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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise: Darum steigen die Getreidepreise noch höher als zuvor

Maiskörner werden in einen Anhänger verladen
am Donnerstag, 28.01.2021 - 09:00 (Jetzt kommentieren)

Solche gewaltigen Preissprünge hat es lange nicht mehr gegeben. Die Getreidepreise erreichen nach ihrem Absturz fast wieder ihre alten Höchstmarken.

Verlauf der Matif-Weizenpreise bis Januar 2021 bei 231 Euro je Tonne Weizen

Der Getreide-Himmel stürzt ein, haben viele Bauern und Getreidehändler befürchtet, als die Getreidepreise vorige Woche weit nach unten rauschten. Doch diese Woche ging es mit den Getreidepreisen genauso steil nach oben – und die alten Preis-Hochs wurden fast alle wieder erreicht. Dabei hat sich fundamental eigentlich nicht viel geändert.

Den Treibstoff für die erneuten steilen Anstieg der Getreidepreise liefern eine ganze Reihe bullische Nachrichten aus Russland, Argentinien, China und den USA. Offenbar hat das viele Getreidehändler davon überzeugt, dass es an der Zeit ist, Getreide zu kaufen. Und manche Analysten halten noch deutlich höhere Getreidepreise für möglich – wenn der Markt von der Knappheit überzeugt ist.

Die US-Mais-Futures stiegen jedenfalls am Dienstag um 4 Prozent, als die Nachricht von neuen sehr hohen Exportverkäufen nach China die Sorge über die Verschärfung der weltweiten Getreideversorgung wieder entfacht haben, sagen US-Analysten. Sojabohnen folgten dem Mais, weil die brasilianische Sojaernte nur langsam beginnt und Argentiniens Mais- und Sojaernte am Ende doch noch vertrocknet.

Außerdem könnten die Argentinier ihre Weizenexporte begrenzen, ist zu hören. Die Weizenpreise stiegen jedoch vor allem, weil Russland die Erhöhung der Weizenexportsteuer und auch alle übrigen Export-Restriktionen einführt.

„Das  ist ein klassischer Demand-Pull-Markt", sagte Rich Feltes, vom US-Analystenhaus R.J. O'Brien. Er sagte auch, dass viele US-Analysten erwarteten, dass Chinas Maisimporte für 2020/21 die aktuelle Prognose des USDA von 17,5 Millionen Tonnen wahrscheinlich übertreffen werden.

Getreidepreise fast auf alten Höchstständen

Maispreise am Chicagoer Terminmarkt steigen im Januar 2021 um vier Prozent

Die Mais-Futures in Chicago haben am Mittwoch ihre Gewinne auf ein Zwei-Wochen-Hoch ausgeweitet, weil der große chinesische Kauf von US-Mais die Aufmerksamkeit auf die Verschärfung der globalen Versorgungslage gelenkt hat. Sojabohnen blieben ebenfalls fest und erreichten ein Wochenhoch, da die Ernte in Brasilien nur sehr langsam vorangeht.

Weizen ging ebenfalls höher und folgte damit Mais und Soja. Die Gewinne am Mittwoch waren jedoch moderater als in der vorherigen Sitzung, da die Preise vor den mehrjährigen Höchstständen, die Anfang dieses Monats erreicht wurden, technischen Widerstand stießen, sagten Händler.

Die aktuellen Erzeugerpreise für Mais erfahren Sie auf agrarheute.

Das US-Landwirtschaftsministerium gab am Dienstag den größten US-Maisverkauf nach China seit Juli bekannt. Die enorme chinesische Nachfrage nach Getreide hat das verfügbare Angebot in den USA und bei anderen Getreideexporteuren wie der Ukraine immer weiter zusammenschmelzen lassen und den Markt wegen der möglichen Einbußen bei der Ernte in Südamerika extrem nervös gemacht.

„Die dem neuen Preishoch zugrunde liegende bullische Stimmung ist immer noch sehr gut. Wir haben noch zwei bis drei Monate Zeit, bis wir die Bestätigung bekommen, ob die neue globale Ernte bei Getreide und Ölsaaten angemessen sein wird", sagte Ole Houe, vom Analystenhaus IKON Commodities. „Bis dahin dürfte sich der Markt weiter nach oben bewegen, wobei die Nachfrage in China der Haupttreiber ist.“

Weizenpreise: Russland zieht alle Register

weizenpreise.

Die Weizen-Futures sprangen erneut weit nach oben, als Russland offiziell bekannt gab, dass die geplante Erhöhung der Weizenexportsteuer ab 1. März gelten wird. Das sind die Fakten: Russland wird vom 15. Februar bis 30. Juni eine Getreideexportquote für Ausfuhren von Weizen, Roggen, Gerste und Mais von  insgesamt 17,5 Millionen Tonnen einführen. Innerhalb dieses Kontingents wird vom 15. Februar eine Weizenexportsteuer von 25 Euro eingeführt. Diese dann vom 1. März bis zum 30. Juni auf 50 Euro ansteigen.

Wenn das Exportvolumen das Kontingent jedoch überschreitet, wird die Steuer auf Weizen weiter erhöht – bis auf 50 Prozent des Zollpreises, aber auf nicht weniger als 100 Euro pro Tonne. Außerdem wurde vom 15. März bis 30. Juni eine Exportsteuer für Gerste und Mais in Höhe von 10 Euro pro Tonne bzw. 25 Euro pro Tonne eingeführt.

Die russische Regierung sagte, dass sie mit ihren Maßnahmen die Inlandspreise für Mahlweizen im europäischen Russland bis Ende Februar auf 13.000 Rubel pro Tonne senken will. Das russische Analystenhaus Sovecon meldet derzeit Inlandspreise für Weizen der dritten Klasse von 15.750 Rubel pro Tonne.

Moskau plant außerdem, seine Weizenexporte in der neuen Vermarktungssaison, die am 1. Juli beginnt, weiter zu besteuern und anstelle des derzeit festgelegten Tarifs, eine neue Regelung einzuführen.

Die aktuellen Marktpreise für Weizen können Sie auf agrarheute einsehen.

Brasilien erntet nur langsam – Regen in Argentinien?

Aktuelle Sojabohnenpreis am Terminmarkt in Chicago mit Preisanstieg im Januar 2021

Die Verzögerungen bei der Ernte in Brasilien haben die saisonale Verlagerung des Exportgeschäfts mit Sojabohnen von den USA zu den südamerikanischen Lieferanten weit nach hinten geschoben. Die brasilianischen Markt-Forscher von AgRural schätzen, dass brasilianische Sojabauern bis zum 21. Januar nur 0,7 % der Anbaufläche abgeerntet haben, verglichen mit 4,2 Prozent vor einem Jahr.

Aber auch die große Unsicherheit über das Angebot aus Argentinien hat dazu beigetragen, dass die Mais-Futures in Chicago auf den höchsten Stand seit 7-einhalb Jahren und die Sojabohnen auf den höchsten Stand seit 6-einhalb Jahren gestiegen sind. Argentinische Analysten prognostizieren für diese Saison eine Maisernte von 45,4 Millionen Tonnen und eine Sojabohnenernte von 48,2 Millionen Tonnen. Die Ernte von argentinischem Mais beginnt im April und endet im Juli und die Ernte von Soja startet im März und ist im Mai eingebracht.

Die Argentinische Getreidebörse in Buenos Aires sagte, dass die Trockenheit im Durchschnitt zu einer landesweiten Verringerung der potenziellen Mais- und Sojaproduktion um 10 Prozent bis 15 Prozent geführt haben könnte. Doch es wird noch schlimmer kommen, wenn der Februar trockener ist als erwartet.

In der nächsten Woche wird jedoch Regen in etlichen Anbauregionen des Landes erwartet. Es gibt jedoch noch viele Risikofaktoren, die in den kommenden Wochen eine Rolle spielen werden. „Die aus Satellitenbildern abgeleitete Vegetationsdichte bleibt trotz der jüngsten Verbesserungen in allen wichtigen Produktionsregionen deutlich unter dem historischen Medianwert", berichten argentinische Wetterdienste.

Hätten Sie's gewusst? 11 Fakten zu Mais

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