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Getreidemarkt

Getreidepreise: Es geht weiter nach oben

Wintergetreide
am Freitag, 03.01.2020 - 11:24 (Jetzt kommentieren)

Auch im neuen Jahr steigen die Getreidepreise weiter. Und die Aussichten sind weiter gut.

Weizenpreise CBOT

Kurz nach dem Jahreswechsel notiert der Weizen am europäischen Terminmarkt knapp unter der 190-Euro-Marke. So hoch lagen die Preise für diesen Kontrakt zuletzt vor gut einem halben Jahr. In den USA und auch am Weltmarkt bewegen sich sich die Preise auf einem ähnlich hohen Niveau.

Und die Kurse erhalten weiter Unterstützung: In den USA rechnet man nicht nur mit einem weiteren Rückgang der Anbaufläche – aktuelle Ratings aus den wichtigsten Weizen-Anbaustaaten in den USA zeigen auch eine deutliche Verschlechterung der Wachstumskonditionen beim Winterweizen im Vergleich zum Herbst 2019. Das zeigt sich auch in den US-Weizen-Preisen, die die letzte Preisspitze von Ende Juni bereits übertroffen haben.

An den wichtigsten Exporthäfen sind die Weizenpreise im Dezember sogar noch stärker gestiegen als am Terminmarkt. Vom US-Golf meldete man in der zweiten Monatshälfte fob-Preise für den dort verladenen Winterweizen der Sorte Soft Red Winter von 247 USD je Tonne (221 Euro). So hohe Preise hatte man dort zuletzt im Januar 2015 verlangt.

Am Schwarzen Meer lagen die Preisforderungen zum gleichen Termin bei 217 USD je Tonne (194 Euro) und damit 30 USD niedriger als in den USA. Immerhin waren dies jedoch die höchsten Preise seit März 2019. Am wichtigsten französischen Exporthafen in Rouen  wurden für den dort verladenen Brotweizen zuletzt 211 USD je Tonne (188 Euro) verlangt – das war der mit Abstand güntigste fob-Preis aller großen Wettbewerber – jedoch gleichzeitig der höchste französische Exportpreise seit Juni 2019.

EU: Neue Weizenernte wird kleiner

winterweizen

Gestützt werden die europäischen Weizen – und Getreidepreise auch durch die eher zurückhaltenden Anbau- und Ernteprognosen für die nächste Saison. So hat das französische Analystenhaus Strategie Grains die für die Weizenernte 2020 erwartete Erntefläche auf nur noch 23,2 Mio. Hektar geschätzt. Das sind immerhin 600.000 Hektar weniger als zur Ernte 2019.

Eine Ursache sind die Überflutungen im Vereinigten Königreich im Nordwesten Frankreichs, die die Anbaufläche deutlich drückten. Doch auch in Deutschland ist die Winterweizenfläche für die Ernte 2020 mit nur noch 2,87 Mio. Hektar rund 7,1 Prozent bzw. 216.000 Hektar kleiner als im Jahr zuvor. Das heißt auch die Weizenernte und damit das verfügbare Angebot dürften spürbar schrumpfen.

Strategie Grains schätzte die europäische Weizenernte 2020 auf 140,5 Mio. Tonnen und damit 5,3 Mio. Tonnen kleiner als 2019. Die Produktion von Sommer- und Wintergerste zusammen, erwarten die Analysten bei 62,2 Mio. Tonnen  und damit ähnlich groß wie 2019.  Bei Mais rechnet man derzeit mit einer Anbauausweitung und einer größeren Ernte – ebenso wie übrigens beim Raps. Bei der wichtigsten europäischen Ölsaat geht man von höheren Erträgen aus und einem Anstieg der Produktion um etwa 10 Prozent auf 18,5 Mio. Tonnen  gegenüber dem extrem schwachen Jahr  2019.

Neuer USDA-Report und China-Deal

Getreideschiff

Für den internationalen Getreidemarkt sind jedoch noch eine ganze Reihe Faktoren wichtig. Ein starker Impuls könnte vom USDA-Januar-Report am nächsten Freitag den 10. Januar ausgehen. Dann dürfte das USDA seine Daten zur Mais und Sojaernte in den USA und in Südamerika aktualisieren und auch neue Prognosen zu den Exporten und Lagerbeständen veröffentlichen.

Extrem wichtig wird auch die weitere Entwicklung im Handelsstreit zwischen den USA und China sein und die Umsetzung der bisher getroffenen Vereinbarungen. der US-Analyste Jim Bower sagt, dass die Investoren an den Agrarmärkten weiterhin ein Auge auf das Handelsabkommen zwischen den USA und China haben. „Die Märkte warten auf die Einzelheiten der Vereinbarung, die erst nach Unterzeichnung veröffentlicht wird. Die USA haben gesagt, China habe sich bereit erklärt, US-amerikanische Produkte im Wert von 40 Milliarden US-Dollar jährlich in den Jahren 2020 und 2021 zu kaufen“.

China muss aber noch genaue Zahlen zu den Agrarkäufen bestätigen. Es gab auch keine öffentlichen Informationen darüber, ob China sich verpflichtet hat, bestimmte Mengen bestimmter Waren zu kaufen, erklärte Bower. Die South China Morning Post berichtete gestern, Vizepremier Liu werde an diesem Wochenende eine Delegation nach Washington führen, um das erste Handelsabkommen zwischen den Ländern zu unterzeichnen.

Bower sagt außerdem, dass der andere Marktfaktor der bevorstehende USDA-Crop-Report vom 10. Januar ist. "Es ist höchst unwahrscheinlich, dass der Report des USDA vom 10. Januar schon die neue chinesische Nachfrage berücksichtigen wird. Wir werden also höchstwahrscheinlich bis Februar warten müssen, um Anpassungen bei der chinesischen Nachfrage und in der globalen Bilanz zu sehen“.

Kassapreise legen deutlich zu

Weizenpreise MATIF

Am deutschen Binnenmarkt sind die Getreidepreise zum Beginn des neuen Jahres deutlich gestiegen. Auch wenn der physische Handel nach wie vor gering ist, ging es mit den Weizenpreisen nach oben – dafür sorgten vor allen die steigenden Kurse im Export.

Brotweizen wurde am Hamburger Großmarkt und Exporthafen am Donnerstag mit 193 Euro je Tonne notiert. Das waren immerhin 3 Euro je Tonne mehr als zum Beginn der Woche.

Auch an den wichtigsten ostdeutschen Handelsplätzen sind die Brotweizenpreise um 3 Euro auf durchschnittlich 177 Euro je Tonne gestiegen. Die Preise für Futterweizen lagen in Südoldenburg zuletzt bei 193 Euro je Tonne und damit 4 Euro höher.

Für Futtergerste werden in Hamburg zuletzt etwa 170 Euro geboten – dass war ein Plus von 3 Euro zum Wochenbeginn. An den ostdeutschen Großhandelsplätzen wurde Futtergerste zum mit  etwa 154 Euro je Tonne gehandelt. Das ist ein Plus von 4 Euro.

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