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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise: China kauft Markt leer – deutsche Preise weit oben

Weizen verladen.
am Montag, 09.11.2020 - 11:53 (1 Kommentar)

Chinas Hunger treibt die Getreidepreise – in China und auf dem Weltmarkt.

weizenpreiswe.

Das USDA-Büro in Peking schätzt Chinas Maisimporte im aktuellen Wirtschaftsjahr 2020/21 auf 22 Millionen Tonnen und liegt damit weit über der letzten offiziellen Prognose des USDA von bereits rekordhohen 7 Millionen Tonnen. Hintergrund für die Korrektur sind die anhaltend hohen Einkäufe Chinas bei Mais, Sojabohnen, Weizen und anderen Getreidearten wie etwa Sorghum und Gerste. Am chinesischen Binnenmarkt sind die Getreidepreise zuletzt immer weiter gestiegen. Das zieht auch die Exportpreise für Weizen, Mais und alle anderen Getreidearten sowie für Soja weiter mit nach oben.

In diesem Jahr hatten starke Überflutungen Chinas Getreideernte drastisch reduziert, während die durch ASP dezimierten Schweinebestände seit einiger Zeit wieder kräftig wachsen und damit auch der chinesiche Bedarf an Futtergetreide. China hat vorige Woche 2,7 Millionen Tonnen Weizen aus seinen staatlichen Reserven verkauft und damit die starken Verkäufe der Vorwoche weiter weiter fortgesetzt, teilte das chinesische National Grain Trade Center mit. Einkäufer sind derzeit vor allem Futtermittelhersteller, die den Weizen kaufen, um den knappen Mais zu ersetzen, der ebenfalls immer teurer wird.

Der Verkauf von Weizen erfolgte nach chinesischen Angaben zu einem Durchschnittspreis von 2.356 Yuan (352 USD) je Tonne. Die Preise in Shandong, einer Top-Produktionsregion, stiegen sogar noch stärker auf 2.430 Yuan pro Tonne, den höchsten Wert seit Februar 2019.

Die staatlichen chinesichen Verkäufe von Weizen nahmen in den letzten Wochen immer stärker zu, nachdem sich immer mehr Futtermittelhersteller an den Auktionen beteiligt hatten, weil die Maispreise in letzter Zeit so stark gestiegen sind, berichtet ein chinesischer Händler, der an der Auktion beteiligt war, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

„Noch gibt es keinen wirklichen Mangel an Getreide, aber die Leute kaufen immer mehr für die nächsten Monate ein. Es ist schon ziemlich beängstigend", sagte der Händler weiter.

Weizen in Russland jetzt teurer als in Frankreich

weizenschiff.

Die russischen Weizenexportpreise gaben in der vorigen Woche nach einer vierwöchigen Rallye etwas nach, hauptsächlich aufgrund der starken zwischenzeitlichen Preiskorrekturen in Chicago und Paris, und auch weil die Nachfrage angesichts der Unsicherheit über die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie zurückging, sagten Analysten.

Die Europäische Kommission meldete, dass russischer Weizen mit einem Proteingehalt von 12,5 % am Schwarzmeerhafen Novorossiisk Ende letzter Woche mit 251 USD pro Tonne frei an Bord (FOB) verladen wurde, was einem Rückgang von 4 USD gegenüber der Vorwoche entspricht. Gleichzeitig wurde französischer Weizen am wichtigsten Exporthafen Rouen für 248 USD verladen – und damit etwas billiger als die russische Ware. Die russischen Gerstenpreise sind ebenfalls um 2 auf 212 USD pro Tonne zurückgegangen. Gleichzeitig kostete französische Gerste  am Hafen Rouen 230 USD je Tonne und damit deutlich mehr als in Russland.

„Wir gehen davon aus, dass die russischen Weizenpreise nur kurzfristig nachgeben werden, da sie dadurch ihren Wettbewerbsvorteil gegenüber europäischer Ware wiederherstellen werden", glauben die russischen Analysten von SovEcon. Das Wetter war in Russland in der letzten Woche für die Aussaat und das Auflaufen der neuen Ernte in den meisten Getreideregionen weiter relativ ungünstig (trocken), sagte SovEcon, aber die Situation könnte sich in dieser Woche verbessern, da die Regenvorhersage besser ist und die Temperatur über der Norm liegen und die Pflanzen dadaurch zusätzliche Zeit haben, sich vor dem Winter zu entwickeln.

Die Exportpreise für ukrainischen 12,5 Prozent Weizen blieben in der vorigen Woche nahezu unverändert bei 252 bis 256 USD pro Tonne, teilte die Landwirtschaftsberatung APK-Inform mit.

Australiens Weizen erstmals seit 4 Jahren billiger als in Russland

Weizenernte.

Die Preise für australischen Weizen fielen vorige Woche zum ersten Mal seit mindestens vier Jahren unter die Preise am Schwarzen Meeres. Ein Grund ist die nach Analystenangaben rekordverdächtig erwartete australische Weizenernte. Für die Verschiffung im Januar wird australischer Premiumweizen (APW) mit 275 USD pro Tonne notiert, einschließlich Kosten und Fracht (C & F), zur Lieferung nach Südostasien, verglichen mit einer ähnlichen Qualität beim Schwarzmeerweizen für 285 USD pro Tonne.

„Der australische Weizen-Preis wird wahrscheinlich weiter fallen, da die Ernte wirklich sehr groß wird", sagte Ole Houe, ein Analyst aus Sydney. „Die Erzeuger verkaufen bei den derzeitigen (hohen) Preisen zügig, denn die erwarteten Erträge sind enorm." Die Analysten von IKON Commodities schätzen die unmittelbar bevorstehende Weizenernte in Australien für 2020/21 derzeit auf 32 Millionen Tonnen.

 „Die jüngste Aufwärtskorrektur der Ernteprognose basiert auf Berichten über Rekorderträge im Norden von New South Wales (NSW) sowie auf reichlichen Niederschlägen in Ostaustralien, die in letzter Minute einen zusätzlichen Schub für die Ernte bringen dürften", heißt es in einem Bericht. „Die Produktion in NSW wird jetzt auf 13,2 Millionen Tonnen geschätzt. Das wäre ein neues Allzeithoch.

Die Ernte-Prognose ist verglichen mit der Schätzung der australischen Agrarbehörde ABARES, die die Weizenproduktion des Landes bereits auf sehr gute 28,91 Millionen Tonnen prognostizierte, nochmals ein Riesensprung nach oben.

Kassapreise sind kräftig nach oben geschossen

Getreide verladen.

Am europäischen Terminmarkt hatten die Weizenpreise am Freitag leicht nachgegeben und notierten bei 208 Euro je Tonne behaupten. Das ist im Vergleich zur Vorwoche ein Plus von 4 Euro. Am Hamburger Exporthafen sind die Weizenpreise für die Anlieferung im November zuletzt kräftig gestiegen und notierten am Freitag bei 210 Euro je Tonne. Gegenüber der Vorwoche ein Plus von 12 Euro. Für Futtergerste lagen die Preisangebote am Hamburger Hafen am Freitag bei 183 Euro je Tonne und damit rund 10 Euro höher als vor einer Woche. Für Brotroggen wurden in Hamburg am Freitag 169 Euro geboten und damit unveränderte Preise.

Nach den Daten der EU-Kommission haben die Europäer bis zum 01. November etwa 7,2 Millionen Tonnen Weizen in Drittländer verschifft – das sind 30 Prozent weniger als im vorigen Jahr. Bei Gerste wird eine Ausfuhrmenge von 2,6 Millionen Tonnen gemeldet. Ein Minus von 13 Prozent zum Vorjahr. Frankreich hat bisher 1,8 Millionen Tonnen Weizen und 959.000 Tonnen Gerste exportiert. Deutschland kommt auf 480.000 Tonne Weizen und 279.000 Tonnen Gerste und am rumänischen Schwarzmeerhafen Constanta wurden 942.000 Tonne Weizen und 665.000 Tonnen Gerste verladen.

Lettland, Litauen und Polen haben bislang mehr Weizen in Drittländer verkauft als Deutschland. Bei Gerste rangieren die Deutschen hinter Frankreich und Rumänien auf Position drei. Die Hauptabnehmer von europäischen Weizen sind bisher Algerien, China, Nigeria, Saudi-Arabien und Südafrika. Die wichtigsten Zielländer für Gerste sind Saudi-Arabien und China und – mit großem Abstand vor Marokko, Algerien und Tunesien.

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