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Getreidemarkt

Getreidepreise: Export zieht die Preise nach oben

Getreide verladen
am Donnerstag, 21.11.2019 - 17:19 (Jetzt kommentieren)

Das haben nur wenige Bauern erwartet: Das Angebot in Europa ist groß – und trotzdem sind die Getreidepreise gestiegen.

Nach der Ernte haben die Weizenpreise um gut 15 Euro zugelegt und sind am Terminmarkt zuletzt wieder über die 180-Euro-Marke geklettert. Auch Analysten sind sich nicht ganz einig, was genau die entscheidende Ursache für die gestiegenen Weizen- und Gerstenpreise ist  – Trotz der sehr großen globalen und europäischen Ernte.

Fakt ist: Auch am Schwarzen Meer fällt die Weizen- und die Gerstenernte sehr groß aus. Sogar größer als als Analysten bisher erwartet haben. Trotzdem konnten diese bärischen Nachrichten den Preisanstieg nicht verhindern. Ein Grund für die steigenden Preisen war sicherlich die Markt-Entwicklung ind en USA und die insbesondere bei Weizen kräftig gestiegenen US-Preise. Der US-Weizen dürften unter anderem auch von den massiven witterungsbedingten Ernteeinbußen bei Mais profitiert haben.

Der Preisanstieg beim US-Weizen zog über die Terminmärkte auch die Getreidepreise in anderen Regionen nach oben. Mittlerweile lassen die ersten Prognosen für 2020 einen Rückgang der Aussaatflächen beim US-Weizen erwarten – gleichzeitig jedoch eine kräftige Ausweitung der Anbauflächen für Soja und Mais. Das bleibt nicht ohne Einfluss auf die Preise.

Für die europäischen Weizenpreise dürfte jedoch noch ein anderer Aspekt großen Einfluss auf die Preisbildung gehabt haben: Nämlich der der Export - und dass, trotz des harten Wettbewerbs mit Russland und der Ukraine um die wichtigsten Absatzmärkte.

Weizenexport bestimmt die Preise

Getreidepreise

Das der Getreideexport maßgeblich zum Preisanstieg bei Weizen und Gerste beigetragen hat – zeigt ein Blick auf die internationalen Exportpreise. Diese sind an den Verladehäfen am Schwarzen Meer für Weizen seit September um mehr als 20 USD gestiegen – obwohl die russische Ernte immer weiter nach oben geschätzt wurde. Derzeit verlangen die Russen für Weizen etwa 208 USD je Tonne fob-Exporthafen. Das sind nur 10 USD weniger als im vorigen Jahr und sogar 8 USD mehr als an den französischen Verladehäfen gezahlt werden muss. Problem ist: Auch in Frankreich war die Ernte sehr grroß.

Der Vorteil der Russen: Die russischen Frachtkosten Richtung Ägypten und Nordafrika sind vom Schwarzen Meer deutlich niedriger als aus Europa - so ist Gesamtpreis ebenfalls günstiger  – was die ständigen Ausschreibungsgewinne der Russen erklärt. Doch die Ware fließt offenbar aus Europa zügiger ab als zunächst erwartet und zieht auch die Preise hierzulande mit nach oben.

Die Preisforderungen an den franzöischen Exporthäfen liegen derzeit bei 200 USD je Tonne (fob). Damit sind unsere westlichen Nachbarn – gemeinsam mit Rumänien und Bulgarien - die Preisführer am internationalen Weizenmarkt.

Das gilt auch für Futtergerste: Hier liegen die Preise fob-Schwarzmeerhafen derzeit bei 187 USD je Tonne und in Frankreich – etwas niedriger – bei 184 USD je Tonne. Hier sind die Preise bei beiden Top-Exporteuren allerdings 50 USD je Tonnen niedriger als vor einem Jahr – was auf eine erheblich bessere globale Versorgungslage schließen lässt.

Weizenexport: Deutschland hängt hinterher

Getreideexport

Aufgrund der günstigen Preise haben die wichtigsten europäischen Exporteure – mit Ausnahme von Deutschland – schon ein dickes Stück vom Exportkuchen abbekommen. In den ersten 5 Monaten des aktuellen Wirtschaftsjahre erreichten die europäischen Weizenausfuhren in Drittländer eine Größenordnung von 10,8 Mio. Tonnen. Das sind 54 Prozent (!!) mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres – des Dürrejahres 2018.

Anders als die meisten anderen europäischen Exporteure konnte Deutschland bislang nur in begrenztem Umfang von der boomenden globalen Nachfrage profitieren – auch wenn die Preise auch hierzulande zuletzt gestiegen sind. Die Gründe für dei schwächeren Exporte sind nicht ganz klar - doch könnte zum einen proteinreicher Qualitätsweizen am Weltmarkt etwas weniger gefragt sein – oder andere Wettbewerber – wie Kanada oder Russland - bieten diese Ware günstiger an. Möglicherweise ist auch das Angebot am deutschen Binnenmarkt knapper als gedacht – und das verteuert den deutschen Weizen gegenüber der Konkurrenz aus Frankreich und Rumänien.

Fakt ist jedenfalls: Deutschland kann bei den Exporten nicht richtig mithalten und liegt im Ranking der innereuropäischen Wettbewerber – noch deutlich hinter den baltischen Ländern, Bulgarien und Polen - nur auf Position 6 - mit rund 640.000 Tonnen. Deutlich mehr Weizen haben Frankreich und Rumänien in Drittländer verkauft - mit 3,0 Mio. Tonnen und 2,5 Mio. Tonnen. Dahinter rangieren dann Bulgarien, Lettland und Litauen, mit Ausfuhren von jeweils etwa 1,0 Mio. Tonnen, Polen kommt immerhin noch auf 670.000 Tonnen – und liegt damit noch vor Deutschland. Diemit Abstand wichtigsten Abehmer von europäischen Weizen waren in diesem Wirtschaftsjahr: Algerien, Saudi-Arabien, Ägypten und China.

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