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Getreidemarkt und Getreidepreise 2021

Getreidepreise im Höhenrausch – Rekorde, Rekorde, Rekorde

wintergetreide.
am Freitag, 23.04.2021 - 06:03 (Jetzt kommentieren)

Da reibt sich mancher Landwirt verwundert die Augen: Die Getreidepreise durchbrechen immer neue Rekordmarken.

Rapspreise.

Ganz offensichtlich ist Getreide knapp. Für die aktuelle Saison gilt das sowieso – aber nun wohl auch für die nächste Ernte. Beides kann man prima an den Terminmarkt-Preisen ablesen: Der vordere Matif-Weizen steigt am Donnerstag im laufenden Handel bis auf 237 Euro je Tonne. Die neue Ernte kostet stramme 217 Euro je Tonne – so viel wie noch nie zuvor. Die Rapspreise machen einen Sprung um 29 Euro auf 591 Euro je Tonne. So teuer war die schwarze Ölsaat noch nie – und die neue Rapsernte wird mit 506 Euro je Tonne gehandelt.

Auch die europäischen Maispreise folgen den steilen Vorgaben aus Übersee. Sie steigen für die alterntige Ware auf 232 Euro und für die nächste Ernte auf 207 Euro je Tonne. Das gleiche Bild am Kassamarkt: Schaut man auf den Großmarkt und Exporthafen in Hamburg, dann kostet der Brotweizen dort am Donnerstag 245 Euro je Tonne und Futtergerste wird mit 207 Euro notiert.

Angetrieben wird die Rallye in Europa durch den außergewöhnlichen und für die meisten Analysten und Getreidehändler wohl doch etwas überraschenden Kursanstieg in den USA. Dort durchbrachen die Preise für Mais und Sojabohnen die vorherigen Höchststände und stiegen ganz überwiegend auf neue 8-Jahreshochs – Mais auf 644 Cent je Buschel und Sojabohnen auf 1.532 Cent je Buschel.

Ähnlich steil nach oben ging es für den Chicago-Weizen – nämlich auf 686 Cent für die alte Ernte und mit 693 Cent für die neue Ernte ist die Preiserwartung sogar höher als für den aktuellen Weizen. Und auch bei Mais und Soja wurde die neuen Ernte mit nach oben gezogen: Nämlich auf 1.336 Cent für Soja und 545 Cent für den Mais. Doch nun zu den Gründen für den explosionsartigen Preisanstieg.

USA: Zu trocken, zu kalt und viele Sorgen

weizenpreise.

Das anhaltend kalte Wetter in weiten Teilen der USA dürfte die Keimung des neu gesäten Mais merklich verlangsamen. Das US-Landwirtschaftsministerium gab in seinem Crop-Progress-Report an, dass der Mais bis vorigen Sonntag zu 8 Prozent gepflanzt war, und Sojabohnen zu 2 Prozent. Der Sommerweizen war bereits zu 19 Prozent im Boden – jedoch unter schwierigen Bedingungen.

Eine extreme Trockenheit in den nördlichen Anbauregionen der USA und Kanadas macht die Ausaat von Sommerweizen zum Problem. Ohne etwas Feuchtigkeit läuft das gesäte Getreide nämlich nicht auf. Einige wenige Schauer haben die Bodenfeuchtigkeit in dieser Woche kaum verbessert, sagen Wetterdienste. Die Wettervorhersage zeigt auch weiterhin kaum Regen für die gesamte Region – mit Ausnahme einiger weniger kleiner Gebiete im Südosten der Winterweizen-Staaten Kansas und Oklahoma.

Der wichtige Sommerweizenstaat North Dakota ist auf 78 Prozent seines Territoriums extrem trocken - in South Dakota fallen immerhin 58 Prozent der Flächen in diese Kategorie. Die Prognose für die nächsten Tage zeigt weiterhin kaum Niederschläge - dafür jedoch sehr kalte Temperaturen, mit teilweise kräftigem Frost für die Winterweizen-Regionen Nebraska, Kansas, Oklahoma und Texas.

China versucht den Mangel zu verwalten

Maispreise.

Chinas Regierung hat diese Woche Richtlinien herausgegeben, die für die Reduzierung von Mais und Sojaschrot in Schweine- und Geflügelfutter sorgen sollen. Der Grund: Der anhaltende Futtermangel hat die Preise vor allem für Mais, aber auch für Soja und Weizen weit nach oben getrieben – und damit auch die tierische Produktion enorm verteuert.

An der chinesischen Terminbörse in Dalian wird der Mais aktuell für 2.746 Yan je Tonne gehandelt – das sind 357 Euro je Tonne, nachdem die Preise Anfang April noch bei 2.600 Yuan lagen (338 Euro). Sojabohnen werden in Dalian mit 4.158 Yan notiert – das sind 540 Euro je Tonne. Der Weizen kostet an der Börse in Zhengzhou 2.654 Yan (345 Euro) und ist weiterhin billiger als Mais.

China verbraucht jedes Jahr deutlich mehr als 200 Millionen Tonnen Mais im Tierfutter und 35 Millionen Tonnen Weizen sowie 100 Millionen Tonnen Sojabohnen. Wegen des akuten Futtermangels haben sich die chinesischen Maisimporte auf den neuen Rekordwert von 24 Millionen mehr als verdoppelt. Dazu kommen noch Einfuhren von fast 11 Millionen Tonnen Weizen und 100 Millionen Tonnen Sojabohnen.

Chinesische Futtermittelhersteller haben den teuren Mais bereits gegen billigere Alternativen ausgetauscht, insbesondere durch Weizen, aber auch durch anderes importiertes Futtergetreide – wie etwa Gerste und Sorghum. Die anhaltende Knappheit dürfte für den chinesischen und globalen Getreidemarkt spürbare Auswirkungen haben, glauben Analysten.

Brasilien: Zweite Maisernte ist in Gefahr

maispreise.

Brasiliens hauptsächlich für den Export erzeugte zweite Maisernte (Safrina) steht seit Wochen im Fokus der Märkte. Sie wird nach der Sojabohnenernte gepflanzt - und das war in diesem Jahr viel später als gewöhnlich. Damit erhöht sich nach Einschätzung von Analysten die Wahrscheinlichkeit, dass der Mais von Trockenheit geschädigt wird, und die Ernte kleiner ausfällt als wegen der sehr großen Anbaufläche erwartet wird.

Hinzu kommt: Die Ernte kommt deutlich später auf den globalen Markt. Und bis dann die neue US-Ernte kommt, dauert es noch etwas länger. Zuletzt haben sich die Wachstumsbedingungen vor allem im zweitwichtigsten Safrina-Anbaustaat Parana deutlich verschlechtert, berichten Analysten. In Parana werden etwa 15 Prozent der zweiten Maisernte Brasiliens angebaut. Zum Beginn dieser Woche waren nur noch 62 Prozent der Maispflanzen des südlichen Bundesstaates in gutem Zustand, verglichen mit 76 Prozent in der Woche zuvor und 92 Prozent vor zwei Wochen.

Die brasilianische Agrarbehörde CONAB schätzte die zweite Maisernte (Safrina) im April, wegen der Anbauausweitung von mehr als 1 Millionen Hektar, noch auf 82 Millionen Tonnen – im Vergleich zu 75 Millionen Tonnen im vorigen Jahr. Doch das ist mit Sicherheit nicht das letzte Wort, denn die Pflanzen sind ja gerade erst im Boden.

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