Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Getreidemarkt

Getreidepreise: Heftige Preisrallye vor Weihnachten

Wintergetreide Aussaat
am Dienstag, 17.12.2019 - 11:55 (Jetzt kommentieren)

Nun steigen die Getreidepreise vor Weihnachten kräftig an. Die Gründe sind wieder einmal komplex.

Auslöser war jedoch die beiderseitigen Zugeständnisse im Handelskrieg zwischen den USA und China. Diese Vereinbarungen lösten nicht nur nur an den Getreide- und Ölsaatenmärkten ein Kursfeuerwerk aus. Auch an allen andere Rohstoff- und Aktienmärkten schossen die Kurse nach oben.

Ob die Vereinbarungen die Erwartungen wirklich erfüllen oder ob die sogar eine Trendwende im Handelsstreit bedeuten ist jedoch nicht sicher. Die Hoffnung auf bessere Zeiten steckt jetzt jedenfalls in den Preisen.

China-Deal und Argentiniens neue Zölle

Weizen verzeichnete in den USA und in Europa die größten Aufschläge. Der vordere Winterweizen-Kontrakt stieg in den USA gestern um 3,8 % und erreichte den höchsten Wert seit einem halben Jahr. "Die Getreidemärkte verzeichneten im Anschluss an ein erstes Handelsabkommen mit China eine sehr positive Dynamik und die gute Stimmung hält weiter an, obwohl große Unsicherheiten hinsichtlich der tatsächlichen, endgültigen Auswirkung des Abkommens bestehen", sagte Matt Zeller, vom Analystenhaus INTL FCStone.

Im Rahmen des in der vergangenen Woche angekündigten Handelsabkommens wird Washington einige Zölle auf chinesische Importe im Austausch für chinesische Käufe von Agrar-, Industrie- und Energieerzeugnissen senken. "Die Geopolitik dominierte auch sonst die Nachrichten, da nun Argentinien in den Fokus rückt", sagt das französische Analystenhaus Agritel in einer Mitteilung.

Argentiniens neue Mitte-Links-Regierung hat die Exportzölle für Soja, Weizen und Mais deutlich erhöht, wie ein am Samstag erlassenes Dekret zeigte. Die Maßnahme, mit der Zollsatz für Sojabohnen, Sojaöl und Sojamehl von 25 Prozent auf 30 Prozent und der Exportzoll für Mais und Weizen von rund 7 Prozent auf 12 Prozent angehoben wird, wurde durchgeführt, damit das Land seine Schuldenkrise besser bewältigen kann. Das verteuert und bremst natürlich die Ausfuhren aus dem südamerikanischen Land.

Anbaurückgang in der Ukraine und Europa

Getreideernte Ukraine

Die Weizenpreise stützten sich zusätzlich auf die großen Schwierigkeiten bei der Aussaat in Europa und der Ukraine. Ein sehr trockener Herbst in der Ukraine hatte einen Rückgang der Winterweizensaat um fast 10 % bewirkt, teilte das Analystenunternehmen APK-Inform am Montag mit. Die Winterweizenfläche, auf die mehr als 95 % der Weizenproduktion der Ukraine entfallen, damit von 6,64 Millionen Hektar auf 5,93 Millionen Hektar zurückgegangen, hieß es.

"Der Abschluss der Aussaat erfolgte in den meisten Gebieten praktisch auf trockenem Boden. Nur durch starken Nebel und reichlichen Morgentau in vielen Gebieten bildete sich in den oberen Schichten des Bodens geringe Feuchtigkeitsreserven", hieß es. APK-Inform teilete zudem mit, dass sich nur die Hälfte der ukrainischen Winterweizenbestände in gutem Zustand befinden, 38 Prozent wurden als zufriedenstellend eingestuft und 14 Prozent sind in einem schlechten Zustand. Die Ukraine erntete 2019 rund 28,1 Millionen Tonnen Weizen, verglichen mit 24,6 Millionen Tonnen im Jahr 2018.

Für Europa hatte das Analystenhaus Strategie Grains die Aussaatfläche von Winterweizen rund 600.000 Hektar kleiner eingeschätzt als im vorigen Jahr. Grund sind sind die Überflutungen im Vereinigten Königreich und in Teilen Frankreichs die eine Aussaat von Winterweizen verhindert haben.

Nach den derzeitigen Schätzungen von Strategie Grains dürfte die Weizenernte in der EU deshalb von 145,8 Mio. auf nur noch 140,5 Mio. t schrumpfen. Das stützt natürlich die Preise. Auf den frei gewordenen - bzw. nicht mit Weizen bestellten Flächen - wird nach Meinung der Analysten vor allem Sommergerste und Mais – aber auch Roggen angebaut.

EU-Weizen nicht winterhart und schwach entwickelt

winterweizen

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die Frosttoleranz für Wintergetreide in der Europäischen Union ist in diesem Jahr viel geringer als üblich. Grund: überdurchschnittlichen Temperaturen haben die Risiken für eine bereits verspätete Aussaat erheblich erhöht, teilte die EU-Monitoring-Dienst MARS am Montag mit.

Die Herbstsaat in Europa wurde durch heftige Regenfälle in den westlichen Ländern und Trockenheit in einigen östlichen Regionen gestört, wodurch Entwicklung der Weizenpflanzen in den betroffen Regionen deutlich hinter dem übliches Wachstumstempo vor dem Winter liegt. "Die Temperaturen waren in Mittel-, Ost- und Südosteuropa viel milder als gewöhnlich", heißt es in einem monatlichen Bericht von MARS.

"Die derzeitige Situation ist heikel, da die Winterkulturen in vielen dieser Regionen aufgrund verzögerter Aussaat und unzureichender Bodenfeuchtigkeit unterentwickelt sind, was sie in Verbindung mit einer verringerten Kältetoleranz besonders anfällig für Frostschäden macht", heißt es weiter. Wintergetreide entwickelt eine Toleranz für niedrige Temperaturen in einem Prozess, der als Winterhärte bekannt ist, um Frost und Gefrierbedingungen während der Winterruhezeit zu überstehen.

Es wird erwartet, dass die wärmeren Temperaturen in den meisten Teilen der EU bis zum 20. Dezember anhalten werden, was die Winterhärte der Pflanzen einschränken und in einigen Regionen eine „Enthärtung“ verursachen würde.

Kassapreise haben noch Nachholbedarf

weizenpreise matif

Am deutschen Binnenmarkt sind die Weizenpreise zum Beginn dieser Woche nur leicht gestiegen. Sie dürften die Rallye an den Terminmärkten jedoch noch nachholen. Am Hamburger Großmarkt und Exporthafen wurde Brotweizen am Montag mit 187 Euro je Tonne notiert. Das waren nur 2 Euro je Tonne mehr als vor einer Woche. Auch an den wichtigsten ostdeutschen Handelsplätzen sind die Brotweizenpreise im Wochenvergleich um etwa 2 Euro auf jetzt 171 Euro je Tonne gestiegen.

Die Preise für Futterweizen lagen in Südoldenburg zuletzt bei 186 Euro je Tonne und damit ebenfalls 2 Euro über der Vorwoche. Für Futtergerste werden in Hamburg aktuell etwa 166 Euro geboten – dass sind die gleichen Preise wie in der vorigen Woche. An den ostdeutschen Großhandelsplätzen wurde Futtergerste zum Beginn dieser Woche mit  etwa 148 Euro je Tonne gehandelt. Das ist ebenfalls ein der selbe preis wie in der Vorwoche.

Für Futtermais wurden in Südoldenburg diese Woche 190 Euro je Tonne geboten. Das sind 2 Euro mehr als vor einer Woche.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...