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Ernteprognose 2019

Getreidepreise: Das wird eine heiße Woche

Getreidepreise
am
24.06.2019

Den Getreidepreisen steht eine heiße Woche bevor.

Zum einen könnten zwei neue USDA-Reports am heutigen Montag Abend und am Freitag für heftige Preissprünge sorgen. Am Mittwoch meldet außerdem das kanadische Statistikamt die Aussaatfläche für Weizen und Canola.

Außerdem könnte die extreme Hitzewelle in Deutschland und Europa ebenfalls Folgen für die Getreideernte und die Preise haben. Dabei ist noch nicht klar, wie lange die Hitze in Europa dauert und wann es das nächste Mal regnet. Die Europäische Kommission wird am Ende der Woche ebenfalls eine aktualisierte Ernteschätzung abgeben. Darin sind die Folgen der aktuellen Gluthitze auf die Produktion jedoch noch nicht enthalten.

Bislang sind die Ernteprognosen für die Europäische Union jedenfalls hoch. Das französische Landwirtschaftsamt FranceAgriMer meldete für die Woche bis zum 17. Juni, dass sich immerhin 80 Prozent der französischen Weichweizenbestände in einem guten oder hervorragenden Zustand befinden. Das ist ebenso viel wie in der Woche zuvor.

Vom Schwarzen Meer kamen ebenfalls erneut Analysten-Meldungen über eine sehr große Weizen- und auch Gerstenernte. Das hält die internationalen Weizenpreise weiter in Schach.

Weizenpreise stoßen auf Widerstand

Getreidepreise

Im vorbörslichen Handel in Chicago beginnt der Juli-Weizen die neue Woche leicht im Minus bei 524 Cent je Buschel. Der September-Kontrakt startet bei 531 Cent. Am vorigen Donnerstag war es zunächst deutlich nach oben gegenangen und am Freitag seitwärts. In Europa hatte sich der MATIF-Weizen am Freitag wieder über die 180-Euro-Marke gekämpft.

Dabei ist die Differenz zwischen Terminmarkt und den Kassapreisen noch relativ hoch. Für die Anlieferung im Juli werden in Hamburg für Brotweizen immerhin 190 Euro/t geboten. Die neue Ernte (August) wird in Hamburg nur noch mit 183 Euro notiert und damit  knapp über dem Niveau der Terminmarktpreise. Im Osten Deutschlands liegen die Angebote für Brotweizen derzeit bei 174 Euro und für die neue Ernte bei 167 Euro/t.

In Chicago sagte der Analyst Al Kluis: „Die Weizenpreise stoßen weiterhin auf Widerstand. Die Kombination zeitweise überkaufter Getreidepreise mit den hohen Ernteprognosen in den USA, in Europa und am Schwarzen Meer, hatten in der vorigen Woche zur einer Korrektur geführt. Die Volatilität wird mit Sicherheit den ganzen Sommer über anhalten“, sagte Kluis außerdem.

Der wöchentliche Bericht der Trading Commission in Chicago über Käufe/Verkäufe von Kontrakten zeigte, dass die großen Hedge-Fonds ihre Netto-Short-Position bei CBOT-Weizen und bei Sojabohnen reduzierten, also auf weiter steigende Preise setzen.

Maispreise im Seitwärtskanal

Maispreise

Die Maispreise starten in den USA am heutigen Montag mit einem leichten Plus in den vorbörslichen Handel bei etwa 443 Cent je Buschel und mit 454 Cent für die neue Ernte. An der Matif in Paris notierte der August-Mais seitwärts bei 178 Euro/t und die neue Ernte (November) wurde mit 176 Euro gehandelt.

Der heute Abend fällige Crop-Progress-Report wird Auskunft über den Zustand der Maisbestände in den Dauerregen-Gebieten des Mittleren Westens geben. Darauf wartet der Markt mit großer Spannung. Analysten aus den USA sagten am Freitag: „Wir hatten am Donnerstag eine Erholung der Getreidepreise. Derzeit scheinen wir uns aber in einem Seitwärtskanal zu befinden“. Weiter heißt es: Wir hatten zuletzt keine neuen positiven Impulse, doch die Getreidepreise bleiben wohl weiterhin hoch, da die diesjährige Ernte in den USA weiterhin eine offene Frage ist.

Die Exportnachfrage nach US-Getreide verlangsamt sich jedoch. Britt O’Connell, Berater der Commodity Risk Group, sagt, Käufer kommen zurück in den Markt, da sie technischen Support gefunden haben. Er fügte hinzu: „Wettermodelle zeigten ein etwas besseres Wetter für den Mittleren Westen an. Wobei etwas weniger Regen und wärmere Temperaturen in die Prognose eingeflossen sind, was zu Beginn der vorigen Woche etwas Druck auf den Markt ausübte.“

Das Wetter wirkt sich zudem nicht mehr so sehr auf den Aussaatfortschritt aus, da das Aussaatfenster für die meisten Farmer geschlossen ist. Mittlerweile geht es um die Entwicklung und den möglichen Ertrag der Pflanzen.

Sojamarkt wartet auf den Aussaatreport

Bei Sojabohnen und Ölsaaten richtet sich die Aufmerksamkeit heute auf den Erntefortschrittsbericht des USDA. Am Mittwoch wird das kanadische Statistikamt dann die Aussaatfläche für Canola (und Sommerweizen) melden. Am Ende der Woche aktualisiert die EU-Kommission die Daten zum Rapsanbau.

Die Sojapreise starten in den USA am heutigen Montag mit einem leichten Plus in den vorbörslichen Handel, bei etwa 906 Cent je Buschel für den Julitermin und mit 930 Cent für die neue Ernte. Am Freitag war es wegen der anhaltend schwachen Exportdaten der USA zunächst kräftig nach unten gegangen. Das hatte auch auf die europäischen Rapspreise gedrückt.

An der Matif in Paris notierte der August-Raps am Freitag im Minus bei 369 Euro/t. Am Kassamarkt in Hamburg hatte man den Raps am Freitag mit 364 Euro/t gehandelt und in Mannheim wurden 369 Euro notiert.

Analysten und Händler sind zunehmend über die Folgen besorgt, die die extrem späte Aussaat auf die Erträge von Sojabohnen und Mais in den USA haben wird. Beide Kulturen sind einem hohen Risiko durch heißes Wetter während der wichtigsten Entwicklungsphasen in diesem Sommer und auch durch einen frühen Herbstfrost ausgesetzt. Außerdem könnte die Hitzewelle in Europa auch dem Raps weiter schaden. 

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