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Getreideernte und Getreidepreise

Getreidepreise: Heftige Preisrallye wegen Sturmschäden in den USA

Die Sturmschäden im Mittelswesten sind größer als gedacht.
am Montag, 17.08.2020 - 12:52 (Jetzt kommentieren)

Weltweit ziehen die Getreidepreise kräftig an. Der Grund: Die Sturmschäden in den USA sind größer als erwartet.

Die Weizenpreise an der MATIF stiegen bis auf 185 Euro je Tonne.

Die Preisrallye bei Mais und Soja zieht auch den Weizen mit nach oben – obwohl die Weizenernte am Schwarzen Meer immer größer wird. Und Russland hat zuletzt fast jede große Exportausschreibung beim Weizen gewonnen. Der Grund: An den Schwarzmeerhäfen sind die Preise unter dem Druck der großen Ernte zuletzt kräftig gefallen. Auch der Rubel ist weiter sehr schwach und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der Russen zusätzlich.

In Europa behindern hingegen die kleine Weizenernte und der zuletzt sehr kräftig aufgewertete Euro die Ausfuhren von Getreide. Die aktuellen Exportdaten zeigen – für allem für Frankreich – einen extrem schwachen Start in die neue Export-Saison. In den ersten sechs Wochen des neuen Wirtschaftsjahres haben die Europäer nur 40 Prozent der Vorjahresmenge an Weizen in Drittländer verkauft – bei Gerste war es etwa die Hälfte.

Zudem könnte die Sahra-Hitze in Europa die bislang recht gut dastehenden Maisbestände noch spürbar schädigen und damit für weiter steigende Maispreise sorgen.Die Weizenpreise sind an der europäischen Terminbörse MATIF am Montag – mit den steigenden US-Preisen für Mais, Weizen und Soja – um 4 Euro auf 185 Euro je Tonne nach oben geschossen. Auch die die Kurse für Mais und Raps legten in Europa kräftig zu.

USA: Sturmschäden größer als gedacht

Dunkle Wolken und ein Regenbogen über einem Maisfeld und Maissilo

In der vorigen Woche hatte ein schwerer Sturm im Mittelwesten der USA gewütet. Nach bisherigen Angaben sind 15,3 Millionen Hektar Ackerland (37,7 Millionen Acres) mehr oder weniger stark von den Folgen dieses Sturms betroffen. Davon befinden sich allein 5,7 Millionen Hektar im wichtigsten Maisstaat und zweitwichtigsten Sojastaat der USA, in Iowa, teilte vorige Woche die Iowa Soybean Association mit und berief sich dabei auf Aussagen udn Daten des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA).

Die Schadensbilanz des als „Derecho-Sturm“ bezeichneten Unwetters, hat sich zuletzt offenbar noch erhöht, da Landwirte und Getreidehändler immer neue Schäden von zerstörten Maisfeldern und Siloanlagen meldeten. Das USDA teilte mit, der Sturm habe allein in Iowa 3,31 Millionen Hektar Mais und 2,3 Millionen Hektar Sojabohnen geschädigt. Das US-Landwirtschaftsministerium hat zunächst geschätzt, dass bis zu 4 Millionen Hektar von den Sturmschäden betroffen sein könnten.

Allein in Iowa haben deshalb 58.000 Inhaber von Ernteversicherungspolicen mit einer Haftung von rund 6 Milliarden US-Dollar Schäden gemeldet, berichtete die Iowa Soybean Association unter Berufung auf Daten der USDA-Risk-Management-Agency.

Aaron Putze, Sprecher der Iowa Soybean Association, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, diese Informationen sollten die Landwirte ermutigen, ihre Verluste zu bewerten und ihre Ansprüche an die Ernteversicherung geltend zu machen. "Wir wussten, dass der Schaden groß ist, aber es ist größer als wir erwartet hatten, in Bezug auf die betroffenen Hektar", sagte Putze.

"Das USDA steht ebenfalls bereit, den betroffenen Landwirten zu helfen. Man fordere Maisfarmer und Tierhalter dazu auf, die Verluste oder Schäden erlitten haben, sich direkt an ihr lokales USDA-Servicecenter zu wenden", sagte Dirk Fillpot, ein USDA-Sprecher.

Russland Weizenernte wird immer größer - über 80 Millionen Tonnen

Russlands Weizenernte wird immer weietr nach oben korrigiert.

Mittelfristig wird jedoch die Situation in Russland und der Ukraine die weitere Entwicklung am Weizenmarkt bestimmen. Bereits jetzt ist zu erkennen, dass die Russen den Exportmarkt erheblich stärker dominieren als in der vorigen Saison. Bei der letzte Exportauktionen des weltweit größten Importeures Ägypten war Russland fast ausschließlich der Gewinner.

Die Exportpreise für russischen Weizen sind mit der fortschreitenden Ernte jedenfalls immer weiter gefallen und lagen fob-Schwarzmeerhafen Ende voriger Woche mit rund 201 USD je Tonne rund 16 USD niedriger als in Frankreich und sogar 25 USD je Tonne niedriger als in den USA.

Das Analysezentrum von Rusagrotrans JSC hat seine Prognose für die Getreideproduktion in Russland vorige Woche um 3,1 Mio. t auf 127,5 Mio. t nach oben revidiert, berichtete der Leiter des Zentrums, Igor Pavensky. „Wir haben die Prognose für die Weizenernte um 3,5 Mio. t auf 81 Mio. t erhöht. Die Gerstenproduktion wurde aufgrund höherer Erträge in zentralen Regionen um 0,4 Mio. t auf 20,3 Mio. t erhöht.

Gleichzeitig haben wir unsere Prognose für die Maisernte um 0,8 Mio. t auf 14 Mio. t gesenkt, da es in Zentral-Russland und im Stawropol-Territorium an Niederschlägen mangelt und im Süden der Wolga-Region weiter Dürre herrscht “, betonte er. Pavensky fügte hinzu: "Die Gesamtgetreideproduktion wird 2020 nach dem Rekord von 2017 die zweitgrößte in Russland sein".

Auch die Analysten von APK-Inform revidierten ihre Prognose für Getreideernte auf 126 Mio. Tonnen nach oben. Dabei wurde die Prognose der Weizenproduktion auf 79,2 Mio. Tonnen angehoben, ein Anstieg um 1,7 Prozent gegenüber Juli. Die Prognosen für die Produktion von Gerste und Mais blieben unverändert und belaufen sich auf 19,4 bzw. 14,5 Mio. Tonnen.

Sahara-Hitze schädigt Maisernte in Europa

In Frankreich setzt die Sharahitze den Maispflanzen zu.

Wegen der extremen Hitze könnte in der EU nach der Getreideernte nun die EU-Maisernte leiden. Heißes und trockenes Wetter hat die Maispflanzen beim Top-Produzenten Frankreich bereits massiv gestresst und könnte den bislang erwarteten Anstieg der europäischen Produktion noch drücken, obwohl die Landwirte mehr Mais gepflanzt haben.

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) hat seine vorige Prognose für die Maisernte der Europäischen Union etwas gesenkt und dies mit Produktionssenkungen für Frankreich und Rumänien begründet. Diese Reduzierungen haben die etwas höheren Schätzungen für Polen, Ungarn und Italien übertroffen. Die europäische Analystenfirma Stategie Grains warnte ebenfalls davor, dass Dürre und Hitze die Aussichten für den Mais in Frankreich und Teilen Rumäniens und Bulgariens spürbar verschlechtern. Gleichzeitig stellt man jedoch günstige Bedingungen in Mitteleuropa fest.

In Frankreich liegt die aktuelle Prognose des Landwirtschaftsministeriums für die Maisernte bei etwas mehr als 14 Millionen Tonnen. Das ist ein Anstieg von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr und basierend auf den Bedingungen bis zum 1. August. Viele Analysten sehen diese Prognose aber als zu optimistisch an. „Der gesamte nicht bewässerte Mais hat unter der Hitze massiv gelitten", sagte ein Händler. "Die meisten Analysten sehen die Ernte deshalb unter 14 Millionen Tonnen."

Regen in dieser Woche könnten die Hitzewelle zwar beenden, aber Analysten befürchten, dass dies möglicherweise zu spät ist. "Noch sieht der Mais in Europa aber noch ganz aus, obwohl die hohen Temperaturen von über 30 Grad Celsius und die Trockenheit in den letzten Wochen die Pflanzen ziemlich gestresst haben. Regen ist jetzt unbedingt erforderlich", sagte ein Analyst.

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