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Getreideernte und Preise

Getreidepreise: Hitzewelle hilft Preisen nicht

Getreidepreise
am Mittwoch, 24.07.2019 - 14:30 (Jetzt kommentieren)

Die nächste Hitzewelle rollt übers Land. Den Getreidepreisen hilft das bisher kaum.

Die Notierungen folgen derzeit den schwächeren internationalen Vorgaben. An den internationalen Handelsplätzen bestimmt aber das Geschehen in den USA und am Schwarzen Meer die Richtung der Preise.

Dennoch: In Europa und Deutschland hatten sich die Ernteaussichten schon mit der ersten Hitzeperiode Ende Juni verschlechtert. Analysten wie Strategie Grains hatten ihre Erwartungen im Juli deutlich nach unten gesetzt. Auch in Russland wurden die Prognosen mit der fortschreitenden Ernte etwas nach unten korrigiert. Dennoch liegen die Produktionsaussichten in Europa und auch am Schwarzen Meer weit über dem Vorjahr.

In Russland erwartet man trotz der Korrekturen eine sehr große Ernte. Aus dem wichtigsten US-Weizenstaat Kansas meldet das USDA dieser Tage hohe Weizenerträge und relativ gute Proteingehalte. Insgesamt ist die US-Winterweizenernte zu etwa 69 Prozent eingebracht und drückt auf die Notierungen am Kassamarkt und an den US-Exporthäfen.

Allerdings bleibt die Verbindung der Weizenpreise mit dem US-Maismarkt über die gemeinsame Futterverwertung sehr hoch. Und beim Mais sind sowohl die Aussaatflächen als auch die Ertragsprognosen im Mittleren Westen weiterhin extrem unsicher. Zudem beeinträchtigt nach dem sintflutartigen Dauerregen bei der Aussaat nun ebenfalls eine extreme Hitzewelle den Aufwuchs der Maispflanzen in einer wichtigen Wachstumsphase.

Europäische Weizenernte wird kleiner

getreidepreise

Mitte Juli hatte die Analystenfirma Strategie Grains ihre monatliche Prognose für die diesjährige Weichweizenernte in der Europäischen Union um mehr als 2 Millionen Tonnen gesenkt. Grund war die Hitzewelle von Ende Juni in Westeuropa. Die neuerliche Hitzeperiode Ende Juli dürfte für die europäische Weizenernte jedoch kaum Auswirkungen haben, denn in den meisten Ländern ist diese schon weit fortgeschritten.

Die Analysten von Strategie Grains prognostizieren für 2019 eine Weichweizenproduktion in der EU von 140,6 Millionen Tonnen. Im vorigen Monat ging man noch von 142,8 Millionen Tonnen aus. Andere Analysten haben ihre Schätzungen für die diesjährige EU-Weizenernte ebenfalls gesenkt. Dennoch wird erwartet, dass die extremen Temperaturen nicht lange genug anhielten, um schwere Ernteausfälle wie zur Dürre im letzten Jahr zu verursachen.

"Die Hitzewelle, die Ende Juni Westeuropa und Polen getroffen hat, hat Auswirkungen auf die Erträge gehabt, insbesondere bei leichten Böden", sagte Strategie Grains in einem monatlichen EU-Getreidebericht. Die Experten hatten ihre Schätzungen zur Weichweizenproduktion in Deutschland um mehr als 700.000 Tonnen gesenkt, in Spanien korrigiert man die Produktion um mehr als 600.000 Tonnen nach unten und in Polen wurde die Ernte um fast 400.000 Tonnen reduziert.

An der Schätzung der Weichweizenernte für Frankreich, dem größten Erzeuger der EU, wurde zunächst kaum etwas geändert. Hier geht Strategie Grains von 37 Millionen Tonnen aus. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber rund 34 Millionen im vergangenen Jahr und entspricht der ersten Prognose des französischen Agrarministeriums.

Weizenpreise zuletzt kräftig gefallen

Weizenpreise

Ein Grund für die schwächeren Weizenpreise in den USA ist der Vermarktungsdruck aus der auf Hochtouren laufenden Weizenernte. Hinzu kommen die hohen Erträge sowie die über den Erwartungen liegenden Proteinwerte im wichtigsten Weizenstaat Kansas. Bis zum 21. Juli war die Winterweizenernte in den USA zu 69 Prozent eingebracht.

Der Terminmarkt in Chicago hatte am Montag mit kräftig fallenden Kursen reagiert und zog damit auch den europäischen Markt nach unten. Der vordere September-Weizen fiel zum Beginn der Woche um 3 Prozent auf nur noch 487 Cent je Buschel. Der Dezembertermin gab auf 498 Cent nach. Am heutigen Mittwoch beginnen die US-Weizenpreise den vorbörslichen Handel jedoch wieder leicht im Plus.

Am europäischen Terminmarkt gab der September-Weizen am Montag um mehr als 2 Euro auf 174 Euro/t nach. Am Mittwoch Mittag werden mit Unterstützung aus Chicago leicht höhere Kurse von 175 Euro/t notiert. In Deutschland folgten die Kassapreise dem Terminmarkt auf dem Weg nach unten. Für die Anlieferung im Juli wurden in Hamburg am Dienstag 180 Euro geboten. Das sind 11 Euro weniger als vor vier Wochen.

Die neue Ernte (August) wurde in Hamburg mit 173 Euro/t notiert und damit 11 Euro niedriger als vier Wochen zuvor. Gleichzeitig bewegen sich die Kassapreise für die neue Ernte auf dem Niveau der Terminmarktpreise. Im Osten Deutschland lagen die nominellen Angebotspreise für Brotweizen am Mittwoch bei 164 Euro/t und für die neue Ernte bei 157 Euro/t.

Mais, Soja und Raps am Mittwoch im Plus

Maispreise

Die Maispreise sind in den USA und in Europa zu Beginn der Woche gefallen, allerdings nicht so kräftig wie der Weizen. Am Mittwoch sieht es jedoch nach einer Preiserholung aus. Der vordere Septembertermin beendete den Handel bei am Montag bei 422 Cent je Buschel. Im vorbörslichen Handel am Mittwoch steigen die September-Preise auf 427 Cent und die neue Ernte wird mit 433 Cent gehandelt.

Am europäischen Terminmarkt kostete der August-Mais am Montag 179 Euro und die neue Ernte ebenfalls 179 Euro. Die Sojapreise sind für den Augusttermin in den USA am Montag auf 888 Cents gefallen. Am heutigen Mittwoch notiert der vordere Augusttermin im vorbörslichen Handel in Chicago wieder bei 891 Cents und der November bei 909 Cents.

Am europäischen Terminmarkt hat sich der Raps dem rückläufigen Trend der Sojapreise widersetzt. Die neue Ernte (August) beschloss den Handel im Plus bei 374 Euro/t. Am Kassamarkt in Hamburg hatte man den vorderen Raps zuletzt mit 373 Euro/t gehandelt und die neue Ernte mit 377 Euro/t notiert. In Mannheim wurden für den vorderen Termin 380 Euro geboten und für die neue Ernte 381 Euro.

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