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Getreidemarkt und Getreidepreise

Chinas Hunger und Russlands Zölle jagen die Getreidepreise

Maiskörner
am Montag, 08.02.2021 - 13:16 (Jetzt kommentieren)

Die Nachfrage nach Weizen, Mais und Soja ist hoch – und das Angebot knapp. Die Folge: Die Getreidepreise bleiben oben.

Weizenkurs an der Matif

Viele Analysten sehen vor dem USDA-Report am 9. Februar sogar noch weitere Luft nach oben für die Getreidepreise. In den USA sorgte ein gewaltiger Rekordeinkauf von Mais durch China bereits vorige Woche für ein neues 8-Jahres-Hoch der Maispreise. Und auch die übrigen Getreidearten und Sojabohnen können vom gewaltigen chinesischen Nachfragesog profitieren.

Vom kommenden USDA-Bericht erwarten Händler und Analysten, dass das US-Landwirtschaftsministerium die Exportschätzungen für Mais und Sojabohnen und wohl auch für Weizen weiter erhöhen wird. Der daraus resultierende Rückgang der Endbestände würde das bereits enge Verhältnis von Beständen zum Verbrauch weiter schrumpfen lassen und die Möglichkeit eröffnen, dass die Getreidepreise weiter steigen. Der US-Analyst Jack Scoville sagt: „Wir rechnen allgemein mit bullischen Zahlen am Dienstag.“

Gestützt wird diese Entwicklung durch das Wetter: Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA sorgt ein extreme Kältewelle aus der Arktis am Wochenende und in der nächsten Woche für einige Probleme beim Winterweizen. Die Temperaturen fallen tief unter den üblichen Durchschnitt – und nicht überall liegt ausreichend Schnee. Wie viel Schaden am Winterweizen entsteht, ist allerdings offen, da der schlimmste Frostschaden an den Pflanzen üblicherweise meist Ende März oder Anfang April auftritt.

Getrieben werden die Preise zudem von der langsamsten brasilianischen Sojabohnenernte seit 10 Jahren.

Russlands Zölle treiben die Weizenpreise

Weizenpreis an der Börse in Chicago

Ausschlaggebend für die Preisentwicklung am globalen Weizenmarkt sind indessen die Exportrestriktionen Russlands – die ab 15. Februar in Kraft treten. Mit diesen Maßnahmen versucht die russische Regierung, die Weizenexporte zu reduzieren, um den anhaltenden Anstieg der inländischen Lebensmittelpreise zu bremsen. Vom 15. bis 28. Februar wird eine Steuer von 25 Euro pro Tonne erhoben, die vom 1. März auf 50 Euro pro Tonne Weizen ansteigt.

Außerdem ist geplant, zwischen dem 1. April und dem 1. Juli auf ein neues formelbasiertes Zollsystem umzusteigen. Der Preis für die Formel soll nicht der Preis des jeweiligen Exportvertrags sein, sondern eine von der Moskauer Börse berechnete Benchmark, sagte der Leiter der russischen Union der Getreideexporteure Eduard Zernin gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

Zernin sagte: „In Kürze wird ein Komitee eingerichtet, dem Vertreter der Moskauer Börse, Analysten und Marktteilnehmer angehören sollen“. Russlands Plan, die Nahrungsmittelinflation durch die Eindämmung der Getreideexporte zu kontrollieren, dürfte die Verkäufe des weltweit größten Exporteurs an seine Großkunden wie Ägypten bedrohen, glauben Händler und Analysten. Auch andere Regierungen haben bereits Maßnahmen ergriffen, um die steigenden Inlandspreise für Getreide und Nahrungsmittel zu bekämpfen. Wie die FAO meldet, haben die weltweiten Lebensmittelpreise ihren höchsten Stand seit mehr als sechs Jahren erreicht, weil viele Volkswirtschaften Maßnahmen gegen die Folgen der COVID-19-Pandemie verhängen.

Die russische Formel zur Berechnung der Exportsteuer macht es zudem für Händler schwierig sich Getreideverkäufe zu sichern, bei denen der Versand möglicherweise mehrere Wochen lang nicht erfolgt. Dies verhindert, dass Händler in der Lage sind, den Preis zu berechnen, zu dem sie einen rentablen Verkauf tätigen können, und sowohl den Preis, den sie an den Landwirt zahlen, als auch die Exportsteuer abzudecken. "Das könnte den Terminverkauf stoppen", befürchtet ein russischer Händler.

China kauft und kauft und kauft

Maisnotierung in Chicago

Chinas industrielle Maisverbraucher versuchen die Getreidevorräte aufzustocken, nachdem sich die Schweinebestände deutlich schneller erholen als erwartet – und die Getreidepreise am Binnenmarkt immer höher klettern und oft über den bereits hohen Weltmarkpreisen liegen. Der Nachfrageboom hat die lokalen chinesischen Maispreise im Jahr 2020 um 50 Prozent erhöht und Rekordimporte bei allen Getreidearten ausgelöst, einschließlich Chinas größtem US-Maisgeschäft aller Zeiten in der vergangenen Woche.

Viele der Einkäufe sind nach Angaben von Händlern offenbar für den sofortigen Verbrauch bestimmt. Immer mehr Käufer versuchen aber auch, die Lagerbestände in Erwartung anhaltender Versorgungsengpässe aufzubauen. Sie kaufen immer weiter, selbst als die chinesischen Bauern im vorigen Jahr eine gute Maisernte einbrachten, die offiziell auf über 260 Millionen Tonnen geschätzt wurde.

Die Bevorratung erfolgt aber auch, nachdem die Maisproduktion im vorigen Jahr von Überflutungen und Taifunen heimgesucht wurde und die zahlreichen staatlichen Auktionen die staatlichen Reserven ausgedünnt haben, während sich die Nachfrage des Schweinesektors nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest sehr kräftig erholt.

Nach Angaben der National Food and Strategic Reserves Administration kauften chinesische Handelsunternehmen vom Beginn der neuen Erntesaison am 1. Oktober bis zum 10. Januar rund 62,8 Millionen Tonnen Mais von Landwirten, nach 50,8 Millionen Tonnen im Vorjahr. Händler in wichtigen chinesischen Getreidezentren bauen indessen weiter Maisbestände auf, in Erwartung anhaltend hoher Preise und knapper Lieferungen.

Das US-Landwirtschaftsministerium schätzt, dass Chinas Maisverbrauch in der Saison 2020/21 die Produktion um rund 25 Millionen Tonnen übersteigen wird.

Extrem langsame Sojabohnenernte in Brasilien

Sojanotierung in Chicago

In Brasilien werden die Regenfälle, die die Ernte und den Transport der Sojabohnenernte 2020/21 verlangsamt haben, voraussichtlich den ganzen Februar über anhalten und potenzielle Störungen beim weltweit größten Produzenten und Exporteur von Ölsaaten verursachen, begründen Analysten die anhaltend hohen Sojapreise. Die starken Regenfälle, die Probleme für den Export Brasiliens verursachen, lassen die Preise bei anderen Exporteuren wie den USA weiter steigen. Während sich die brasilianische Sojaernte im langsamsten Tempo seit zehn Jahren voranquält, stehen die Frachtschiffe in Häfen wie Santos und Paranaguá Schlange, um Ware zu laden.

„Die Ernte von Sojabohnen in der zweiten Februarwoche wird ebenso kompliziert sein wie der Getreidetransport zu den nördlichen Häfen", sagt der Wetterexperte Marco Antonio Santos gegenüber Reuters. Das nasse Wetter verlangsamt die Ernte auf den Feldern und erschwert es den Bohnen, richtig zu trocknen. In Gebieten, in denen sich Sojabohnen noch in der Entwicklung befinden, erhöht die übermäßige Feuchtigkeit das Krankheitsrisiko.

Die Ernte der brasilianischen Sojabohnen 2020/21 erfolgte bis zum 28. Januar erst auf 1,9 Prozent der Anbaufläche, das langsamste Tempo seit 2010/11, als ebenfalls Pflanzverzögerungen und Regen die Erntearbeit störten. In einer Erklärung sagte das Beratungsunternehmen AgRural, dass die Erntemenge etwa 2,5 Millionen Tonnen beträgt. Dies steht im Vergleich zu 11,7 Millionen Tonnen, die zur gleichen Zeit im letzten Jahr geerntet wurden.

Der jüngste Regen hat es nicht nur schwer gemacht, die Sojabohnen auf einigen Feldern zu ernten, sondern auch Spekulationen über den Verlust der Kornqualität aufgrund übermäßiger Feuchtigkeit ausgelöst, berichtet AgRural. Die Berater schätzen Brasiliens Sojabohnenernte auf 131,7 Millionen Tonnen, aber die Zahl wird in diesem Monat angepasst, wenn die Erwartung von mehr Regenwetter die Ernte weiter verzögern und möglicherweise zu Ertragsverlusten führen könnte.

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