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Getreidemarkt und Getreidepreise 2021

Getreidepreise: Extreme Preissprünge - ist der Markt aus den Fugen?

Getreidefeld.
am Montag, 31.05.2021 - 13:15 (Jetzt kommentieren)

Die Preissprünge an den Getreidemärkten sind heftig. Und das wird sich wohl so schnell nicht ändern.

weizenpreise.

In der vorigen Woche hat ein neuer Großeinkauf Chinas bei Mais die Getreidepreise nach oben gejagt – nachdem es in den Tagen zuvor deutlich nach unten ging. Auch die extreme Trockenheit beim weltweiten Top-Exporteur Brasilien beeinflusst das Marktgeschehen weiterhin – dort meldeten die Behörden vorige Woche die schlimmste La-Nina-bedingte Trockenheit seit 91 Jahren.

Gleichzeitig erwarteten die Chinesen eine große Weizenernte und auch aus Russland kommen bärische Meldungen: Nämlich eine große Weizenernte und eine drastische Senkung der Exportsteuer im Juni. Ähnlich preisdrückend waren die Meldungen aus der Ukraine und aus Europa. In Europa war es zwar weiterhin kalt, doch bei den Top-Produzenten Frankreich und Deutschland gab es reichlich Regen und die Bestände stehen sehr gut da, meldet die Agrarbehörde FranceAgrimer.

Fakt ist aber auch: Das Wirrwarr an Informationen gibt noch lange kein einheitliches Bild. Die Märkte regieren deshalb extrem nervös auf jede Neuigkeit – vor allem in den USA. Und von dort kommen derzeit die stärksten Impulse. Doch heute ist in den USA ein Feiertag und die europäischen Getreidepreise müssen ohne Vorgaben aus Übersee auskommen.  

China kauft und kauft – Hohe Prognosen aus Europa

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In der vorigen Woche waren die Getreidepreise in den USA kräftig gestiegen, nachdem es zuvor ebenso steil nach unten ging. Auslöser für den Preisanstieg war die Bestätigung, dass China weiterhin in große Mengen US-Getreide der neuen Ernte kauft. Das US-Landwirtschaftsministerium hatte gemeldet, dass vorige Woche mehr als 5,6 Millionen Tonnen Mais der neuen US-Ernte nach China verkauft wurden, ohne dass es größere Stornierungen bei den Bestellungen der alten Ernte gab. Gleichzeitig berichteten Analysten über anhaltend trockene Bedingungen in Chinas größter Maisanbauregion.

In den nördlichen Bundesstaaten der USA gab es zudem einen späten Frosteinbruch, der die jungen Maispflanzen und vor allem den Sommerweizen geschädigt haben könnte, glauben Analysten. „Wir haben einfach nicht viel Spielraum für Einbrüche in den Bilanzen", erklärte ein US-Analyst die heftige Reaktion der Märkte. „Sowohl das Wetter als auch die wirklichen Anbauflächen sind immer noch die großen Unbekannten“, hieß es weiter.

Für den größten Teil des Mittleren Westens waren die Aussaatbedingungen zwar gut, doch für den weiteren Aufwuchs der Pflanzen ist es fast im gesamten US-Maisgürtel viel zu trocken und die Aussichten sind nicht deutlich besser.

Die jüngsten Niederschläge in Frankreich haben den Zustand der Pflanzen bei Weichweizen und Gerste nach Angaben des französischen Landwirtschaftsbüros FranceAgriMer deutlich verbessert. Schätzungsweise 80 Prozent des französischen Weichweizens befinden sich danach in guter oder ausgezeichneter Verfassung. In Deutschland dürfte die Situation nicht viel schlechter sein.

Defizit am Maismarkt bleibt – Chinas Preise weiterhin sehr hoch

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Der jüngste chinesische Großeinkauf von US-Mais hat den Fokus der Märkte zudem wieder stärker auf das knappe globale Angebot gelegt. Der Internationale Getreiderat (IGC) hat am Donnerstag seine Prognose für die weltweite Maisproduktion in der Saison 2021/22 zwar angehoben und das damit begründet, dass die hohen Preise zu einer Ausweitung des Angebotes führen. Gleichzeitig stellt der IGC jedoch fest, dass der Verbrauch die Produktion übersteigt. Damit hält der IGC an seiner Einschätzung fest, dass der Maismarkt sein fünftes Defizit in Folge verzeichnen wird.

Ähnlich wie andere Analysten erwartet auch der IGC, dass Chinas Nachfrage nach Futtergetreide und vor allem nach Weizen im neuen Erntejahr sehr hoch bleiben wird. Der Grund: Weizen ist in China und am Weltmarkt preislich derzeit günstiger als Mais. Das heizt die Nachfrage kräftig an. Doch auch Mais wird weiter benötigt und gekauft, wie die jüngste Aktion der Chinesen zeigt. Analysten glauben jedoch, dass chinesische Futtermittelhersteller versuchen werden, den Mais in den Futterrationen durch möglichst viel Weizen aus der neuen Ernte zu ersetzen.

Das wird die globalen Handelsströme und Getreidepreise beeinflussen. In der laufenden Saison stiegen Chinas Importe von Mais und Weizen jedenfalls auf Rekordniveau, was die Preise in die Höhe trieb und die globalen Getreidemärkte massiv beeinflusste. Sollte die neue chinesische Weizenernte so groß ausfallen wie von den chinesischen Behörden erwartet wird, könnte das die Nachfrage nach Importen indessen dämpfen. Die staatliche chinesische Getreidebehörde CNGOIC prognostiziert für 2021 bei Weizen eine Rekordernte von 136,4 Millionen Tonnen.

Die Preise für Weizen am chinesischen Terminmarkt lagen am Freitag für den vorderen Juli-Termin bei 2.615 Yuan (340 Euro je Tonne) - für den September - doch etwas überraschend - deutlich höher bei 2.780 Yan (361 Euro).

Gleichzeitig lagen die Maispreise am Terminmarkt in Dalian für den Julitermin bei 2.740 Yuan pro Tonne (356 Euro) und für den November (neue Ernte) bei 2.650 Yan je Tonne (344 Euro). Damit ist Mais in China für die alte Ernte zwar noch teurer als Weizen – jedoch nicht mehr für die neue Ernte. Das stellt manche Prognose in Frage.

Russland senkt Exportsteuer – Preise für die neue Ernte fallen

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Russlands Weizenexportsteuer wird Anfang Juni kräftig sinken, kündite das Landwirtschaftsministerium vorige Woche an. Danach könnte Russland seine Getreideexporte in der Vermarktungssaison 2021/22, trotz einer etwas kleineren Ernte, um 3 Millionen Tonnen auf 51 Millionen Tonnen steigern. Das Ministerium geht davon aus, dass die russische Getreideernte 2021 rund 127,4 Millionen Tonnen betragen wird. Davon entfallen rund 81 Millionen Tonnen auf Weizen. Das Land erntete im Jahr 2020 immerhin 133,5 Millionen Tonnen Getreide, darunter 85,9 Millionen Tonnen Weizen.

In der laufenden Saison hatte Russland eine Exportquote und eine Steuer eingeführt, um die steigende Nahrungsmittelpreisinflation des Landes zu dämpfen und die inländischen Getreidepreise unten zu halten. Die Exportquote, die Russland vom 15. Februar bis 30. Juni auf 17,5 Millionen Tonnen Getreide festsetzte, wird in dieser Saison aber nicht ausgeschöpft, berichten russische Quellen.

Die neue formelbasierte Steuer auf Getreideexporte wird am 2. Juni eingeführt und dann wöchentlich aktualisiert. Russland beginnt normalerweise Ende Juni bis Anfang Juli mit der Getreideernte. Die Preisforderungen für russischen Weizen der neuen Ernte an den Häfen am Schwarzen Meer lagen zuletzt bei 260 USD pro Tonne (FOB), das sind rund 213 Euro je Tonne, berichten russische Analysten. Die Preise für die alte Ernte lagen bei 272 USD pro Tonne (223 Euro).

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