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Getreideernte und Getreidepreise

Getreidepreise: Darum brechen die Weizenpreise so stark ein

In Frankreich wird die Weizenernte besonders klein.
am Montag, 10.08.2020 - 11:03 (Jetzt kommentieren)

Die europäischen Getreidebauern suchen nach Antworten. Die Getreideernte wird klein – trotzdem fallen die Weizenpreise.

Die Weizenpreise sind um 10 Euro je Tonne gefallen.

Und im August könnte es mit den Preisen weiter nach unten gehen – glauben Analysten. Doch was sind die Ursachen für den seit Mitte Juli anhaltenden Preisrutsch? Am europäischen Terminmarkt hat der Weizen 10 Euro je Tonne verloren und ist unter die 180-Euro-Marke gefallen.

Ein Grund für den Preisdruck dürfte die zuletzt wieder kräftig nach oben korrigierte Weizenernte in Russland sein. Auch in der Ukraine haben Analysten die Ernteprognosen zuletzt angehoben. Hinzu kommt eine Rekordernte beim Top-Weizen-Exporteur Kanada sowie die anhaltend hohen Prognosen für Australien. Auch in den USA dürfte die Produktion von Sommerweizen die bisherigen Schätzungen übertreffen.

"Wir haben vier wichtige Länder, in denen die Prognosen für die Weizenernte nach oben korrigiert wurden", sagte Nathan Cordier von der Beratungsfirma Agritel.

Doch für die Europäer gibt es noch ein Problem: Das ist der gegenüber Dollar und Rubel sehr kräftig aufgewertete Euro: Seit Mai beträgt der Aufschlag gut 10 Prozent. Diese Entwicklung verteuert den europäischen Weizen am Weltmarkt und drückt gleichzeitig auf die Preise am europäischen Binnenmarkt.

In Russland läuft es genau umgekehrt. Der sehr schwache Rubel macht den russischen Weizen am Weltmarkt billiger und zieht gleichzeitig die Weizenpreise für die russischen Bauern nach oben.

Russland: Große Ernte und aggressive Exporte

Russlands Weizenernte könnte erneut sehr groß werden.

Die fortlaufende Verbesserung der Weizenerträge im Verlauf der Ernte in Russland ist für viele Analysten der entscheidende Grund für den derzeitigen Preisdruck. Das russische Landwirtschaftsberatungs-Unternehmen IKAR hatte seine Prognose für die russische Weizenernte Anfang August von 78 Millionen Tonnen auf 79,5 Millionen Tonnen angehoben.

Die russischen Analysten von SovEcon haben die Weizenernte vorige Woche auf 79,3 Millionen Tonnen veranschlagt. Andere Analysten gehen von rund 80 Millionen Tonnen aus. Das USDA hatte Russlands Weizenernte im vorigen Monat auf 76,5 Millionen Tonne geschätzt.

Händler berichten derzeit außerdem über „aggressive Exporte aus der Schwarzmeerregion“, und erwarteten, dass diese Situation bis weit in den Herbst hinein so bleiben wird. Nathan Cordier von Agritel sagt: "Ägypten hat für den September bereits viel Weizen eingekauft, doch das Angebot aus der russischen Ernte bleibt hoch." Ägyptens staatlicher Getreide-Einkäufer (GASC), hatte bei der letzten Auktion Anfang August 350.000 Tonnen russischen Weizen und 120.000 Tonnen ukrainischen Weizen gekauft.

Die russische Regierung wird aber trotz der großen Ernte voraussichtlich im Oktober Exportquoten einführen. Die Exporteure sind deshalb bestrebt, so viel Weizen wie möglich zu verkaufen, bevor die Quoten bekannt gegeben werden. Wegen der schwachen Ernte in den südlichen Regionen mussten die russischen Exporteure allerdings weiter im Landesinnern einkaufen, um eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten, was die Kosten erhöht hat.

Vorige Woche hat auch die ukrainische Analystenfirma ProAgro die Prognosen für die ukrainische Weizenernte von 26,07 Millionen Tonnen auf 26,59 Millionen Tonnen erhöht.

Frankreich bestätigt sehr kleine Weizenernte

Frankreichs Weizenernte ist dast so schlecht wie 2016.

Die Verbesserung der Ernte-Aussichten in anderen wichtigen Ländern hat den Fokus der Marktakteure zuletzt von der enttäuschenden Ernte in der Europäischen Union genommen. Diese ist vor allem durch den starken Rückgang der französischen Produktion gekennzeichnet. Das französische Landwirtschaftsministerium hatte seine Schätzung der Weichweizenernte 2020 im August auf 29,71 Millionen Tonnen gesenkt, was einem Rückgang von 1,6 Millionen Tonnen gegenüber der Prognose vom letzten Monat entspricht und 25 Prozent unter der Ernte des Vorjahres liegt.

Die Prognose basiert zudem auf der kleinste Erntefläche seit 1994. Das Ministerium hatte den Markt bereits mit seiner ersten Schätzung der Weichweizenernte von 31,31 Millionen Tonnen vor einem Monat überrascht. Seitdem haben die meisten Analysten ihre Erwartungen auf unter 30 Millionen Tonnen gesenkt, da die mittlerweile fast vollständig abgeschlossene Ernte auch noch sehr enttäuschende Erträge gezeigt hat.

Die französische Weichweizenfläche lag danach nur noch bei 4,35 Millionen Hektar gegenüber 4,41 Millionen im letzten Monat. Der prognostizierte Weichweizenertrag wurde außerdem von 7,1 Tonnen pro Hektar auf 6,83 Tonnen pro Hektar gesenkt. Das Ministerium reduzierte auch seine Schätzung für die diesjährige Gerstenernte von 12,3 Millionen im Juli auf nur noch 11,3 Millionen Tonnen, was 18 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegt.

Wie groß ist die deutsche Weizenernte?

Die deutsche Weizenernte ist fast abgeschlossen.

Das Ende der Weichweizenernte in Frankreich hat eine enttäuschende Produktion beim größten Erzeuger der Europäischen Union bestätigt. Analysten richten nun ihre Aufmerksamkeit auf Deutschland, wo die verbesserten Witterungsbedingungen den Rückgang der EU-Produktion etwas begrenzen könnten. In Verbindung mit den wetterbedingt ebenfalls deutlich reduzierten Ernten bei den großen Produzenten Rumänien und Großbritannien, könnte der Einbruch der französischen Weizenernte die Produktion jedoch nahe an die vor zwei Jahren durch die Dürre reduzierte Erntemenge drücken, glauben Analysten.

"Die EU-Ernte zeigt starke Kontraste", sagte Nathan Cordier von Agritel. "Die stark sinkende Produktion in Frankreich, Großbritannien und Rumänien, wird durch bessere Erträge in Polen oder den baltischen Ländern jedoch nicht kompensiert. "In Bezug auf die Produktion wird es ein bisschen wie 2016", sagte ein französischer Händler und bezog sich auf die schlechteste Ernte Frankreichs seit 30 Jahren. "Der Vorteil dieses Jahres ist jedoch, dass die Erntequalität anständig aussieht", heißt es.

Auch die deutsche Weizenernte ist fast beendet. "Ich gehe davon aus, dass etwa 80 % der deutschen Weizenernte eingebracht sind", sagte ein Getreideanalyst vorige Woche und fügte hinzu, dass die Ernte diese Woche abgeschlossen werden könnte, wenn warmes, trockenes Wetter herrscht.

Die Marktprognosen für die deutsche Weizenernte lagen im Bereich von 21,0 bis 22,6 Millionen Tonnen, nach 23,0 Millionen im Jahr 2019. Der Grund für den Rückgang ist vor allem die Verringerung der Anbaufläche, wobei mittlere Erträge erwartet werden.

Die meisten Analysten haben die Prognose von 20,2 Millionen Tonnen vom deutschen Statistikamt in der vorigen Woche, wegen der zu Grunde liegenden sehr alten Daten, als nicht aussagekräftig beurteilt. „Die Weizenqualität ist zudem normal und weist nur in einigen Regionen einen leichten Proteinabfall auf", sagt ein deutscher Händler.

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