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Getreideernte und Preise

Getreidepreise: Frankreich mit dem billigsten Weizen

Weizen verladen
am
28.08.2019
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Die Getreidepreise sind in Bewegung. Und Frankreich hat derzeit sowohl für Weizen als auch für Gerste die niedrigsten fob-Preise weltweit.

Auch Russland und die Ukraine können da im Moment offenbar nicht mithalten. Ein Grund für den Preisrutsch bei den den Franzosen ist die sehr große Getreideernte in Verbindung mit dem harten Wettbewerb an den Exportmärkten. Allerdings haben die beiden  Schwarzmeerländer deutlich niedrigere Frachtkosten Richtung Ägypten und in andere wichtige Importländer als Frankreich und Deutschland.

Lediglich Rumänien konnte zuletzt wegen seines Schwarzmeerhafens Constanta ähnlich günstig liefern wie die Russen. Ein  großer Einkaufstender Ägyptens vom Dienstag (26.08)  stellt die derzeitigen Kräfteverhältnisse am Weltmarkt deutlich dar. Seit Juli hat Ägypten schon 2,1 Mio. t Weizen am Weltmarkt gekauft. Den größten Teil davon bisher in Russland. Mit deutlichem Abstand folgen dann als Lieferanten die Ukraine und Rumänien.

Frankreich unterbietet alle

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Ägypten hat am Dienstag weitere 350.000 t Weizen im Rahmen einer Ausschreibung gekauft. Die Lieferten heißen: Russland und die Ukraine und – erstmals in diesem Jahr – Frankreich. Der Grund: Frankreich hat mit seinem fob-Preisen alle anderen Wettbewerber deutlich unterboten.

Allerdings sind die  französischen Frachtkosten deutlich höher als die der Schwarzmeerländer, so dass es für Franzosen am Ende nur für eine Partie von 60.000 t zum Preis von 193,9 USD/t (173 Euro/t) zuzüglich 23,70 USD Frachtkosten reichte. Der französische Gesamtpreis liegt also bei 217,6 USD/t (194 Euro/t) und ist damit einen Tick höher als der beiden Schwarzmeerländer.

Die Russen konnten indessen drei Partien mit insgesamt 230.000 t losschlagen. Die fob-Preise bewegen sich zwischen 199,70 und 199,90 USD/t und sind damit fast 6 USD höher als die Gebote aus Frankreich. Die russischen Frachtkosten werden jedoch nur mit 16,85 bis 17,2 USD/t angegeben - so dass die russischen Gesamtpreise am Ende etwas niedriger sind als die französischen.

Einen Zuschlag über 60.000 t erhielt auch die Ukraine zum fob-Preis von 199,07 USD und Transportkosten von 18,30 USD/t. Auch diese Lieferung ist wegen der niedrigeren Transportkosten etwas günstiger als die Offerte aus Frankreich.

Deutsche Exporte schwach, Rumänien vorn

Getreide verladen

Schaut man auf die Exportmärkte an, wird schnell klar warum die Getreidepreise so sehr unter Druck geraten sind. Vor dem Hintergrund sehr großer Ernten in Frankreich, der Ukraine und Russland ist der Wettbewerb an den Exportmärkten nämlich erheblich größer als im vorigen Jahr. Alle drei Top-Exporteure drängen mit großen Mengen auf den globalen Markt und drücken damit auf die Kurse.

Der bei der aktuellen Auktion von Russland gebotene Gesamtpreis (einschließlich Fracht) ist mit 216,5 USD/t etwa 34 USD (!!!) niedriger als der vergleichbare Verkaufspreis aus dem vorigen Jahr mit 250,5 USD/t.  Damals hatten die Europäer wegen der dürrebedingt sehr kleinen Ernte allerdings auch erheblich höhere Preise am Binnenmarkt als jetzt. Nach einem relativ schwachen Start sind mit den fallenden Preisen offenbar auch die europäischen Weizenexporte in Gang gekommen.

Bis zum 25. August haben die Europäer jetzt 2,8 Mio. t Weichweizen in Drittländer verkauft. Das sind rund 6 Prozent mehr als im vorigen Jahr zum gleichen Termin. Größter Verkäufer ist bislang Rumänien mit Ausfuhren von insgesamt 1,1 Mio. t. Dahinter kommt derzeit Frankreich mit Verkäufen von 621.000 t, Litauen mit 262.000 t, Bulgarien mit 243.000 t und Lettland mit 209.000 t.

Deutschland rangiert mit einer Ausfuhrmenge von 208.000 t erst auf Position sechs. Wichtigste Zielländer der europäischen Exporteure waren bisher Algerien, Saudi-Arabien, Ägypten und der Sudan.

Weizenpreise bei der Bodenbildung

Weizenpreise

Am europäischen Binnenmarkt haben sich die Preise zuletzt auf sehr niedrigem Niveau stabilisiert. Grund für diese Konsolidierung ist vor allem die moderte Preiserholung in den USA. Das hat auch die hiesigen Kurse gestützt – zumal der Export offenbar anzieht und etwas Druck vom Markt nimmt.

Am Terminmarkt in Paris  wurde der Weizen am Dienstag dieser Woche mit 167 Euro notiert. Das waren rund 2 Euro mehr als zum 12-Monats-Tief der Weizenpreise am Ende der vorigen Woche – aber natürlich noch lange kein guter Preis. Am Exporthafen und Großmarkt in Hamburg wurde der Brotweizen am Dienstag mit 168 Euro/t gehandelt und damit ebenfalls 2 Euro höher als am Ende der vorigen Woche. An den ostdeutschen Großmärkten wird der Brotweizen im Schnitt mit  152 Euro/t notiert. 

Am wichtigsten französischen Handelsplatz, in Rouen, werden für den dort angelieferten Brotweizen 164,50 Euro geboten und damit 2,50 Euro weniger als im Hamburg. Die fob-Preise liegen in Rouen bei 168 Euro. Am heutigen Mittwoch beginnt der Weizen den vorbörslichen Handel in den USA schwächer. Das dürfte sicherlich auch  auf die europäischen Kurse am Termin- und Kassamarkt drücken. 

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