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Getreidemarkt und USDA-Report

Getreidepreise: Erwacht der Markt heute aus dem Winterschlaf?

Getreideexport
am Dienstag, 10.12.2019 - 11:37 (Jetzt kommentieren)

Heute Abend könnte der Getreidemarkt aus seinem Winterschlaf erwachen. Dann könnte der neue USDA-Report die Preise in Bewegung bringen.

Ganz oben auf dem Zettel der Analysten stehen die aktualisierten Erntedaten aus den USA für Mais und Soja. Ebenso könnten die Verarbeitung der neuen sehr schlechten Ernte-Daten aus Australien und die guten Ernte- und Anbau-Prognosen vom Schwarzen Meer für Bewegung bei den Preisen sorgen.

Darüber hinaus wird diese Woche aber auch der weitere Verlauf der handelspolitischen Gespräche zwischen den USA und China die Märkte beschäftigen. Nächste Woche wären nämlich neue Zölle fällig – falls bsi dahin nichts passiert. Auch die bereits in dieser Woche anstehenden Zinsentscheidungen der FED und der EZB, könnten für einige Turbulenzen an den globalen Rohstoff- und Getreidemärkten sorgen.

Bis zum Ende der vorigen Woche sind die Weizenpreise an den Exportmärkten jedenfalls sehr kräftig gestiegen und haben am vorigen Freitag sowohl in Europa als auch am Schwarzen Meer ein neues 6-Monatshoch erreicht. Das hat auch den Weizenpreisen am europäischen Binnenmarkt nach oben geholfen.

Am Hamburger Exporthafen stiegen die Kurse für Brotweizen in der vorigen Woche auf 190 Euro/t und damit auf den höchsten Stand seit Ende Juni – und zudem 24 Euro über den letzten Tiefpunkt vom August. Mit dieser Rallye war es jedoch zum Beginn der aktuelle Woche zunächst einmal wieder vorbei. Die Preise  korrigierten für Weizen und Gerste um etwa 4 Euro nach unten. Und vor dem USDA-Report startet der Handel erneut leicht im Minus.

Der Mais bewegt sich hingegen seit Wochen seitwärts und wartet vor allem auf bullische Impulse aus den USA. Denn in Südamerika und in der Ukraine ist reichlich Ware für den Export vorhanden – das hält die Kurse bislang in Schach- trotz der immer weiter schrumpfenden US-Ernte.

Schneestürme, Handelsstreit und Zinsentscheidung

Mais im Schnee

Am Montag fegte erneut  ein Schneesturm durch den Mittelwesten. Und das USDA veröffentlichte seinen letzten wöchentlichen Erntefortschrittsbericht des Jahres. Dabei zeigte sich: In einigen Bundesstaaten war die Maisernte immer noch weit hinter dem Normalwert zurückgeblieben. In seinem Crop Progress Report meldete das USDA, dass Maisernte am 8. Dezember erst zu 92 Prozent eingebracht war. Das bedeutet auch, dass von den geplanten 32,8 Mio. Mio. ha Maisfläche rund 2,6 Mio. ha noch nicht abgeerntet waren. Ganz besonders betroffen waren die Farmer in den nördlichen Bundesstaaten.

Der Markt reagierte auf diese eher bullischen Daten jedoch verhalten. „Es ist weiterhin ein sehr ruhiger Handel auf dem Maismarkt", sagt Matt Tranel, Analyst bei der Commodity Risk Management Group. „Das war auch schon der Trend in den letzten zwei bis drei Wochen, da der Markt im Winterschlaf liegt, bis neue Nachrichten auftauchen.“ Tranel erwartet zudem bei Mais auch diesmal keine großen Preis-Veränderungen, obwohl die Mehrzahl der Analysten von einer weiteren Korrektur der Maisernte und der Endbestände nach unten ausgeht.

„An der Sojafront sehen wir hingegen etwas mehr Bewegung, da auf dem Markt davon die Rede ist, dass China möglicherweise weitere Zollbefreiungen für die USA gewährt. Bei Sojabohnen und auch bei Schweinefleisch “, fügt Tranel hinzu. „Es ist so, dass die USA am 15. Dezember planen, zusätzliche Zölle auf chinesische Waren anzuwenden. Der Markt kalkuliert eine gewisse Prämie ein, aber letztendlich endet dieser Markt in Abhängigkeit von der Politik, und wir haben dieses Lied und den Tanz schon oft gesehen,“ beschreibt der Analyst die Lage.

Australien mit katastrophaler Weizenernte

Getreideernte Australien

Am Weizenmarkt dürfte das USDA die australische Weizenernte weiter nach unten korrigieren. Gleichzeitig ist jedoch eine Aufwärtskorrektur der russischen Ernte möglich. Das könnt sich ausgleichen.  Der Rohstoffmakler INTL FCStone prognostizierte am Montag, dass die australische Weizenproduktion in diesem Jahr um 5,6 Prozent unter den offiziellen Schätzungen liegen wird, da eine extreme Dürre im Osten des Landes keine Anzeichen für eine Entspannung zeigt.

Die FC-Stone-Analysten prognostizierten für die Ernte 2019/20 eine australische Weizenproduktion von 14,97 Millionen Tonnen, was noch deutlich unter der jüngsten offiziellen Schätzung des Landes von 15,85 Millionen Tonnen liegt. Australiens Landwirtschaftsbehörde ABARES hat in der vergangenen Woche seine Produktionsprognose um fast 20 Prozent gesenkt.

Damit wird die Produktion wegen der Dürre voraussichtlich auf ein 11-Jahrestief fallen. Australien ist in der Regel einer der größten Weizen- und Gersten-Exporteure der Welt. Wegen dieser schwachen Ernte – dürfte das Land jedoch größere Marktanteile in lukrativen Märkten wie Indonesien, China und Südkorea verlieren.

Weizen und Gerste diese Woche schwächer

Weizenpreise MATIF

Am deutschen Binnenmarkt sind die Weizen –und Gerstenpreise zum Beginn dieser Woche zurückgegangen. Am Hamburger Großmarkt und Exporthafen wird Brotweizen derzeit mit 186 Euro je Tonne notiert. Das sind 4 Euro je Tonne weniger als vor einer Woche. Auch an den wichtigsten ostdeutschen Handelsplätzen sind die Brotweizenpreise im Wochenvergleich um etwa 4 Euro auf jetzt 170 Euro je Tonne gefallen.

Die Preise für Futterweizen lagen in Südoldenburg zuletzt bei 185 Euro je Tonne und damit ebenfalls 4 Euro unter der Vorwoche. Für Futtergerste werden in Hamburg aktuell etwa 167 Euro geboten – dass sind 3 Euro weniger als in der vorigen Woche. An den ostdeutschen Großhandelsplätzen wurde Futtergeste zum Beginn dieser Woche mit  etwa 149 Euro je Tonne gehandelt. Das ist ebenfalls ein Preisabschlag von 3 Euro zur Vorwoche.

Für Futtermais wurden in Südoldenburg diese Woche 189 Euro je Tonne geboten. Das sind ebenfalls 4 Euro weniger als vor einer Woche.

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