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Getreideernte und Preise

Getreidepreise: Geht der Ausverkauf weiter?

Getreideernte
am
06.09.2019
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Die Messen scheinen gesungen. Anfang September sind die Weizenpreise am Terminmarkt und am Kassamarkt auf den tiefsten Stand seit beinahe zwei Jahren gefallen.

Seit Ende Juni rauschten die Kurse beim Weizen um mehr als 20 Euro je Tonne nach unten. Und der Druck kommt von vielen Seiten. In Frankreich sind die Weizenpreise an den Exporthäfen derzeit niedriger als in Russland oder in der Ukraine. So haben die Franzosen – trotz  höherer Frachtkosten - Weizen nach Ägypten verkauft. Das ging nur über die niedrigsten Angebotspreise.

Grund für den Preissturz bei unseren Nachbarn ist die sehr große Weizenernte – die wohl auf dem Papier noch etwas wachsen könnte - und dringend nach Absatzwegen sucht. Diese Konstellation drückt natürlich massiv auf die Getreidepreise am europäischen Binnenmarkt - zumal auch die französische Gerstenernte sehr groß ausfiel und ebenfalls für fallende Kurse sorgte.

Russland und Ukraine haben viel Getreide

Weizenpreise MATIF

Den deutschen Landwirten hilft ihre etwas kleinere Ernte nicht, die Preise zu stabilisieren. Diese bilden sich an einem sehr eng vernetzten Weltmarkt. Und der bekommt derzeit von allen Seiten Druck.

In Russland und der Ukraine warten nämlich ebenfalls große Weizen- und Gerstenernten auf die Vermarktung. Die Hoffnung auf deutliche witterungsbedingte Ertragseinbußen am Schwarzen Meer hat sich jedenfalls zerschlagen. Die russische Ernte ist offenbar groß und  dominiert die Ausschreibungen beim TOP-Importeur Ägypten.Auch in der Ukraine erntet man sehr viel Weizen und die Maisernte ist so groß wie noch nie zuvor.

Eine etwas kleiner geschätzte Weizenernte beim Top-Exporteur Kanada hat dem Markt zuletzt auch nicht geholfen. Denn: Die kanadischen Farmer holen zwar weniger Durum von den Feldern - dafür ernten sie mehr Sommerweizen. Und zu guter Letzt ist die kanadische Gerstenernte so groß wie selten zuvor. 

Immer wieder drückt auch der Handelskrieg zwischen den USA und China massiv auf die Getreide- und Sojapreise, denn die Absatz- und Nachfrageverluste durch höhere Zölle werden über fallende Terminmarktkurse eingepreist.

Was passiert in den USA

Maisbestand

Eine Trendwende halten nicht mehr viele Analysten für wahrscheinlich. Diese müsste – wie in den letzten Monaten so oft – aus den USA kommen. Noch ist nämlich nicht klar, wie viel Mais und Soja wirklich geerntet wird – egal wie groß die zunächst bestellten Flächen wirklich waren. Zum einen sind die Mais- und Sojapflanzen in ihrer Entwicklung sehr weit zurück und es nicht sicher ob und wann sie wirklich ausreifen.

Zum andern könnte Frost und ein früher Winterbeginn die Ernte noch spürbar nach unten drücken. Ob von diesen Spekulationen schon etwas im USDA-Report am nächsten Donnerstag zu sehen seien werden, ist eher unwahrscheinlich. Sollte das USDA seine bisherigen Daten – vor allem zum Ertrag – korrigieren, könnte dies jedoch heftige Preissprünge auslösen.

Der Markt ist jedenfalls weiterhin sehr nervös – jedoch ganz überwiegend bärisch gestimmt. Das gilt insbesondere für die großen Hedgefonds und die institutionellen Anleger – aber wohl auch für die Getreidehändler.

Was bringt der September-Report

Maispreise

Sicher ist, dass Analysten und Farmer mit den derzeitigen Produktionsschätzungen des USDA unzufrieden sind. Dies gilt auch dann, wenn man die heftige Diskussion um die Größe der überhaupt bestellten Flächen einmal nicht berücksichtigt.

Nach dem aktuellen Crop-Progress-Report von dieser Woche gibt es ungefähr 1,2 Millionen Hektar Sojabohnen, die noch nicht geblüht haben, und es gibt über 4,0 Millionen Hektar, wo die Bohnen noch keine Schoten angesetzt haben. Darüber hinaus gibt es mehr als 6,9 Millionen Hektar Mais, in denen die Kolben noch nicht das Teigstadium (Dough Stage) erreicht haben. Normal für diese Jahreszeit sind etwa 2,4 Millionen Hektar.

Seit dem USDA-Report vom August, wird der Markt jedenfalls von den Bären kontrolliert, schreibt der Analyst Bob Linnemann. Weiter heißt es „Ich denke nicht, dass wir in der kommenden Woche viele positive Nachrichten erhalten werden, aber ich bin sehr gespannt, was der Markt tut, wenn wir erneut bärische Daten bekommen“.  

Geht es dann weiter nach unten oder ist der Markt schon lange überverkauft und werden sich die Preise erholen? Alles scheint wieder einmal möglich.

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