie lagen die Analysten mit ihren Prognosen so oft daneben und die Preisreaktionen waren so heftig wie in diesem Jahr. Grund sind die ungewöhnlich extremen Aussaatbedingungen in den USA und Unklarheit über Aussaatflächen und möglichen Erträge nach dieser späten Aussaat. Die Differnz zwischen Analysten und USDA könnte auch im neuen September-Report des USDA groß sein.

Denn: Die Analysten-Schätzungen für die kommende Mais- und Sojaernte in den USA liegen erneut recht deutlich unter der August-Prognose des USDA. Das heißt auch: Der Markt beurteilt die kommende Ernte weiterhin schlechter und erwartet am Donnerstag vom USDA relativ deutliche Korrekturen bei der Mais- und Sojaernte nach unten. Wenn das USDA ein weiteres Mal zu anderen Einschätzungen kommt - wird der Markt reagieren.

Das hätte natürlich auch Folgen für die globalen Bilanzen und Handelsströme.

Zustand der Pflanzen verschlechtert sich

Mais

Gestützt wird die Erwartung der Analysten durch den sehr großen Rückstand bei der Entwicklung der Mais- und Sojapflanzen. So hat sich im aktuellen Crop-Progress Report vom 08. September die Verfassung der Maispflanzen verschlechtert. Nur noch 55 Prozent der Maispflanzen befinden sich in gutem oder sehr gutem Zustand. Das sind immerhin drei Prozentpunkte weniger als in der vorigen Woche und 12 Prozentpunkte weniger als im vorigen Jahr.

Noch weitaus problematischer für die Ertragsentwicklung ist, dass die Maispflanzen sich wegen der witterungsbedingt extrem späten und langsamen Aussaat sehr weit hinter der normalen Entwicklung befinden. Das bedeutet: Das volle Ertragspotential kann sich bis zu Ernte wohl nicht mehr entwickeln und die Gefahr von Ertragseinbußen durch Frostschäden und Wintereinbruch nimmt rasant zu. Ganz ähnlich ist die Situation bei Sojabohnen.

Analysten: Weniger Ertrag, kleinere Ernte

Die Konsensschätzung der Analysten geht  beim Mais jetzt von einem möglichen Ertrag von 166,7 Buschel je Acres  (10,46 t/ha) aus im Vergleich zu 169,5 Buschel (10,64 t/ha) durch das USDA. Die Maisernte würde damit nur noch bei 13,614 Mio. Buschel (346 Mio. t)  liegen anstelle bei 13,901 Mio. Buschel (353 Mio. t) die das USA erwartet.

Bei Sojabohnen liegt die Analysten-Prognose bei einem Ertrag von 47,2 Buschel je Acres (3,17 t/ha) im Vergleich zu 48,5 Buschel durch das USDA. Daraus ergibt sich eine Ernteschätzung für den anstehenden Septemberreport von 3,596 Mio. Buschel (97,9 Mio. t) - im Vergleich zu 3,680 Mio. Buschel (100,2 Mio. t) durch das USDA.

Frankreich drückt auf die Getreidepreise

Weizen verladen

Neben den Erntedaten und Bilanzen aus dem neuen USDA-Report beeinflusst derzeit vor allem der Wettbewerb an den Exportmärkten die Getreidepreise. Dort ging es mit den Preisen für Weizen, Gerste und Mais zuletzt deutlich nach unten. Kurzfristig gestützt wurden die Weizenpreise am Montag durch einen Großeinkauf Saudi-Arabiens über immerhin 780.000 t Hartweizen – aus Europa, Australien und Nord- und Südamerika sowie auch aus Russland.

Preisführer am globalen Weizenmarkt ist derzeit Frankreich mit fob-Preisen von nur 182 USD/t (164 Euro/t). Das sind immerhin 10 USD/t weniger als noch vor vier Wochen verlangt wurden und sogar 38 USD/t weniger als Ende Juni. Die Exportpreise für russischen Weizen liegen derzeit am Schwarzen Meer bei 186 USD/t (168 Euro). Allerdings sind die Frachtkosen vom Schwarzen Meer nach Nordafrika und in den Mittleren Osten erheblich niedriger als aus Frankreich.

Am US-Golf wird der Chicago-Weizen derzeit für 203 USD/t (183 Euro) verladen und für den Kansas-Weizen werden 195 USD/t (176 Euro) verlangt. Das sind zwar auch 35 USD weniger als noch im Juni – jedoch deutlich mehr als derzeit Europäer oder Russen fordern.

Bei Gerste ist der Discount der Franzosen gegenüber den Russen sogar noch größer als bei Weizen. An den französischen Exporthäfen wird Gerste derzeit für 169 USD/t (152 Euro) verladen. Das sind etwa 11 USD weniger als vor vier Wochen und gleichzeitig 8 USD weniger als die Russen am Schwarzen Meer mit fob-Preisen von 177 USD/t (159 Euro) haben wollen.

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