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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise fallen mit Ausverkauf bei Rohstoffen - Markt in Panik

Getreidesilos.
am Montag, 26.09.2022 - 10:07 (Jetzt kommentieren)

Am Freitag stürzten die globalen Getreidepreise mit den Preisen für Rohöl und anderen Rohstoffen weit nach unten. Weizen brach in Chicago um mehr als 3 % ein, Mais verlor 2,6 % und Soja 2,1 %. Am heutigen Montag geht der Preisrutsch im vorbörslichen Handel weiter. Das zieht auch die europäischen Getreidepreise mit nach unten. Hintergrund sind die sich verstärkenden Sorgen vor den Folgen einer schweren Wirtschaftskrise auf die Nachfrage und den Handel mit Getreide und Rohstoffen. So stürzen die Rohölpreise ebenfalls dramatisch ab und fallen am Montag weiter.

Weizenpreise.

Die Weizenpreise fielen am Freitag am Terminmarkt in Chicago um mehr als 3%. Damit schlossen sich die Getreidepreise einem breiten Ausverkauf an den Rohstoff- und Aktienmärkten an, der mit der Befürchtung einer schweren globalen Wirtschaftskrise verbunden war, die die Nachfrage nach Rohstoffen und Getreide drosseln wird, sagten Analysten.

Die globalen Aktienmärkte brachen am Freitag ebenfalls drastisch ein. Die Rohöl-Preise fielen um fast 6 % und der Euro sackte auf ein 22-Jahres-Tief, was europäisches Getreide am Weltmarkt allerdings etwas wettbewerbsfähiger (billiger) macht.

Getreidehändler und Analysten schauen weiter mit großer Sorge auf den Konflikt in der Ukraine. Die US-amerikanischen und europäischen Weizen-Preise waren deshalb am vorigen Donnerstag zunächst auf den höchsten Stand seit Anfang Juli gestiegen.

Auslöser war Moskaus Ankündigung, mehr Truppen zu mobilisieren und Referenden über den Beitritt der besetzten Regionen der Ukraine zu abzuhalten. Das hatte die Besorgnis über weitere Störungen des Schwarzmeer-Getreidehandels geschürt.

Sehr hohe Schätzungen der russischen Weizenernte und anhaltende Getreidelieferungen aus der Ukraine durch den Schwarzmeerkorridor, milderten jedoch die Versorgungsängste. Verschiedene russische und internationale Analysten sehen die aktuelle russische Weizenernte mittlerweile bei 100 Millionen Tonnen oder größer.

Russland will nach Informationen der Nachrichtenagentur TASS zudem das Abkommen zum Export von Getreide aus ukrainischen Häfen trotz der Kritik aufrechterhalten.

Russland mit Riesenernte und mit Exportproblemen

Der Internationale Getreiderat (IGC) hat am Donnerstag seine Prognose für die weltweite Weizenproduktion 2022/23 angehoben. Ursache ist auch hier eine Aufwärtskorrektur der Ernte in Russland. Der IGC korrigierte die russische Weizenernte auf 93,4 Millionen Tonnen, im Vergleich zur den 87,6 Millionen Tonnen in der vorigen Prognose.

Damit liegt der IGC mit seiner Schätzung jedoch am unteren Ende der bisherigen Prognosen. Russlands Weizenexporte in der Saison 2022/23 ließ der IGC trotz der höheren Produktionsprognose bei 36,5 Millionen Tonnen unverändert, was zu einem erwarteten Aufbau der Lagerbestände im Land führt.

Russland exportierte in den ersten zehn Septembertagen 1,3 Millionen Tonnen Weizen, was einem Rückgang von 28,3 % im Jahresvergleich entspricht, sagte Elena Turina, Direktorin der Analyseabteilung des russischen Getreideverbands, gegenüber Analysten. Die Lieferungen von Gerste gingen um 41 % auf 133,5 Tsd. Tonnen zurück, die Maisexporte um 67 % auf 10 Tsd. Tonnen.

Turina sagte, dass der Export vor allem aufgrund geringerer Lieferungen in die Türkei zurückgegangen sei, wodurch die Ausfuhren in die Türkei um 440.000 Tonnen (72 %) schrumpften. Turina wies auf starke Konkurrenz durch die aktuellen Lieferungen aus der Ukraine hin.

„Ägypten steigert hingegen den Import aus Russland, und mehr als 53.000 Tonnen wurden nach Dschibuti verschifft. Die Lieferungen nach Pakistan, Tunesien und Algerien waren stabil. Algerien ersetzt seit zum Ende der letzten Saison französischen Weizen oft durch russische Ursprünge“, sagte die Analystin.

Die russischen Weizenbestände erwartet der IGC deshalb am Ende der Saison 2022/23 bei 22,5 Millionen Tonnen und damit fast doppelt so hoch wie in der vorigen Saison mit 11,3 Millionen Tonnen.

Ukrainische Getreideexporte laufen weiter gut

Die Getreideernte der Ukraine im Jahr 2022 könnte zwischen 54,1 und 55,7 Millionen Tonnen betragen, verglichen mit einem Rekord von 86 Millionen Tonnen aus dem vorigen Jahr, sagen Analysten von APK-Inform am Samstag. Das Beratungsunternehmen sagte, dass die neue Ernte rund 19 Millionen Tonnen Weizen, 30 Millionen Tonnen Mais und 5,5 Millionen Tonnen Gerste umfassen könnte.

Die kleinere Ernte und die anhaltenden logistische Schwierigkeiten könnten die ukrainischen Exporte im neuen Wirtschaftsjahr jedoch deutlich reduzieren. Nach den Daten des staatlichen Zolldienstes der Ukraine hat die Ukraine seit Beginn des Jahres 2022/23 (1. Juli) bis zum 21. September 7,2 Millionen Tonnen Getreide und Hülsenfrüchte exportiert, darunter 2,9 Millionen Tonnen im September, teilte das Ministerium für Agrarpolitik mit.

Zum gleichen Zeitpunkt im letzten Jahr belief sich der Export auf 12,8 Millionen Tonnen, davon 4,0 Millionen Tonnen im September. Sieben weitere mit landwirtschaftlichen Produkten beladene Schiffe verließen am Sonntag ukrainische Häfen, teilte das Infrastrukturministerium des Landes mit, womit sich die Gesamtzahl auf 218 erhöht, seit der Getreide-Korridor durch das Schwarze Meer in Kraft trat.

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