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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise: China-Virus sorgt für Marktschock

GETREIDE
am Montag, 27.01.2020 - 12:43 (Jetzt kommentieren)

So schnell kann der Markt drehen. In Chicago fielen die Weizenpreise im vorbörslichen Handel um fast 2 Prozent. Grund ist die Corona-Virus-Epidemie in China.

CBOT Weizen

Die Folgen für den Agrar- und Rohstoffhandel könnten gravierend sein. Schließlich ist China der größte Importeur von Agrarprodukten und für sehr viele Länder ein enorm wichtiger Handelspartner. Der Schock an den Märkten über die rasante Ausbreitung des Virus war groß. Weltweit gingen die Aktienindizes und die Rohstoff- und Agrarpreise auf Tauchstation.

An der Börse in Chicago folgen die Maispreise dem Weizen nach unten und fielen im vorbörslichen Handel um 1 Prozent, die Kurse für Sojabohnen rutschen auf den niedrigsten Stand seit mehr als sechs Wochen. Auch die europäischen Getreidepreise konnten dem Druck an den internationalen Börsen nicht widerstehen. Der europäische Weizen verlor an der MATIF zum Handelsbeginn rund 3 Euro je Tonne und fiel auf 193 Euro je Tonne. Bei Raps gab es einen Abschlag von 4 Euro auf 402 Euro je Tonne und auch die Maispreise verloren 2 Euro auf 170 Euro je Tonne.

Die Kassapreise für Getreide folgen dem Terminmarkt nicht ganz so schnell nach unten, doch nach oben ist der Weg erst einmal versperrt. Für eine Konsolidierung des Marktes wäre es aber unbedingt nötig, dass China die Epidemie schnell in den Griff bekommt und auch die möglichen Folgen für die Wirtschaft abschätzt. Märkte mögen jedenfalls keine Unsicherheit – sonst geht es schnell weiter nach unten. 

Angst vor den Folgen der Virus-Epidemie

Corona-Virus

An den internationalen Agrar- und Rohstoffmärkten hat die Besorgnis über die weitere Ausbreitung des Corona-Virus in China und dessen mögliche wirtschaftliche Folgen jedenfalls eine  große Verkaufswelle und einen Preisrutsch auf breiter Basis ausgelöst. "Der Ausbruch ist ziemlich schwerwiegend, er drückt die Aktien- und Rohstoffmärkte, einschließlich der Agrarprodukte, empfindlich nach unten", sagte Ole Houe, Analyst bei IKON Commodities. "Das Virus kann sich viel schneller verbreiten, als irgendjemand denkt, da gerade Chinesisches Neujahrsfest ist und sehr viele Menschen auf Reisen sind."

Es wird zudem erwartet, dass das Virus die möglichen Exporte von US-Agrarprodukten nach China, dem weltweit größten Importeur von Sojabohnen und anderen landwirtschaftlichen Produkten, bremst. Erst vor kurzem hatten China und die USA den Abbau der Handelsspannungen vereinbart. Händler und Farmer warteten bisher jedoch vergebens auf Anzeichen für einen verstärkten chinesischen Kauf von US-Agrarprodukten, nachdem sich Peking verpflichtet hatte, die Importe erheblich zu steigern. Das Abkommen sollte die Spannungen nach fast zweijährigem Handelskrieg abbauen.

Diese Entwicklung wird durch den Ausbruch der Lungenkrankheit in China nun in Frage gestellt und könnte den Druck auf die Agrarpreise kräftig erhöhen. Zu den Problemen in China kommt nämlich die Sorge vieler Händler, über eine sehr große Soja- und Maisernte die in Brasilien. Diese könnte den Markt in den nächsten Wochen zusätzlich unter Druck setzten. "Es gab bärische Nachrichten über eine Monster-Ernte in Brasilien, aber ich denke, der Großteil der Verkäufe geht auf diese Coronavirus-Geschichte zurück", sagte John Payne, Analyst und Broker von Daniels Trading in Chicago.

Kassapreise dürften dem Terminmarkt bald folgen

MATIF weizen

Am europäischen Terminmarkt standen die Weizenpreise ebenso massiv unter Druck wie die Kurse in den USA oder am Weltmarkt. Im laufenden Handel am Montag gaben die Kurse deutlich um etwa 3 Euro nach. Der vordere Weizenkontrakt notierte Montag Mittag nur noch bei 193 Euro je Tonne und damit rund 5 Euro niedriger als in der vorigen Woche. Die neue Ernte 2020 wurde rund 7 Euro unter dem vorderen Märzkontrakt – mit 186 Euro  je Tonne – gehandelt.

Am Kassamarkt dürften die Preise den negativen Vorgaben vom Terminmarkt folgen – wenn es nicht schnell eine Konsolidierung gibt. Brotweizen wurde am Hamburger Großmarkt und Exporthafen am Freitag mit 189 Euro je Tonne notiert. Das waren schon 4 Euro weniger als Mitte voriger Woche. Auch an den wichtigsten ostdeutschen Handelsplätzen waren die Brotweizenpreise etwa 4 Euro auf 173 Euro je Tonne gefallen.

Die Preise für Futterweizen lagen in Hamburg bei 187 Euro und in Südoldenburg bei 192 Euro je Tonne. Für Futtergerste wurden in Hamburg am Freitag 172 Euro je Tonne geboten. An den ostdeutschen Großhandelsplätzen handelte man Futtergerste zu Preisen von 156 Euro je Tonne.

Importmais vom Schwarzen Meer wurde am Hamburger Hafen (fot Brake) vorige Woche für 180,50 Euro je Tonne angeboten. Für die Termine Februar bis April lagen die Preisforderungen bei 181 Euro je Tonne.

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