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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise: Heftige Preissprünge und etwas Panik vor USDA-Report

Getreidelager.
am Freitag, 09.04.2021 - 12:13 (Jetzt kommentieren)

Am Donnerstag sind die Getreidepreise nach oben geschossen – nachdem es in den Tagen zuvor kräftige Preisabschläge gab. Der Preisanstieg hat verschiedene Gründe. Der wichtigste ist: Am Freitag Abend liefert das USDA mit seinem April-Report neue Daten. Da haben Analysten große Erwartungen – und auch Befürchtungen.

maispreise.

Viele Analysten gehen davon aus, dass das USDA die Endbestände bei Mais und Sojabohnen deutlich reduzieren wird (muss?) – wegen der anhaltend hohen Importnachfrage. Sollte das jedoch nicht der Fall sein, könnte es heute Abend ebenso zu heftigen Preis-Abschlägen kommen, befürchten nicht wenige Analysten.

Doch in den nächsten Wochen wird es noch einen anderen wichtigen Treiber für die Getreidepreise geben: Nämlich das Wetter!!

Die Macht des Wetters hat bereits der erste Anbaubericht des USDA am Anfang dieser Woche gezeigt: Er hat vor allem die Weizenpreise gestützt. Die Terminmarktpreise für Weizen waren aufgrund der wachsenden Sorgen hinsichtlich des trockenen Wetters in den nördlichen Regionen der USA und Kanadas, in denen ganz überwiegend Sommerweizen angebaut wird, kräftig gestiegen.

In Teilen von North Dakota, dem größten Produzenten von Sommerweizen in den USA, ist in den letzten 60 Tagen nur wenig oder gar kein Niederschlag gefallen, wie US-Wetterdienste berichten. Nach dem USDA-Dürre-Monitor sind derzeit fast 47 % von North Dakota einer extremen Dürre ausgesetzt.

In den südlichen Winterweizen-Anbaugebieten der USA sind die Bedingungen hingegen besser. In Teilen von Kansas, dem größten US-Winterweizenstaat, ist im Winter bis zu viermal so viel Niederschlag gefallen wie normal. Von dort meldete das USDA diese Woche, dass sich 54 % der Weizenpflanzen in gutem bis ausgezeichnetem Zustand befinden, im Vergleich zu 49 % im vorigen Jahr. Oklahoma, ein weiterer führender Winterweizenproduzent, meldete 70 % seiner Bestände in einem guten bis ausgezeichneten Zustand, verglichen mit 73% im Vorjahr.

Über alle Bundestaaten hinweg sieht es jedoch nicht ganz so rosig aus: Hier wurden 53 % des gesamten Winterweizens in gutem bis ausgezeichnetem Zustand bewertet, verglichen mit immerhin 62 % zur gleichen Zeit im Vorjahr.

Exportpreise für Weizen sind deutlich gefallen

weizenpreise.

Die guten Wachstumsbedingungen am Schwarzen Meer und in Europa hatten die Weizenpreise in den letzten Tagen jedoch ebenfalls unter Druck gesetzt. An den russischen Exporthäfen waren die fob-Preise für Winterweizen zuletzt immer stärker gefallen und hatten auch die Kurse in Europa unter Druck gesetzt. So meldete man vom wichtigsten französischen Exporthafen in Rouen diese Woche fob-Preise für Brotweizen von 256 USD je Tonne – das sind 44 USD weniger als zu letzten Preisspitze Anfang März und 14 USD weniger als vor zwei Wochen.

Bei einer Ausschreibung des größten Weizenimporteuers Ägypten, in dieser Woche, lag ein Angebot für 55.000 Tonnen russischen Weizens (fob) nur noch bei 234 USD je Tonne, berichten Händler. Für Gerste lagen die Exportpreise diese Woche an den Schwarzmeerhäfen bei 230 USD je Tonne und in Rouen bei 234 USD je Tonne – auch das ist ein Rückgang gegenüber der letzten Preisspitze von März von 47 USD je Tonne.

Doch die trockenen Bedingungen in den Sommerweizen-Gebieten der USA und Kanadas haben die Preise wieder stabilisiert und ebenso hat der kräftige Preisanstieg beim Mais die Weizenkurse gestützt – nachdem die guten Wachstums-Bedingungen auf der Nordhalbkugel die Preise zuvor auf ein Dreimonatstief gedrückt hatten.

US-Wetterdienste erwarten derzeit, dass der Sommerweizengürtel zwischen den USA und Kanada in den nächsten Wochen trocken bleibt. „Trockenes Wetter ist ein Problem für Sommerweizen in Nordamerika, aber es braucht noch einige Zeit, bevor wir uns größere Sorgen machen müssen", sagte heute ein Händler.

Aus Frankreich und Deutschland meldete man in dieser Woche einen empfindlichen Kälteeinbruch, sowie in Frankreich zunehmend trockene Bedingungen, die den jüngsten Optimismus hinsichtlich der hohen Ernteaussichten wieder etwas abmildern dürften.

Große Ernten in Südamerika – trotz Wetterproblemen

sojapreise.

Aus Brasilien meldet man diese Woche eine Rekordernte bei Sojabohnen, obwohl die Ernte und auch der Transport zu den Exporthäfen, durch starken Regen verzögert wurde und wird.

Bei Mais werden die Erträge der zweiten Ernte (Safrina), die 80 Prozent der Gesamternte ausmacht, um knapp 4 Prozent sinken, schreiben die Analysten von Agroconsult. Der Grund: Die meisten Landwirte konnten den Mais, nach den Verzögerungen bei der Sojaernte, nur außerhalb des idealen Zeitfensters pflanzen.

Agroconsult erwartet, dass brasilianische Landwirte 2020/2021 schätzungsweise 137,1 Millionen Tonnen Sojabohnen ernten werden: Das wäre eine neue Rekordernte trotz der großen witterungsbedingten Herausforderungen.

Argentiniens Sojaernte voraussichtlich nur 43 Millionen Tonnen betragen, anstelle 44 Millionen Tonnen, erwartet die Getreidebörse in Buenos Aires. Als Grund für die Kürzung wurden niedrigere Erträge als erwartet angeführt, die durch das trockene Wetter zu Beginn dieses Jahres verursacht wurden. Die argentinischen Landwirte haben bisher aber erst 3,5 % der Fläche abgeerntet, die sie in dieser Saison mit Soja bepflanzt haben.

Die Schätzung für die Maisernte 2020/21 ließ die Börse unverändert bei 45 Millionen Tonnen. Bislang sind 12 % der argentinischen Maisfläche abgeerntet worden.

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